OBWALDEN: Über 300'000 verbotene Porno-Dateien

Ein Luzerner Geschäftsmann lud massenweise Fotos und Videos herunter. Auch solche mit sexuellen Handlungen mit Kindern. Nun muss er sich therapieren lassen.

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Ein Spezialist der Zuger Polizer bei der Arbeit: Er gibt sich in Chatrooms als 13-jähriges Kind aus und stellt so Pädophile. (Bild: Roman Hodel/Neue ZZ)

Ein Spezialist der Zuger Polizer bei der Arbeit: Er gibt sich in Chatrooms als 13-jähriges Kind aus und stellt so Pädophile. (Bild: Roman Hodel/Neue ZZ)

Der gestrige Strafprozess wurde im abgekürzten Verfahren durchgeführt. Das heisst, das Urteil war zuvor zwischen Staatsanwaltschaft und amtlicher Verteidigung beziehungsweise dem Angeklagten ausgehandelt worden. Es musste vom Gericht noch geprüft werden, zum Beispiel auf ein angemessenes Strafmass. Das Gericht stimmte zu, das Urteil ist nicht mehr anfechtbar. Angeklagt war ein 63-jähriger, in einer Luzerner Landgemeinde wohnhafter Mann, der in Obwalden eine Ferienwohnung besitzt.

«Klar halte ich fest, dass mein Mandant keine sexuellen Handlungen mit Kindern vorgenommen hat», sagte gestern der amtliche Verteidiger in seinem Kurzplädoyer. – «Hinweise auf solche Verfehlungen haben wir in den Akten auch tatsächlich keine gefunden», bestätigte Kantonsgerichtspräsident Roland Infanger später an der Urteilsverkündigung. «Doch sind Sie sich bewusst», wandte er sich in hartem Ton an den Beschuldigten, «dass Sie sich mit Ihrer sexuellen Lust einfach über grosses Leid vieler betroffener Kinder hinweggesetzt haben?» – Er sei sich dessen bewusst geworden, hatte der Beschuldigte bereits bei der Befragung durch den Präsidenten gesagt, denn «ich habe ja selber Grosskinder und kann mir nicht vorstellen, wenn so etwas einem von ihnen passiert».

Riesige Menge verbotener Dateien heruntergeladen

Der Beschuldigte, ein Geschäftsmann, hatte vom 16. April 2011 bis 21. November 2013 an seinem Luzerner Wohnsitz sowie in seiner Obwaldner Ferienwohnung über 300 000 pornografische Foto- und Videodateien aus dem Internet heruntergeladen und auf seinem Laptop und einer externen Festplatte gespeichert. Inhalt der Dateien waren laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft sexuelle Handlungen mit Kindern (286 500 Dateien), mit Tieren (16 300) sowie sexuelle Gewalttätigkeiten (3380). Der Beschuldigte hatte zudem mehrere hundert Dateien von sexuellen Handlungen mit Kindern auf der Private-Peer-to-Peer-Tauschbörse «Gigatribute» andern Nutzern zugänglich gemacht. «Ein überaus verwerfliches Verhalten», wie es Staatsanwalt Bernhard Schöni formulierte.

Der Beschuldigte ist vom Obwaldner Kantonsgericht zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. «Nicht in Frage kam angesichts der sehr guten finanziellen Verhältnisse des Angeklagten und der vom Gutachter festgestellten Rückfallgefahr eine Geldstrafe», so der Staatsanwalt. Der Vollzug der unbedingten Freiheitsstrafe wird jedoch zu Gunsten einer zweijährigen ambulanten Behandlung aufgeschoben, da der Angeklagte geständig war und Reue zeigte. Bricht er die Therapie jedoch ab, muss er zwei Jahre ins Gefängnis. Der Angeklagte hat zudem rund 14000 Franken Verfahrenskosten zu bezahlen.

Robert Hess

redaktion@obwaldnerzeitung.ch