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OBWALDEN: «Weniger ist langfristig doch mehr»

Frau Landammann Maya Büchi-Kaiser nimmt an der Feier «Die Schweiz mit Bruder Klaus» teil. Im Interview spricht sie über die Wirkungsmacht des Heiligen – und den Kampf um die Deutungshoheit.
Balz Bruder
Szene aus der Hauptprobe des Visionsgedenkspiels «Vo innä uisä». (Bild: Roger Grütter (Sachseln, 16. August 2107))

Szene aus der Hauptprobe des Visionsgedenkspiels «Vo innä uisä». (Bild: Roger Grütter (Sachseln, 16. August 2107))

Interview: Balz Bruder

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Maya Büchi-Kaiser, Sie nehmen am Samstag als Frau Landammann an der Feier «Die Schweiz mit Bruder Klaus» in Flüeli-Ranft teil (siehe Box). Ein Müssen oder ein Dürfen?

Sehr viele Gedenkveranstaltungen und auch Gedenkfeiern in der ganzen Schweiz thematisieren Niklaus von Flüe und gedenken desselben. Wenn wir nun in Obwalden sogar einen Bundesrat zu solch einem Anlass begrüssen dürfen, ist es eine Selbstver­ständlichkeit, die Einladung zum Grusswort anzunehmen. Ich freue mich auf die Veranstaltung.

Und wie verhält es sich beim gleichentags stattfindenden Visionsgedenkspiel?

Ein ganz besonderes Theatererlebnis! Im eigens dafür errichteten schlichten, aber spektakulären Pavillon unten auf der Sachsler Allmend wird der Zugang zu Niklaus von Flüe über das Bild, den Ton und das Theater für ein breites Publikum ermöglicht. Ich werde auch diesen Anlass gespannt und voller Freude besuchen.

Für die Obwaldner ebenso wie für die Restschweiz scheint klar: Der offizielle Gedenkakt mit Bundesrätin Doris Leuthard und Fest­redner Peter von Matt war das Ereignis im Bruder-Klaus-­Gedenkjahr. Für Sie auch?

Der Staatsakt im April auf dem Landenberg, wo die Bevölkerung von nah und fern zusammen mit Delegationen von Bund und allen Kantonen des Mittlers und Menschen Niklaus von Flüe gedachten, war zweifelsfrei eine sehr eindrückliche, würdevolle Feier, die auch mir nachhaltig in Erinnerung bleibt.

Wie es scheint, gibt es eine Konkurrenz im Gedenken an Bruder Klaus. Wie würde dem Eremiten dieser Wettbewerb wohl gefallen haben?

Als Einsiedler war Niklaus von Flüe zweifellos ein genügsamer Mensch, dem andere Werte als der Trubel wichtig waren. Auch deshalb wurde von unserer Seite explizit auf Grossspektakel und Massenveranstaltungen, insbesondere in Flüeli-Ranft, verzichtet.

Dass mit historischen Figuren Politik betrieben wird, ist ja nichts Neues. Hier geht es um Deutungshoheit von rechter und konservativer Seite. Das Duo Blocher und Huonder hat Bruder Klaus quasi als Ahnherrn seiner Überzeugungen entdeckt. Was denken Sie?

Niklaus von Flüe gehört zu den wirkungsmächtigsten historischen Leitfiguren der Schweiz. Er geniesst ein sehr hohes Ansehen über die Landesgrenzen hinaus. Während seiner fast 20-jährigen Einsiedlerzeit empfing er Besucher aus ganz Europa. Niklaus von Flüe ist für alle da und für alle interessant. Wenn die durch ihn verkörperten Werte wie etwa Toleranz, