OBWALDEN: «Wachstum geht mir fast zu schnell»

FDP-Kantonsrätin Maya Büchi-Kaiser kandidiert für den Regierungsrat. Die Unternehmerin will sich mit Herzblut für den Kanton einsetzen.

Adrian Venetz
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FDP-Regierungsratskandidatin Maya Büchi daheim im «Chapfli» oberhalb Sachseln, wo sie wohnt und arbeitet. (Bild Corinne Glanzmann)

FDP-Regierungsratskandidatin Maya Büchi daheim im «Chapfli» oberhalb Sachseln, wo sie wohnt und arbeitet. (Bild Corinne Glanzmann)

Diszipliniert, ordentlich und bestens organisiert: So wie sie von politischen Weggefährten beschrieben wird, empfängt Maya Büchi-Kaiser auch den Journalisten zum Interview. Ihr Büro, gelegen im «Chapfli» oberhalb Sachseln, ist eine Oase der Ordnung. Der Arbeitsplatz ist akkurat aufgeräumt, und auf dem Glastisch, wo der Kaffee serviert wird, findet sich kein einziges Staubkorn. Eine Duftkerze sorgt für wohlige Wärme. Oberhalb der Büroräume lebt die vierköpfige Familie, das Einfamilienhaus gibt einen herrlichen Blick frei auf die Obwaldner Bergwelt und den Sarnersee.

Nachfolge von Esther Gasser

Maya Büchi kandidiert an den Wahlen vom 9. März für den Obwaldner Regierungsrat und möchte Nachfolgerin ihrer Parteikollegin Esther Gasser werden, die von ihrem Amt zurücktritt.

Seit 2008 sitzt Maya Büchi für die FDP im Kantonsrat. Sie war eine von mehreren Personen, die im Zuge vieler Rücktritte während der Legislatur 2006–2010 ins Parlament «nachgerutscht» sind. Zur Wahl aufstellen lassen hatte sie sich bereits bei den Gesamterneuerungswahlen 2002 und 2006 – damals allerdings mit eher bescheidenem Erfolg.

Gegen «Frauenquote»

Ist Maya Büchis Kandidatur allein dem Umstand zu verdanken, dass sie, passend zum frei werdenden Sitz in der Regierung, die beiden Attribute «FDP» und «Frau» erfüllt? Maya Büchi widerspricht: «Es war für mich immer selbstverständlich, dass ich mich engagieren will und mitreden möchte – und auch bereit bin, dafür etwas zu tun.» Jede und jeder solle einen Beitrag leisten für die Allgemeinheit. Eine «Quotenfrau» möchte sie auf gar keinen Fall sein. Zwar finde sie es wichtig, dass ein Gremium wie der Regierungsrat «gut durchmischt» ist, sei es in Fragen der politischen Herkunft, des Alters oder eben auch des Geschlechts. «Aber eine Frauenquote in der öffentlichen Verwaltung – das würde ich niemals unterstützen», betont die 51-Jährige. «Ich habe die Nomination nicht gesucht. Aber die Zeit ist reif, es passt», sagt Maya Büchi. Sie finde es vor allem wichtig, dass es überhaupt zu Wahlen komme, «dass die Obwaldnerinnen und Obwaldner die Möglichkeit haben, einen Entscheid zu fällen». In der FDP fühlt sich die selbstständige Unternehmerin vor allem deshalb wohl, weil die Partei ein relativ grosses Spektrum politischer Meinungen zulässt. «Eine Partei, die zu 100 Prozent die Gesinnung eines Menschen abdeckt, gibt es ja nicht», sinniert die Politikerin. «Für mich es wichtig, dass man Freiheiten hat im Leben. Und dass man bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.»

Nidwaldner Wurzeln

Seit über 30 Jahren lebt Maya Büchi in Obwalden. Auf ihrer Wahlkampf-Webseite steht, dass sie «auf dem elterlichen Bauernhof» aufgewachsen ist. Wo dies aber war, erfährt man nicht. Scheut sie sich etwa davor, ihre Nidwaldner Wurzeln im Wahlkampf zu erwähnen? Maya Büchi lacht: Sie hoffe und glaube nicht, dass in der kleinräumigen Schweiz die Herkunft eines Regierungsratskandidaten eine grosse Rolle spiele. «Viel wichtiger ist es, dass man sich mit Herzblut und Engagement für den Kanton und die Bevölkerung einsetzt.»

Vielerorts engagiert

Ihr Herzblut und Engagement stellt Maya Büchi bereits seit Jahren in verschiedenen Gremien, Verbänden und Vereinen unter Beweis. Seit 2001 beispielsweise ist sie als Co-Präsidentin des Vereins Kinderbetreuung Obwalden tätig. Zudem ist sie Geschäftsführerin des Gewerbeverbands Obwalden. Sie gründete und führt ihr eigenes Kleinunternehmen: Die Prime-Q-Solution AG bietet Beratungen und Dienstleistungen in den Bereichen Marketing, Kommunikation, Management sowie Design und Grafik an. Ihren Internet-Auftritt für den Wahlkampf hat sie deshalb gleich selber konzipiert und realisiert.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie war schon immer ein Thema, das ihr am Herzen lag. «Ich bin dafür, dass es Betreuungsangebote gibt. Aber auf keinen Fall um jeden Preis. Ich finde nicht, dass der Staat für alle sorgen muss», sagt sie bestimmt. Es gebe praktisch keine politischen Themen, die sie nicht interessieren würden. «Mich interessiert alles, was den Kanton weiterbringt.»

