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OBWALDEN: Viel Lärm um die Sonntagsruhe wegen Laubbläsern

Sie sind laut, aber effektiv: Laubbläser verursachen immer wieder Streit zwischen Nachbarn. In Giswil haben sich die Fronten verhärtet. Ein Lärmgeplagter überlegte sich gar rechtliche Schritte, die Bauern hoffen auf Verständnis.
Franziska Herger
Das Herbstlaub wird mit Laubblaesern weggefegt am St. Alban-Rheinweg im Breite-Quartier in Basel, am 20. November 2014. (KEYSTONE/Georgios Kefalas) (Bild: GEORGIOS KEFALAS (KEYSTONE))

Das Herbstlaub wird mit Laubblaesern weggefegt am St. Alban-Rheinweg im Breite-Quartier in Basel, am 20. November 2014. (KEYSTONE/Georgios Kefalas) (Bild: GEORGIOS KEFALAS (KEYSTONE))

Franziska Herger

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

Peter Gallati staunt: «Jeden Tag höre ich Laubbläser. Wenigstens am Sonntag sollte man doch seinen Ruhe haben.» Der Religionslehrer lebt seit zehn Jahren im ländlichen Giswil. Die Idylle trüge, sagt er: «Die Laubbläser sind so laut wie ein Motorrad, und das stundenlang. Diesen Sommer wurde es wieder an zwei Sonntagen laut, obwohl vor- und nachher schönes Sommerwetter war.» Er beschwerte sich brieflich bei zwei Bauern, ihrem Verband und dem Amt für Landwirtschaft.

Bauer I. – er wollte wie sein Berufskollege nach unseren Recherchen seinen vollen Namen nicht in der Zeitung lesen – erhielt im Juli von Gallati Post. Er hätte sich lieber ein persönliches Gespräch gewünscht, sagt der Landwirt. «Wir wohnen auf dem Land, da muss man mit Landwirtschaftslärm rechnen. Ich kann ja auch nicht in der Stadt wohnen und sagen, ich wolle keinen Verkehr.» Es ist ein bekannter Konflikt: «Laubbläser führen immer mal wieder zu Beschwerden», sagt Simon Niederberger, Präsident des Bauernverbandes Obwalden. Ihre Vorteile aber lägen auf der Hand: «Mit einem Laubbläser kann man drei bis vier Personen mit Rechen ersetzen. In unwegsamem Gelände ist man damit zudem sehr flexibel.» Trotzdem habe man die Mitglieder auf das Problem aufmerksam gemacht, sagt Niederberger.

Wetter, Stress und zu wenige Arbeitskräfte

«Der Bauernverband gibt sich Mühe», bestätigt Gallati. «Nach einem runden Tisch im Frühling 2016 hat sich die Situation nach vier Jahren auch etwas beruhigt – bis in diesem Sommer.» Im August schrieb Gallati auch Bauer E. Wegen der Familie und aus «Respekt vor der Reaktion» will auch er anonym bleiben. Seine Begründung, dass es an einem Sonntag sein musste: «Davor hatte es lange geregnet, auf Dienstag waren schon wieder Gewitter gemeldet.» Den grössten Teil der Arbeiten habe er auf Montag verschoben. «Wir mussten aber am Sonntag schon anfangen, damit es reichte.» E. kann Gallatis Ärger auch verstehen: «Ich gönne jedem seinen ruhigen Tag. Aber ich kenne keinen Bauern, der freiwillig am Sonntag arbeitet.»

Bauer I. stimmt zu: «Unter der Woche arbeite ich zu 70 Prozent als Maurer. Am Wochenende habe ich erstens Zeit für den Hof und zweitens genug Helfer, damit es vorwärtsgeht.» Bruno Abächerli, Leiter des Amts für Landwirtschaft und Umwelt, hält fest: «Die Bauernbetriebe werden immer grösser, und die Arbeitskräfte immer knapper. Der Laubbläser bietet da eine wesentliche Arbeitserleichterung.» Bei Problemen müsse man einfach immer wieder miteinander reden, so Abächerli. «Ich will nicht ausschliessen, dass es schwarze Schafe gibt. Für die hier betroffenen Bauern gilt das aber nicht.» Er kennt sie. Und Gallati kennt deren Argumente. «Ich verstehe den grossen Zeitdruck der Bauern, die verschiedene Flächen an verschiedenen Orten bearbeiten. Aber das sind strukturelle Begründungen.» Er pocht auf das Ruhetagsgesetz. Es verbietet den Bauern Sonntagsarbeit, mit Ausnahme von «unaufschiebbaren Arbeiten». «Damit darf nur wetterbedingte Unaufschiebbarkeit gemeint sein», so Gallati. «Sonst können wir die Sonntagsruhe vergessen.»

Laubbläser haben keine Lärmgrenzwerte

Eine einfache Lösung wären leisere Laubbläser. Das Problem: «Für diese Geräte gibt es keine Lärmgrenzwerte, nur eine Deklarationspflicht», sagt Sebastian Wschiansky vom Bundesamt für Umwelt. In ein paar Jahren werde es wohl Lärmgrenzwerte für Laubbläser geben. «Doch bevor wir sie in unsere Gesetzgebung übernehmen können, muss die EU ihre Richtlinien anpassen.»

Bis dahin bleibt es wohl laut. Peter Gallati will sich damit nicht abfinden. Rechtlich will er aber vorerst nicht vorgehen, obwohl er sich das überlegt habe. Er erachtet die Chancen im bauernfreundlichen Kanton als klein, meint aber: «Es kann doch nicht sein, dass wir am Sonntag nur bei schlechtem Wetter unsere Ruhe haben!» Bauer E. bittet um Verständnis für die Landwirte: «Wir sind auf den Goodwill der Bevölkerung angewiesen. Wir suchen ja auch immer den Kontakt.» Beide Bauern können aber nicht ausschliessen, dass sie wieder einmal am Sonntag den Bläser einsetzen. «Fast mein ganzes Land ist sehr steil. Ich benutze den Bläser eigentlich immer beim Heuen», so E.

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