Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

OBWALDEN: «Versuche, noch einen draufzusetzen»

Er vermittelt Touristen Geheimtipps, knipst sie ab oder hilft ihnen mit Wegbeschreibungen. Als Friendly Host erlebt Karl Kiser auch Lustiges.
Friendly Host Karl Kiser bei der Talstation der Pilatus-Bahn in Alpnachstad. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue OZ)

Friendly Host Karl Kiser bei der Talstation der Pilatus-Bahn in Alpnachstad. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue OZ)

Matthias Piazza

Touristen strömen von der Schiff­lände und dem Bahnhof zur Talstation der Pilatus-Zahnradbahn. Und mitten im Getümmel steht Karl Kiser – auffällig gekleidet mit rotem Pullover und Hut. «Friendly Host» steht auf dem Pullover – ergänzt mit einem weissen «i» auf blauem Grund. Es geht nicht lange, kommt er mit einer Touristin ins Gespräch. Sie erzählt ihm von ihrem Ausflug auf den Pilatus. Er vermittelt ihr ein paar Obwaldner Geheimtipps. «Genau solche Nettigkeiten braucht es im Tourismus», lobt Verena Berger aus Köniz bei Bern, darauf angesprochen, was sie von solchen Friendly Hosts halte.

Karl Kiser ist einer von neun solch freundlichen Gastgebern, die seit Juni im Auftrag von Obwalden Tourismus an touristischen Schlüsselorten des Kantons wie etwa Alpnachstad, Flüeli-Ranft oder Melchsee-Frutt die Touristen über Sehenswürdigkeiten informieren, ihnen den richtigen Weg zum gewünschten Restaurant zeigen oder Ausflüge in der Region vorschlagen.

Ergänzung zum Prospekt

«Ich versuche, noch einen draufzusetzen und als Ergänzung zu den Prospekten den Touristen einen Geheimtipp zu vermitteln. Das kann man nur im persönlichen Gespräch», begründet der 65-jährige Sarner seine Motivation. «Gute Gelegenheiten für eine Kontaktaufnahme bieten sich jeweils, wenn ich mich den Touristen als Fotograf anbieten kann», erzählt er. Eine lustige Begegnung bleibt ihm besonders gut in Erinnerung: «Ein asiatisches Pärchen wollte beim Schiffsteg in Alpnachstad ein Foto von sich machen. Es getraute sich aber nicht, mir die teure Spiegelreflexkamera anzuvertrauen, und fragte mich, ob ich nicht lieber ihr Smartphone benutzen möchte. Das fand ich noch ziemlich herzig.»

Vor allem Touristen, die in Alpnachstad aus dem Zug oder Schiff steigen, gehören zu seinem «Zielpublikum», da diese in der Regel als Individualtouristen reisen. «Sie sind sehr offen für einen kurzen, freundlichen Austausch.» Oft genüge aber auch nur schon ein freundliches Lächeln, um das Eis zu brechen. «Es ist faszinierend, was dies alles bewirken kann.» Überhaupt sei der Platz vor der Pilatus-Bahn mit dem grossen Aufkommen ausländischer Touristen ideal für eine Kontaktaufnahme. Trotz aller Freundlichkeit: «Mein erstes Gebot: nie aufdringlich sein. Viele Leute haben gar keine Zeit und Lust zum Small Talk, das respektiere ich.»

Keine Minute gezögert

Drei bis vier Halbtage pro Monat sind die Friendly Hosts als Botschafter für den Obwaldner Tourismus im Einsatz – ehrenamtlich. Kiser: «Im Zug kam ich immer wieder mit Touristen ins Gespräch, was mir sehr Spass machte.» Als Obwalden Tourismus im Frühling per Inserat solche Friendly Hosts suchte, wie man sie schon seit Längerem in der Stadt Luzern kennt, zögerte er keine Minute. «Als frisch Pensionierter habe ich Zeit und kann so mein Englisch und Französisch gebrauchen», erzählt der ehemalige Wirtschaftsinformatiker, der fünf Jahre in Lausanne und zwei Jahre in Johannesburg (Südafrika) lebte und arbeitete und selber oft und gerne reise. Dabei habe er solche Institutionen vermisst. «Ich hätte in Paris einen solchen ‹Botschafter› geschätzt, der mir zum Beispiel als Geheimtipp ein feines Restaurant vermittelt hätte.»

«Wenn ich einem Touristen etwas mit auf den Weg geben oder ihm auch nur ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann, ist meine Mission erfüllt», meint der gebürtige Ur-Obwaldner, der nach Abstechern ins Ausland wieder in seine Heimat zurückkehrte. «Ich schätze Obwalden mit seiner Kleinräumigkeit und der wunderschönen Landschaft. Auch Fremde möchte ich mit dieser Liebe anstecken.» Ende Oktober endet die erste Saison als Friendly Host. Doch bereits jetzt ist für den Obwaldner Botschafter klar, dass er nächsten Mai wieder alles daran setzen wird, den Touristen «sein» Obwalden von der besten Seite zu zeigen.

Botschafter kommen an

Die Idee der Obwaldner Friendly Hosts entstand aus Anlass des Jubi­läums­jahres 200 Jahre Gastfreundschaft Zentralschweiz – inspiriert durch Luzern, wo man sie schon seit Längerem kennt. Die Institution soll beibehalten werden, wie Markus Bolliger, Geschäftsleiter von Obwalden Tourismus, auf Anfrage erklärte. «Genaue Auswertungen fehlen, aber gemäss Rückmel­dungen und meinen Beobachtungen kommen die Friendly Hosts gut an.»

Keinen Bedarf an Friendly Hosts hat Nidwalden. «Es gibt kaum Plätze, wo sich ein solcher Einsatz rechtfertigen würde, da von Touristen stark frequentierte Orte bereits durch starke Partner abgedeckt sind. Sei es beim Bahnhof Stans, bei der Talstation der Stanserhorn-Bahn oder bei der Schifflände in Beckenried», erklärt Erna Blättler-Gal­liker, Geschäftsführerin von Nidwalden Tourismus.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.