Mit Vernunft wachsen

Allerdings: «Das Bevölkerungswachstum in Obwalden geht mir fast etwas zu schnell», sagt Maya Büchi. «Natürlich braucht es Wachstum – aber in einem Verhältnis, in dem wir es bewerkstelligen können.» Dies habe ihr an der kürzlich vorgestellten Langfriststrategie des Kantons gefallen: «Qualitatives statt quantitatives Wachstum: Das finde ich sehr wichtig für die Zukunft.»

Der Kanton müsse künftig «gezielt investieren, aber nicht verschwenden», ist die Unternehmerin überzeugt. Als besondere Herausforderung im Justiz- und Sicherheitsdepartement sieht Maya Büchi die anstehende Justizreform. Sie erinnert daran, dass es die FDP war, die mit einer Motion eine personelle Trennung des Verwaltungs- und Obergerichts verlangt hatte.

«Ich schlafe sehr gut»

Wer im Wahlkampf nach spontanen Emotionen und plakativen Parolen sucht, ist bei Maya Büchi definitiv an der falschen Adresse. Fast kriegt man den Eindruck, dass kein Wort ihren Mund verlässt, ohne dass es von mehreren Kontrollinstanzen in ihrem Kopf abgesegnet wird. Ist ihre zuweilen etwas distanzierte Art nicht hinderlich in einem Wahlkampf, wo nicht nur das fachliche Wissen in die Waagschale geworfen wird, sondern eben auch «Köpfe» gewählt werden? Maya Büchi überlegt lange. «Ich bestimme gern, in welche Richtung es läuft.» Das heisse aber nicht, dass sie auf ihrer Meinung beharre. «Ich werde mich auch in Zukunft nicht verbiegen», sagt sie zu ihrem Naturell. «Das ist meine Art, so stimmt es für mich.» Eine gewisse Distanziertheit bringe auch Vorteile. «Ich schlafe sehr gut», meint sie lachend. Ein guter Ausgleich sei auch der Sport oder das Tanzen, ihr grosses Hobby. «Und ich habe eine Familie, die mich trägt.»

Das sagen andere im Kantonsrat

Lucia Omlin, Fraktionspräsidentin CVP:
«Maya Büchi-Kaiser politisiert mit grossem Ehrgeiz und Herzblut. Sie ist sich nicht zu schade, bei politischen Geschäften genau hinzuschauen und ein allfälliges Haar in der Suppe zu finden.»

Walter Wyrsch, Kantonsrat und CSP-Präsident:
«Maya ist für mich im positiven Sinn eine FDP-Frau. Politisch für Wirtschaft und Gewerbe. Aktiv für die Stärkung der Berufsbildung. Engagiert für moderne Familien- und Kinderbetreuungsformen. PS: Gehst du schon als Regierungsrätin z Fasnacht ...?»

Ruth Koch, Kantonsrätin und Co-Präsidentin SP:
«Ich stelle – mit einem Augenzwinkern – fest, dass Maya Büchi den Blick erbarmungslos aufs Detail wirft und Fehler sowie Unklarheiten sofort aufdeckt. Sie wirkt selbstsicher und ist sehr direkt in ihren Äusserungen. Hervorheben möchte ich ihr Engagement für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.»

Die Kandidatin persönlich

Werdegang
Ausbildungen als Kauffrau, Haushaltleiterin und Betriebswirtschafterin. Aus- und Weiterbildungen in den Bereichen Kommunikation und Marketing, Grafik und Design, Campaigning, Betriebs- und Personalführung.

Familie
Verheiratet mit Moritz Büchi, zwei Töchter (18 und 15 Jahre).

Internet
www.maya-büchi.ch

Lieblingsort
«Chapfli Sachseln: Ich liebe mein Zuhause, da darf ich leben, arbeiten, Freunde empfangen, und hier ist meine Familie glücklich. In meiner Freizeit bewege ich mich am liebsten entweder auf Bergen oder am See.»

Lieblingsmenü
«Rotes Thai-Curry – eigentlich egal was, Hauptsache scharf.»

Aktuelle Lektüre
«Parteien-Wahlflyer: all die vielen positiven Visionen und Wahlversprechen der Kandidaten.»

Schönste Kindheitserinnerung
«Da gibt es so viele. Auf einem Bauernhof mit Tieren aufzuwachsen heisst zwar oft mithelfen, aber Langeweile gibt es da nicht.»

Entweder – oder ...

Mozart oder Rolling Stones?
«Rolling Stones: Meine Generation liebte ihre Musik. Sie war frei, verrückt und trotzdem erfolgreich.»

Kino oder KKL?
«KKL. Das Angebot entspricht eher meinen Vorlieben als im Kino. Der gesellschaftliche Kontakt kann besser gepflegt werden.»

Bratwurst oder Rindsfilet?
«Wenn schon Fleisch, dann lieber das Rindsfilet. Ich esse selten Fleisch.»

Herbst oder Frühling?
«Der Herbst mit seinen kräftigen Farben, dem Angebot von Gemüse und Früchten, der Restwärme vom Sommer ist die Jahreszeit für Abschluss und Aufbruch zugleich.»

Smartphone oder Papieragenda?
«Eine Papieragenda hat einfach zu wenig Platz für Termine, Aufgaben, Pendenzen und Kontaktadressen.»

Städtereise oder Abenteuerferien?
«Städtereisen mit der Familie, da ist das Abenteuer jeweils inklusive.»

«Wetten, dass ...?» oder «Sternstunde Religion»?
«Weder noch. Fernsehen ist für mich tote Zeit.»