OBWALDEN: Trotz Mitgefühl Distanz wahren

Balz Omlin ist Friedhofsgärtner und Totengräber in einem. Seit gut 35 Jahren kümmert er sich um die Friedhöfe der Gemeinde Sarnen.

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Balz Omlin bei seiner Arbeit auf dem Friedhof Sarnen. «Man sollte in unserer Gesellschaft viel mehr über den Tod sprechen», findet er. (Bild Corinne Glanzmann)

Balz Omlin bei seiner Arbeit auf dem Friedhof Sarnen. «Man sollte in unserer Gesellschaft viel mehr über den Tod sprechen», findet er. (Bild Corinne Glanzmann)

Das Gärtnern ist eine spannende, vielseitige und abwechslungsreiche Angelegenheit. Nicht von ungefähr suchen viele Leute den Ausgleich zur Büroarbeit draussen in der freien Natur: Sei es beim Heckenstutzen, beim Rasenmähen oder beim Unkrautjäten – die Gartenarbeit bringt einen auf andere Gedanken. Auch Balz Omlin erfreute sich schon früh an der gestalterischen Arbeit mit Pflanzen und Bäumen, sodass er sich in seinen Jugendjahren zum Gartenbauer ausbilden liess.

Damals, mit knapp 20 Jahren, hat er wohl nicht damit gerechnet, dass ihn seine Leidenschaft fürs Gärtnern einmal zum Posten des Totengräbers führen würde. Heute, 35 Jahre nach Abschluss der Ausbildung, arbeitet Balz Omlin als selbstständiger Gärtner in Sarnen. Einen Teil seines Arbeitspensums verrichtet er dabei auf den Friedhöfen der Gemeinde Sarnen, wo er für die Grabbepflanzung, die Grabpflege sowie den Friedhofsunterhalt zuständig ist. «Bereits während meiner Ausbildung verrichtete ich erste Gartenarbeiten auf dem Friedhof», erzählt Balz Omlin. «Einige Jahre nach Lehrabschluss habe ich mich selbstständig gemacht und jenen Gartenbaubetrieb, der mich ausgebildet hat, übernommen. Die Friedhofsarbeiten habe ich dann im gleichen Rahmen weitergeführt.»

Immer mehr Gemeinschaftsgräber

Seit der Übernahme des Gartenbaubetriebs im Jahre 1988 teilen sich Balz Omlin und seine Frau Lisbeth die anfallende Arbeit im Gärtnergeschäft. «Die Arbeit im Freien gestaltet sich je nach Jahreszeit völlig unterschiedlich. Im Winter steht öfters Schneeschaufeln und im Sommer halt öfters Heckenschneiden auf dem Programm», so Balz Omlin. Der Gärtnerberuf sei auf jeden Fall stark wetterabhängig und erfordere eine entsprechende Flexibilität.

Ergänzend zu den herkömmlichen Gärtnertätigkeiten ist Omlin als Totengräber bei den Beerdigungen auch für die Herrichtung der Grabstätte verantwortlich. Darunter fällt etwa der Grabaushub, aber auch das Tragen des Sarges oder der Urne. Aufgrund der starken Nachfrage nach Bestattungen im Gemeinschaftsgrab nehmen die grabpflegerischen Tätigkeiten allerdings mehr und mehr ab: «Die Popularität des Gemeinschaftsgrabes zeigt sich auch daran, dass die Grünflächen im Sarner Friedhof immer grösser werden. Im Gegensatz zu Erdbestattungs- oder Urnengräbern beschränkt sich der Unterhalt des Gemeinschaftsgrabes auf ein Minimum», weiss Balz Omlin. Auch deshalb würden heutzutage viele Leute das Gemeinschaftsgrab oder den Urnenhain einer Erdbestattung vorziehen.

Eine emotionale Grenze ist wichtig

Als Totengräber wird man immer wieder Zeuge von schweren Schicksalen. Jedes Jahr ist Balz Omlin bei rund 60 Beerdigungen im Einsatz. Mit den Jahren hat er gelernt, gerade die tragischen Todesfälle emotional nicht zu stark an sich heranzulassen: «Heute machen mir die Todesfälle, die ich als Grabmacher begleite, nicht mehr so zu sehr zu schaffen. Man entwickelt zwar Mitgefühl, darf an den einzelnen Schicksalen aber nicht zu lange herumstudieren», sagt der 55-Jährige. Und Frau Lisbeth ergänzt: «Insofern ist Balz für diesen Beruf wie geschaffen.»

Der Tod wird oft tabuisiert

Auch ausserhalb von Beerdigungen macht das Ehepaar Omlin bei den Gartenarbeiten auf dem Friedhof immer wieder Bekanntschaft mit Angehörigen von Verstorbenen, die sich mit ihnen über die Vergänglichkeit und den Tod austauschen möchten. «Wir bieten da natürlich immer ein offenes Ohr. Ganz allgemein sollte man in unserer Gesellschaft viel mehr über den Tod sprechen. Die Konfrontation mit dem Tod fehlt, die Thematik wird oftmals tabuisiert», meint Lisbeth Omlin. Dabei mache gerade die Aufgabe, dem Verstorbenen mit einem schön gestalteten Grab die letzte Ehre zu erweisen, die Arbeit des Totengräbers aus. «Auch wenn das Gärtnern zuweilen ziemlich anstrengend ist, gefällt mir die Arbeit auf dem Friedhof sehr. Der Friedhof ist eben ein spezieller, friedlicher Ort», so Balz Omlin. «Mit den Seelen habe ich jedenfalls kein Problem.»

Hinweis

In unserer Sommerserie «Hinter den Mauern» geben wir in loser Folge Einblick in Orte, die sonst oftmals verborgen bleiben. Abonnenten finden die Beiträge auch unter www.obwaldnerzeitung.ch/serien. Bereits erschienen: Stiftsbibliothek (14. 7.)