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OBWALDEN: Vom Alexanderplatz in die alte Heimat

Die Kernserin Doris Windlin lebt in Tschechien und malte dieses Jahr in Berlin. Und als Kursleiterin kommt sie in ein Atelier nach Kägiswil.
Romano Cuonz
Die in Tschechien lebende Obwaldner Künstlerin Doris Windlin (mit weisser Schürze) leitet einen Malkurs in Obwalden. (Bild Romano Cuonz)

Die in Tschechien lebende Obwaldner Künstlerin Doris Windlin (mit weisser Schürze) leitet einen Malkurs in Obwalden. (Bild Romano Cuonz)

Romano Cuonz

Es ist eine Tatsache, dass viele bildende Künstler aus Obwalden erst dann internationale Anerkennung finden, wenn sie die engen Grenzen ihrer Heimat sprengen und für einige Zeit im Ausland arbeiten. Sozusagen eine «Schnupperlehr-Möglichkeit» bieten da auch die Innerschweizer Kantone mit ihren Ateliers in Grossstädten. Indessen: Als die 47-jährige, in Kerns aufgewachsene Künstlerin Doris Windlin dieses Frühjahr (März bis Juni) ein Atelierstipendium in Berlin erhielt, hatte sie längst Erfahrungen im Ausland gesammelt. Seit 1996 wohnt und arbeitet sie im tschechischen Podevousy bei Pilsen. Auch unterhält sie Ateliers in Prag und Kägiswil, wo sie in «Schulen des Sehens» Malgruppen unterrichtet. Ihre Malereien wurden in der russischen Botschaft in Prag und im Zentralhaus für Kunst in Moskau ausgestellt. Dieser Tage kann man Malereien von ihr an einer Werkschau im renommierten Atelier Honegger in Berlin sehen. Auch Werke im öffentlichen Raum hat sie gestaltet: etwa Altarbilder in einer Kirche in Srbice (Bezirk Pilsen), die unter Unesco-Schutz steht.

Draussen, mitten unter Menschen

«Mein Ziel war es, in den Berliner Tagen direkt in der riesigen Grossstadt zu malen, draussen, mitten unter Menschen, bei jedem Wetter, in jeder Situation», sagt Doris Windlin. Auch habe sie Kunstschaffende aus der Schweiz, aus Tschechien und Irland nach Berlin eingeladen. «Ich wollte mit meinen Freunden verschiedene Arbeitsthemen angehen.» Durch das Malen vor Ort habe sie erlebt, wie Leute auf sie zugekommen seien, aber auch die verschiedenen Charaktere der einzelnen Stadtteile seien ihr nicht verborgen geblieben. So hält sie auf grossflächigen Bildern aus Berlin Menschenmengen am Alexanderplatz fest oder das eher diskret zurückhaltende Treiben bei den Häckischen Höfen und auf dem Potsdamer Platz. Gemeinsam mit Industriekünstler Hannes Egli malte sie am Westhafen. Dies liess Windlin vom tschechischen Journalisten Petr Slintak auch in Filmsequenzen festhalten. Schliesslich dokumentierte sie die ganze Berliner Zeit – in Bild und Wort – auch in ihrem Berliner-Blog. «Diese Tagebucheinträge brachten mich zu einer Konzentration und Vertiefung des Erlebten», sagt die Künstlerin und freut sich über zahlreiche Rückmeldungen. «So bekam mein Berliner Aufenthalt noch eine dritte Dimension: einen Austausch mit Daheimgebliebenen.» Anfangs habe sie in grossen Formaten sehr spontan gemalt. «Mit der Zeit sparte ich meine Kraft, und die Formate wurden kleiner.» Am Schluss sei gar die Lust aufgekommen, alles Erzählerische wegzulassen, Hintergrund und Figuren gleich zu behandeln, die Leute in Annäherung an die Abstraktion nur noch in losen Flecken zu malen.

Immer wieder in der alten Heimat

Dieser Tage weilte Doris Windlin, die sich mit Vorträgen, etwa übers Alpkäsen, längst einen Namen als Schweizer Kulturbotschafterin in Tschechien gemacht hat, wieder in Obwalden. In einem Atelier an der Kreuzstrasse in Kägiswil gab sie Malkurse für Pro Senectute und das Freizeitzentrum. «Die Teilnehmer bekommen von mir Anleitungen im Malen, im grafischen Gestalten, Porträtzeichnen, ja selbst im Herstellen von Leinwänden.» Diese Kurse – neuerdings auch in der zürcherischen Silberweide am Greifensee – seien ein fester Bestandteil ihres Einkommens. Fürs Bruder-Klausen-Jahr 2016 plant sie ein Projekt in Obwalden. «Ich möchte aufzeigen, was der Mystiker für mich bedeutet, nicht im religiösen, sondern im künstlerischen Sinn.» Mehr Ranft könne man auch als Künstlerin im täglichen Leben brauchen.

Hinweis

Zu Windlins Atelieraufenthalt in Berlin ist bei Proxima Nova eine Schrift erschienen. Auch gibt es ihren Berlinerblog: atelier-doris.cz

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