OBWALDEN: «Von da an war die SVP meine Partei»

SVP-Kantonsrat Albert Sigrist will in die Regierung – versucht hat er es bereits vor zwölf Jahren. Schafft die SVP nun erstmals den Sprung in die Exekutive?

Adrian Venetz
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SVP-Regierungsratskandidat Albert Sigrist arbeitet bei der Firma Schilliger Sägewerk AG in Perlen als Holzhändler. (Bild Corinne Glanzmann)

SVP-Regierungsratskandidat Albert Sigrist arbeitet bei der Firma Schilliger Sägewerk AG in Perlen als Holzhändler. (Bild Corinne Glanzmann)

Knapp 15 Jahre ist es her, seit die SVP Obwalden gegründet worden ist. Nun hofft die Partei, erstmals den Schritt in die Exekutive zu schaffen. Der Giswiler Kantonsrat und SVP-Präsident Albert Sigrist kandidiert für die Regierungsratswahlen am 9. März 2014.

Versucht hat es die SVP schon. 2002 trat die Partei zu den Gesamterneuerungswahlen an. Die beiden neuen Kandidaten, Albert Sigrist und Donat Knecht (SP), blieben allerdings chancenlos gegen die bisherigen Regierungsräte. Ins Parlament schaffte es Sigrist aber.

Bei den Gesamterneuerungswahlen 2006 trat die SVP überraschenderweise nicht an. Anfang 2009 (Ersatzwahl für Hans Hofer) kandidierte die SVP ebenfalls nicht. Ende 2009 (Ersatzwahl für Hans Matter) stieg die Partei mit Martin Odermatt – dem heutigen Engelberger Talammann – ins Rennen. Er unterlag nur knapp gegen den heutigen Bau­direktor Paul Federer. Kurz darauf, bei den Gesamterneuerungswahlen 2010, blies die SVP erneut mit Martin Odermatt zum Angriff. Er erzielte zwar ein solides Ergebnis, konnte aber letztlich keinen der bisherigen Regierungsräte aus dem Sattel holen.

Ein bisschen «selbst schuld»?

Weshalb hat es bislang nicht geklappt? «Diese Frage wird mir oft gestellt», sagt Sigrist. «Vielleicht hatten wir nicht die richtigen Kandidaten. Vielleicht waren wir zu wenig erfahren.» Ein erfahrener SVP-Parlamentarier aus Luzern habe ihm damals bei der Parteigründung der SVP in Obwalden gesagt: «Du musst zwei bis drei Legislaturperioden machen, bis du ‹exekutivtauglich› bist.» Das habe sich offenbar bewahrheitet.

Ein Stück weit hat sich die SVP vielleicht auch selbst ein Bein gestellt. 2001 nämlich wurde ihre Initiative zur Verkleinerung der Obwaldner Regierung von 7 auf 5 Mitglieder angenommen. Der Schritt in die Regierung wurde damit schwerer. «Das Argument – ‹ihr seid ja selber schuld› – habe ich schon oft gehört», sagt Albert Sigrist. «Bei der Initiative ging es uns um die Sache selbst.» Er sei nach wie vor überzeugt, dass die Verkleinerung der Exekutive eine vernünftige Sache war, auch wenn es für die SVP dadurch schwieriger wurde, im Regierungsrat Fuss zu fassen.

«Zwangspause» im Kantonsrat

Albert Sigrist hat bereits einige persönliche politische Niederlagen einstecken müssen. Neben der verpassten Regierungsratswahl im Jahr 2002 ärgerte ihn die Ersatzwahl 2009. Sigrist wäre gern angetreten, unterlag aber bei der internen Nomination gegen Martin Odermatt. «Das hat mich damals schon etwas getroffen», sagt der 56-Jährige. Heute sei die Ausgangslage anders: Er fühle sich diesmal klar von der Parteibasis getragen, betont Sigrist. «Das ist mir ganz wichtig. Sonst würde ich nicht kandidieren.» Täglich erhalte er nun positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung zu seiner Kandidatur.

Unvergessen bleibt der grobe Patzer bei den Kantonsratswahlen 2006: Die SVP Giswil hatte ihre Wahlliste eine Viertelstunde zu spät bei der Gemeindekanzlei eingereicht und wurde nicht zur Wahl zugelassen. Für Sigrist bedeutete dies vier Jahre «Zwangspause» im Kantonsrat. «Das war peinlich. Damals war ich natürlich der ‹Oberlööli› der Nation», sagt Sigrist schmunzelnd. Doch er ist nicht ein Mensch, der solchen Dämpfern lange nachtrauert. «Aus Niederlagen lernt man», sagt Sigrist. «Warum sollte ich deshalb aufhören?»

Sein Lebensmotto stamme vom römischen Politiker Cicero: «Fange nie an, aufzuhören – höre nie auf, anzufangen.» Sigrist hat ein Faible für berühmte Zitate. Das merkt man immer wieder im Kantonsrat, wenn er in seinen Voten Bezug nimmt auf Aussprüche von Staatsmännern und Philosophen. Da erstaunt es nicht, dass er in seiner Freizeit gern Biografien liest.

