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OBWALDEN: Tödlicher Velounfall heizt Diskussionen an

Nach dem tödlichen Unfall, bei dem ein 87-Jähriger am Steuer sass, flammt die Debatte rund um Senioren im Strassenverkehr erneut auf. Der verstorbene Velofahrer war Cheftrainer eines Ruderclubs.
Adrian Venetz
Die Unfallstelle bei der Verzweigung Rütistrasse/Spitalmattenweg. Im Hintergrund die Kantonsschule Obwalden. (Bild: PD (Sarnen, 24. Juli 2017))

Die Unfallstelle bei der Verzweigung Rütistrasse/Spitalmattenweg. Im Hintergrund die Kantonsschule Obwalden. (Bild: PD (Sarnen, 24. Juli 2017))

Adrian Venetz

adrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch

Bei einem schweren Unfall ist am vergangenen Montag in Sarnen ein 33-jähriger Velofahrer ums Leben gekommen (wir berichteten). Es handelt sich dabei um einen Cheftrainer des Ruderclubs Thalwil. Auf der Homepage des Clubs ist eine entsprechende Traueranzeige publiziert worden. Der 33-Jährige nahm in Sarnen an einem Trainingslager des Schweizerischen Ruderverbands teil und bereitete dort ein junges Ruderteam auf einen internationalen Wettkampf in Belgien vor.

Gemäss Angaben des Ruderclubs Thalwil befand sich der Mann auf einer Ausfahrt, als es zum tödlichen Unfall kam. Auf Wunsch der Eltern, so heisst es in der Trauerbekundung weiter, werde die Asche des jungen Mannes im Zürichsee verstreut.

87-Jähriger bog nach links in Seitenstrasse ab

Laut Polizeimeldung fuhr der Velofahrer die Rütistrasse hinunter Richtung Sarneraa/Kantonsschule, als er in ein entgegenkommendes und nach links abbiegendes Auto prallte. Hinter dem Steuer sass ein 87-jähriger Mann aus dem Kanton Luzern. Die Ermittlungen laufen noch, und es gilt die Unschuldsvermutung, doch so wie der Unfallhergang geschildert wird in der Mitteilung, deutet einiges darauf hin, dass der Autofahrer beim Linksabbiegen den entgegenkommenden Velofahrer übersehen oder zumindest die Gefahrensituation falsch eingeschätzt hat.

Nachdem der «Blick» die Unfallnachricht im Internet pub­liziert hatte, flammte in den Kommentarspalten wieder einmal eine Diskussion auf über die Fahrtüchtigkeit von Senioren. «Wenn ich sehe, in welchem Zustand die Alten teilweise noch fahren, wundert mich gar nichts», schrieb ein Leser. Ein anderer meinte: «Es ist höchste Zeit, denjenigen Hausarzt gerichtlich zur Verantwortung zu ziehen, welcher dem 87-jährigen Mann die Fahrerlaubnis blanko unterschrieben hat.» Auch auf der Facebook-Seite unserer Zeitung schrieb eine Leserin: «Sorry, aber 87-Jährige gehören nicht mehr hinters Steuer.» Das Thema «Senioren am Steuer» ist jüngst gerade wieder in den Fokus geraten. Grund ist die Initiative des Aargauer SVP-Nationalrats Maximilian Reimann. Er fordert, dass Autofahrer erst ab 75 Jahren (statt 70) regelmässig zu ärztlichen Kontrollen müssen. Das Parlament sagte Ja zum Vorstoss. In der kommenden Session wird dann eine ausgearbeitete Gesetzesvorlage beraten.

Verkehrsmediziner sind skeptisch

Wenig von dieser höheren Alterslimite hält der Obwaldner Kantonsarzt Mario Büttler. «Viele typische Altersbeschwerden, die sich negativ auf die Fahreignung auswirken können, treten bereits ab dem 60. Altersjahr auf.» Eine Verschiebung der Altersgrenze nach oben werde von Verkehrsmedizinern generell sehr skeptisch beurteilt, betont Büttler. Gerade bei der Demenz habe man es mit einem oft schleichenden Vorgang zu tun, der über längere Zeit hinweg gar nicht erkannt werde – und manchmal von Patienten und Angehörigen nicht erkannt werden wolle. Die Beurteilung der Fahrtüchtigkeit von Senioren sei oft ein «heikles Thema, bei dem es Fingerspitzengefühl braucht», sagt Mario Büttler weiter. «Wenn ein Hausarzt seinen Patienten gut kennt, gerät er vielleicht in einen Loyalitätskonflikt.» Will heissen: Der Arzt ist möglicherweise etwas gehemmt, einem älteren Patienten direkt zu sagen, dass es besser wäre, den Führerausweis abzugeben. «In solchen Fällen kann es angebracht sein, dass der Patient von einem anderen Arzt beurteilt wird.»

Mario Büttler glaubt indessen nicht, dass einige Hausärzte ihren Patienten einfach eine «Blanko-Unterschrift» fürs Fahren geben, ohne seriös abzuklären, ob die Fahrtüchtigkeit wirklich gegeben ist. Bei solchen Untersuchungen handle es sich um standardisierte Tests, deren Ergebnisse schriftlich festgehalten würden. Zum Test gehören beispielsweise das Messen der Sehschärfe, der Blutzuckerwerte, der Beweglichkeit und der Reaktionsfähigkeit. Zudem sei es nicht der Arzt, der letztlich über die Fahrerlaubnis entscheide, sondern das Verkehrssicherheitszentrum.

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