OBWALDEN: Über vieles darf sie gar nicht sprechen

Oberstaatsanwältin Esther Omlin hatte 2016 vor allem mit internationaler Wirtschaftskriminalität zu tun. Auch privat kreuzt sie mit Gegnern die Klingen.

Adrian Venetz
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Die Obwaldner Oberstaatsanwältin Esther Omlin (41) in ihrem Büro im Polizeigebäude Sarnen. (Bild: Adrian Venetz (15. Dezember 2016))

Die Obwaldner Oberstaatsanwältin Esther Omlin (41) in ihrem Büro im Polizeigebäude Sarnen. (Bild: Adrian Venetz (15. Dezember 2016))

Adrian Venetz

adrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch

«Rückblick – Ausblick» heisst unsere Serie zum Jahreswechsel. Doch da gibt es ein kleines Problem. Will man nämlich von Oberstaatsanwältin Esther Omlin einen Ausblick aufs kommende Jahr, beisst man auf Granit. Kein Wunder: Weil sie ans Amtsgeheimnis gebunden ist, darf sie unserer Zeitung nicht verraten, welche Verbrecher derzeit in Haft sitzen, was sie angestellt haben und wann ihnen der Prozess gemacht wird. Staatsanwälte sind als Strafverfolgungsbehörden zwar im Dienste der Öffentlichkeit tätig, ihr Leben und Wirken aber findet oft abgeschottet von dieser Öffentlichkeit statt. «Die meisten Staatsanwälte findet man nicht in den Telefonbüchern – ich bin da eher eine Ausnahme», sagt Esther Omlin. «Man kennt mich in Obwalden. Da bringt es nichts, sich zu verstecken.»

Die 41-jährige Oberstaatsanwältin ist gebürtige Sarnerin und wohnt auch hier. Ein grosser Teil ihrer Freizeit – etwa ihr Training in einem Fechtklub oder der Russischkurs – spielt sich aber ausserhalb des Kantons ab. Auch ihr Lebenspartner wohnt in einem anderen Kanton. Wo? Das möchte sie lieber nicht verraten. «Der Beruf bringt gewisse Einschränkungen mit sich. Für mich käme es beispielsweise nicht in Frage, einen grossen Fasnachtsanlass in Obwalden zu besuchen.» Zwar sind Staatsanwälte – anders als im Fernsehen – nicht ständig auf Verbrecherjagd. Feinde schaffen sie sich trotzdem. Jeder Raub, jede Körperverletzung und jeder grössere Drogenhandel landet bei der Staatsanwaltschaft – und diese zerrt die Täter vor Gericht. Drohbriefe und anonyme Beschimpfungen sind bei Esther Omlin nicht gerade an der Tagesordnung. «Aber es kommt natürlich immer wieder vor.» Auch tätlich angegriffen wurde die Oberstaatsanwältin schon.

An schreckliche Szenen gewöhnt man sich nicht

Der Beruf bringt mit sich, dass man mit Schicksalsschlägen und schrecklichen Verbrechen konfrontiert wird – Kindsmisshandlungen, Suizide, schwere Gewaltverbrechen. «Man lernt mit der Zeit, damit umzugehen», sagt Esther Omlin. «Aber man gewöhnt sich nicht daran. Und das ist auch gut so.» Das Bild des abgebrühten und hartgesottenen Staatsanwalts – wie es etwa in Krimiserien vorkommt – dürfe es in der Realität nicht geben. «In unserem kleinen Team können wir über solche Fälle auch sprechen, um das Geschehene und Gesehene zu verarbeiten. Zudem gibt es Weiterbildungen zum Thema.» Beim Rückblick aufs Jahr 2016 spricht Esther Omlin die Ermittlungen rund um die Korruptionsvorwürfe im kroatischen Fussball an. Nach einem internationalen Rechtshilfegesuch begann die Staatsanwaltschaft mit Ermittlungen in Obwalden – unsere Zeitung berichtete mehrmals darüber. «Das war 2016 schon der komplexeste Fall, der am meisten Zeit in Anspruch genommen hat.» Natürlich wird die Staatsanwaltschaft nicht wegen jeder Bagatelle auf den Plan gerufen. Vieles kann die Polizei selbstständig erledigen. «Fälle landen beispielsweise bei der Staatsanwaltschaft, sobald Zwangsmassnahmen angebracht sind – beispielsweise bei Festnahmen, Überwachungen und Hausdurchsuchungen.»

«Weniger oft operativ tätig als früher»

Bereits im jungen Alter von 28 Jahren wurde Esther Omlin Staatsanwältin im Kanton Obwalden. Seit 2011 präsidiert sie die Konferenz aller schweizerischen und liechtensteinischen Oberstaatsanwälte sowie der Bundesanwälte. Zur Obwaldner Oberstaatsanwältin wurde sie im Jahr 2011 gewählt. Seither hat sich auch ihr Aufgabenbereich etwas verändert. «Ich bin weniger oft operativ tätig als früher – also direkt mit der Polizei an Tatorten und bei Hausdurchsuchungen dabei. Dafür kamen administrative und personalrechtliche Aufgaben hinzu.» Einen eigentlichen «Chef» hat die Oberstaatsanwältin nicht. Das bedeutet aber nicht, dass sie in ihrem Job nach Belieben schalten und walten kann. Als Aufsichtsbehörde der Staatsanwaltschaft fungieren das Obergericht und die Rechtspflegekommission des Kantonsrats, administrativ ist die «Stawa» – so der Kurzname im Juristenjargon – dem Sicherheits- und Justizdepartement unterstellt.