Mutter ist «mehr SVP als ich»

Wenn der gelernte Forstwart und Holzhändler Sigrist bei seiner 86-jährigen Mutter – sie wohnt im selben Haus wie er – zu Besuch ist, «dann wird eigentlich immer politisiert», so Sigrist. «Sie ist teilweise mehr SVP als ich», sagt er lachend. Politik habe ihn seit jeher interessiert. «Schon als Bub ging ich an die Landsgemeinde. Als ich dann 18-jährig war und in den Ring durfte, war das ein riesiges Erlebnis für mich.»

Seine politische Heimat hat Albert Sigrist im Vorfeld der EWR-Abstimmmung im Jahr 1992 gefunden. «Von da an war die SVP meine Partei.»

Wie würde Albert Sigrist mit der neuen Situation umgehen? Jahrelang eine markante Figur in der Opposition – und plötzlich in einem Gremium, das gegen aussen vereint auftreten soll. «Ich kann das», sagt Sigrist. Er sei sehr wohl in der Lage, in einem Team mitzuarbeiten. «Das heisst aber nicht, dass ich dann in der Regierung sitzen und auf Befehle warten würde», betont er. «Mit mir kommt ganz sicher ein frischer Wind in die Regierung», ist er überzeugt. Was Albert Sigrist nicht will, ist Versprechen abgeben, welche er nicht halten kann. «Ich bin der Partei, dem überparteilichen Komitee und den vielen Personen, die mich unterstützen, sehr dankbar. Aber ich werde mich nicht verbiegen.»

Warum so viele Muslim-Fotos ...?

Seinen heutigen Beruf würde er schon vermissen, sagt Sigrist. Als Holzhändler ist er in den ganzen Welt unterwegs. Auf seinen Reisen nach Afghanistan, Pakistan, Indien, Jemen, Sudan oder China hat er auch viele Freundschaften geschlossen. «Einer meiner besten Freunde ist ein Muslim. Ich bin quasi der Götti seines Sohns», sagt Sigrist. Und fügt lachend hinzu: «Man hat mir schon vorgeworfen, ich hätte zu viele Muslim-Fotos auf meiner Homepage.»

Albert Sigrist ist einer, der sich gern unters Volk mischt. Es sei etwas schade, dass man die Regierungsräte nicht öfters in der Öffentlichkeit sehe, sagt er. «Ich bin der Meinung, dass auch ein Regierungsrat mal morgens um 2 Uhr an einer Bar sitzen oder eine Freinacht durchgeben darf. Gemütliches Zusammensitzen fördert den Zusammenhalt – egal, wie spät es ist.»

Das sagen andere im Kantonsrat

Lucia Omlin, Fraktionspräsidentin CVP:
«Albert Sigrist geht im politischen Alltag mit Andersdenkenden nicht gerade zimperlich um. Trotzdem vermittelt er das Gefühl, dass er ihr politisches Engagement und ihre Kompetenzen schätzt.»

Walter Wyrsch, Kantonsrat und CSP-Präsident:
«Politisch steht Bärti mir nicht so nahe, wie er im Rat neben mir sitzt. Ich erlebe ihn aber als aktiven und umtriebigen Ratskollegen, mit dem man stets auch auf ein Bier in die ‹Metzgärä› kann. PS: Habt ihr eigentlich den Kandidatenvorschlag schon eingereicht ...?»

Ruth Koch, Kantonsrätin und Co-Präsidentin SP:
«Ich vermute – mit einem Augenzwinkern –, dass Albert Sigrist in seinem Beruf ein unersetzlicher Mann ist. Denn er verlässt öfter mal den Kantonsratssaal, um zu telefonieren, was andere Mitglieder des Kantons- und Regierungsrats möglichst vermeiden.»

Der Kandidat persönlich

Werdegang
Ausbildungen als Forstwart, Betriebsökonom BVS, Sprachschule in Neuseeland und diverse Weiterbildungskurse in der Holzindustrie.

Familie
Geschieden, keine Kinder, zusammen mit Lebenspartnerin Sandra seit 7 Jahren.

Internet
www.baerti.ch

Lieblingsort
«Melchaa-Tobel (Kleine Melchaa), weil ich dort meine Ruhe finde und es im Sommer schön kühl ist.»

Lieblingsmenü
Älplermagronen.

Aktuelle Lektüre
«Rom sei Dank» von Karl-Wilhelm Weeber sowie «zig Kantonsratsgeschäfte».

Schönste Kindheitserinnerung
«Als ich das erste Mal mit meinem Vater alleine ins ‹Holz› durfte, ins Melchaa-Tobel.»

Entweder – oder ...

Mozart oder Rolling Stones?
«Rolling Stones – oder Pink Floyd, weil ich mit dieser Musik aufwuchs.»

Kino oder KKL?
«KKL, weil ich beim Bau über 600 Kubikmeter Schweizer Holz verkaufen konnte.»

Bratwurst oder Rindsfilet?
«Rindsfilet mit Pommes und eine gute Flasche Rotwein mit guten Freunden: Ist schon fast das halbe Leben.»

Herbst oder Frühling?
«Herbst bedeutet für mich bis heute, nun gehts wieder los mit der Holzernte. Ich liebe auch die Farben eines herbstlichen Laubwaldes.»

Smartphone oder Papieragenda?
«Papieragenda, die immer funktioniert, auch ohne Strom.»

Städtereise oder Abenteuerferien?
«Nur Abenteuerferien – möglichst weit weg.»

«Wetten, dass ...?» oder «Sternstunde Religion»?
«‹Sternstunde Religion›. Ich liebe philosophische Diskussionen über Gott und die Welt.»