OBWALDEN / URI: Felssturz in Engelberg – Steinschlag am Sustenpass

Mehrere tausend Kubikmeter Gestein donnerten am Donnerstag unter dem Engelberger Grassengletscher in Richtung Tal. Der Wanderweg über den Surenenpass blieb verschont. Das Gebiet ist anfällig für Felsstürze.

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Der Felssturz vom Donnerstag hinterliess eine riesige Staubwolke. (Bild: Jimmi Waser (Fürenalp, 5. Oktober 2017))

Der Felssturz vom Donnerstag hinterliess eine riesige Staubwolke. (Bild: Jimmi Waser (Fürenalp, 5. Oktober 2017))

Ein dumpfes Grollen habe den Felssturz im Gebiet Herrengrassen unterhalb des Engelberger Grassengletschers angekündigt, sagt Augenzeuge Jimmi Waser. Der 58-jährige Stansstader konnte das Ereignis am Donnerstag um 11.35 Uhr von der Fürenalp auf der anderen Talseite aus beobachten und filmen. «Rund fünf Minuten später gab es einen zweiten, kleineren Felssturz», erzählt Waser. «Die Staubwolke legte sich erst nach einer ganzen Weile.»

Unterhalb der Abbruchstelle verläuft der Wanderweg über den Surenenpass sowie die Zufahrtsstrasse zum Restaurant Alpen­rösli. Martin Odermatt, Präsident der Gemeindeführungsorganisation Engelberg, gab auf Anfrage Entwarnung: «Weder der Wanderweg noch die Zufahrtsstrasse sind vom Felssturz betroffen. 2000 bis 3000 Kubikmeter Gestein sind weggebrochen. Der grösste Teil blieb aber etwa hundert Meter weiter unten liegen.» In dem Gebiet habe es in den vergangenen Jahren immer wieder kleinere Felsstürze gegeben. «Und auch jetzt hat es noch viel loses Gestein. Das kann grundsätzlich jederzeit herunterkommen», so Odermatt. «Wir werden das Gebiet daher im Auge behalten.» Weitere Massnahmen oder Sperrungen seien im Moment nicht nötig.

Im Herbst ist Felssturzzeit

Es komme vor, dass kleinere Felsstürze je nach den konkreten Umständen grössere ankündeten, sagt Miriam Jäggi vom Obwaldner Amt für Wald und Landschaft. Das Gebiet Herrengrassen sei im Winter auch lawinenanfällig, so Jäggi. Frühling und Herbst seien dagegen Felssturzzeit. «Wenn die Temperaturen in der Nacht unter den Gefrierpunkt sinken, der Tag aber warm wird, bricht schnell einmal Geröll ab.»

Die betroffene Zone habe sich durch die Klimaerwärmung nach oben verschoben, so Jäggi. «Man kann also nicht sagen, dass es heute mehr Felsstürze gibt. Aber sie finden höher im Gebirge statt.» Die Abbruchstelle befindet sich auf rund 2300 Metern über Meer. «Die Höhenlage zwischen 2000 und 2500 Metern ist stark vom Schmelzen des Permafrosts betroffen», sagt auch Martin Odermatt. «So kann es zu Felsstürzen kommen.»

Franziska Herger

franziska.herger@obwaldnerzeitung.ch

Steinschlag am Sustenpass

Auch im Kanton Uri kam es am Donnerstag zu einem Vorfall mit einem Felsen. Ein Stein ging gegen 13 Uhr auf die Sustenpassstrasse nieder. Der rund drei Kubikmeter grosse Brocken gelangte durch den Schutzwald auf die Strasse. Personen kamen keine zu Schaden, wie die Kantonspolizei in einer Mitteilung schreibt.

Die Passstrasse musste für die Räumung des Steins während einer Stunde gesperrt werden. Abklärungen durch den Geologen ergaben, dass der Steinschlag ein Einzelereignis war. Die Schäden an der Strasse seien bereits behoben. (pd/rem)

Bei dem Felssturz wurde viel Staub aufgewirbelt. (Bild: Screenshot Leservideo Jimmi Waser)

Bei dem Felssturz wurde viel Staub aufgewirbelt. (Bild: Screenshot Leservideo Jimmi Waser)