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OBWALDEN: Über 35'000 Tonnen sind in Kerns bereits abgelagert

Seit sieben Monaten ist die Deponie Hinterflue in Kerns in Betrieb. Die Auslastung sei schwankend, sagen die Verantwortlichen. Die Korporation hofft, dass ihre finanziellen Erwartungen rechtzeitig erfüllt werden.
Franziska Herger
Hier können während 16 Jahren 1,2 Millionen Kubikmeter Erdmaterial und Schutt abgelagert werden. (Bild: Corinne Glanzmann (Kerns, 30. August 2017))

Hier können während 16 Jahren 1,2 Millionen Kubikmeter Erdmaterial und Schutt abgelagert werden. (Bild: Corinne Glanzmann (Kerns, 30. August 2017))

Es herrscht viel Betrieb in der Deponie Hinterflue. Ein Lastwagen nach dem anderen fährt am Mittwoch die steile Strasse im Gebiet Foribach zwischen Kerns und Sarnen hinauf. Oben angekommen, werden die Laster gewogen, um dann Richtung Deponie­grube zu rollen: nach rechts für sauberes Aushubmaterial wie Erde, nach links für Inertstoffe – ­Bauschutt wie Gips, Beton und ­Ziegel. Deponiewart Toni Vogler sitzt im Bulldozer und baut den Aushub in die Deponie ein. ­Wieder leer, fahren die Laster ­nochmals über die Waage, um die ­Deponiegebühr zu bestimmen.

So viel wie heute sei nicht jeden Tag los, sagt Geschäftsführer Mario Durrer. «Wir haben grosse Schwankungen in der Nachfrage. Manchmal ist ein paar Tage lang gar nichts los.» Die Auslastung der am 1. Februar in Betrieb genommenen Deponie sei aber zufriedenstellend, sagt Verwaltungsratspräsident Ernst Michel. «Bis Ende Juni konnten wir 35 000 Tonnen Material verbauen.»

Der Bau kostete 2,5 Millionen Franken

Bis hierhin war es ein langer Weg. Schon 2005 beschloss der Kanton, dass im unteren Sarneraatal nur noch ein bis zwei Deponien betrieben werden sollten. Nach mehrjährigem Bewilligungsverfahren hiess der Kantonsrat dann im Mai 2015 den Nutzungsplan für die Deponie Hinterflue gut, dies auch mit Blick auf das Hochwasserschutzprojekt Sarneraa. Der Aushub aus dem geplanten Stollen sollte nämlich in der neuen Deponie Platz finden. An der 2012 gegründeten Deponie Obwalden AG sind die Korporation Kerns und die Teilsame Dorf Kerns, auf deren Land 50 Prozent der Deponiefläche von 13 Hektaren liegen, rund zur Hälfte beteiligt. Die andere Hälfte der Aktien gehören der Baufirma Melk ­Durrer AG, die mit dem Betrieb der Deponie beauftragt ist und für die Projektplanung verantwortlich war. «Die Kosten für Bau und Projektierung hielten sich im Rahmen des Kostenvoranschlags», sagt VR-Präsident ­Michel. Die Korporation Kerns beteiligte sich laut Präsident ­Niklaus Ettlin mit 660000 Franken in Form von Aktienkapital und Aktionärsdarlehen.

Die Korporation wurde in der Deponie auch selber aktiv, weil sie sich mit den Erträgen eine Querfinanzierung der sanierungsbedürftigen Strasse zwischen Melchtal und Stöckalp erhoffte – eine Auflage des Kantons bei der Erneuerung der Gondelbahn nach Melchsee-Frutt, die es bis 2020 zu erfüllen gilt. Ist diese Rechnung aufgegangen? Ettlin hofft, dass die Strasse nicht auf die geforderten 6,5 Meter verbreitert werden muss, denn die bereits realisierten Ausweichstellen hätten sich bestens bewährt. Ein Zwischenbericht sei beim Kanton hängig. «Wann und wie wir die Strasse ausbauen müssen, ist daher nicht sicher», so Ettlin. «Wenn die Strasse aber kommt, bevor aus der Deponie Erträge fliessen, haben wir ein Finanzierungsproblem.»

Deponie wird nur bei Nachfrage betrieben

Die Deponie sei in ihrem ersten Halbjahr finanziell auf Kurs, sagt VR-Präsident Michel. Aufgrund der schwierigen Planbarkeit sei aber offen, wie viel schliesslich erwirtschaftet werden könne. Auch wann der Aushub des Hochwasserstollens beginne und ob das Material in der Hinterflue deponiert wird, sei noch unklar, so Michel. «Wichtig ist, dass unser Betrieb flexibel organisiert ist.» Das heisst konkret: Die Deponie wird nur bearbeitet und erzeugt nur dann Kosten, wenn Nachfrage besteht. Deponiewart Vogler beispielsweise ist bei der Melk Durrer AG angestellt und nur auf Abruf für die Deponie tätig.

So seien auch die rund 120 zusätzlichen täglichen Lastwagenfahrten, welche die Regierung 2015 vorausgesagt hatte, nicht eingetroffen, sagt Michel. Auch die Sicherheit von Velofahrern sei – entgegen der Befürchtungen einiger Kantonsräte – nie gefährdet gewesen. «Unsere Einfahrt ist grosszügig. Wir hatten bisher keine Verkehrsprobleme.»

In der Deponie haben derweil wieder ein paar neue Lastwagen ihre Ladung ausgekippt. Ein ­grosser Teil des Geländes ist aber noch grasbedeckt. «Zwei Drittel der Deponie müssen immer grün sein», erklärt Mario Durrer. «Wir renaturieren das Gelände laufend in 11 Etappen.» Die Betonanteile des Bauschutts würden zudem vor Ort zu Recycling-Kies aufbereitet, so Durrer. Der Nutzungsplan der 1,2 Millionen Kubik­meter fassenden Deponie ist auf 16 Jahre befristet. Bis dann werde das Gelände wieder weitgehend gleich aussehen wie vor der Deponie, so Durrer. «Nur ein paar Meter höher.»

Franziska Herger

franziska.herger@obwaldnerzeitung.ch

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