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OBWALDEN: Verbände üben massive Kritik am Tunnel

Der geplante Kaiserstuhltunnel ist ein überrissenes Luxusprojekt, unter dem Natur und Landschaft zu leiden hätten: Dieser Meinung sind die Umweltschutzverbände. Sie reagieren deshalb mit einer Einsprache gegen das 270-Millionen-Strassenprojekt.
Adrian Venetz
So stellen sich die Planer das Südportal des Tunnels Kaiserstuhl zwischen Lungern und Giswil vor. (Bild: Visualisierung PD)

So stellen sich die Planer das Südportal des Tunnels Kaiserstuhl zwischen Lungern und Giswil vor. (Bild: Visualisierung PD)

Adrian Venetz

adrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch

«Es soll für 270 Millionen Franken ein Luxusprojekt mit Tunnel und umfangreichen Anschlussanlagen erstellt werden, obwohl die Notwendigkeit einer Alternative zur bestehenden Strasse in keiner Art und Weise nachgewiesen ist.» Dies schreiben die Regionalsektionen der Verbände VCS, WWF und Pro Natura in ihrer Einsprache zuhanden des Bundes und der Obwaldner Regierung.

Stein des Anstosses ist der Bau eines neuen Strassenabschnitts samt Tunnel zwischen Giswil Süd und Lungern Nord. Die Region Kaiserstuhl würde damit halbkreisartig im Berg umfahren. Der Zeitgewinn für Autofahrer würde zwar nur etwa 1 Minute betragen, Befürworter des Projekts aber streichen vor allem die erhöhte Sicherheit der Verkehrsteilnehmer hervor. Ihnen ist der heutige kurvenreiche und eher schmale Abschnitt der Brünigstrasse schon lange ein Dorn im Auge. Gegner des Tunnelbaus finden dagegen, das Projekt sei überdimensioniert und ein zu grosser Eingriff in Landschaft und Natur.

Überraschend kommt die gestern publizierte Einsprache der Umweltverbände nicht. Zwar hatte Daniel Daucourt, Co-Präsident der VCS-Sektion Ob- und Nidwalden, vor drei Wochen im Gespräch mit unserer Zeitung noch offengelassen, ob man sich gegen das Projekt wehrt. Doch schon damals warnte er: «Das Risiko, Obwalden in einen Transitkanton wie Uri umzuwandeln, nimmt zu.» Mit der nun erfolgten Einsprache stützen sich die Umweltverbände aufs Verbands­beschwerderecht. «Hauptkritikpunkt ist, dass das Projekt in jeder Hinsicht unverhältnismässig ist», schreiben die Verbände in ihrer Medienmitteilung. «Weder die Bedeutung der Strasse noch das relativ geringe Verkehrsaufkommen von durchschnittlich rund 9200 Fahrzeugen pro Tag im Gebiet Kaiserstuhl noch die Verkehrssicherheit rechtfertigen ein solches Grossprojekt.» Zudem erinnern die Verbände daran, dass selbst die Obwaldner Regierung 2014 noch der Ansicht war, ein so teures Projekt sei unverhältnismässig.

Eine «traurige Bilanz dieses vergoldeten Projekts»

Weiter beanstanden die Umweltverbände, es sei nie seriös abgeklärt worden, ob und wie man die bestehende Hauptstrasse ausbessern könnte, statt gleich einen neuen Tunnel zu bauen. «Die heutige Strecke ist gemäss Unfallstatistiken nicht besonders gefährlich», so Daniel Daucourt. In Tunnels mit Gegenverkehr – etwa im Tunnel Sachseln – komme es auch zu Unfällen. «Beim geplanten Projekt ist die Situation noch schlimmer, da der Tunnel Kaiserstuhl kurvenreich und über die Normen steil ist.» Seraina Bamert, Geschäftsführerin Pro Natura Unterwalden, fügt hinzu: «Das Projekt beeinträchtigt un­nötig stark die Landschaft oberhalb von Giswil und am Ufer des Lungerersees. Für Natur und Landschaftsbild ist der Eingriff gewaltig.» Gemeinsam halten die drei Umweltverbände in ihrer Mitteilung fest: «Abgesehen von den Risiken und von den Eingriffen in Natur und Landschaft entstehen immense Kosten bei fehlendem öffentlichem Interesse und nicht nachgewiesenem Nutzen. Das ist die traurige Bilanz dieses vergoldeten Strassenprojekts.»

Noch keine Kenntnis von der Einsprache hatte man gestern beim Kanton. Überrascht sei man jedoch nicht, wie Kantonsingenieur Jörg Stauber auf Anfrage sagt. Beim 4 Kilometer langen Abschnitt mit dem 2 Kilometer langen Tunnel handle es sich um eine Netzfertigstellung der Nationalstrasse. «Planung und Ausführung erfolgen unter Federführung des Standortkantons. Das Plangenehmigungsverfahren wird jedoch vom Bund durchgeführt, und er erteilt dann auch die Baubewilligung.» Der Bund sei deshalb auch für die Behandlung von Einsprachen zuständig. «Vermutlich wird der Bund uns nächstens die Einsprache zur Stellungnahme zusenden», so Stauber. Erst dann werde sich die Regierung offiziell dazu äussern.

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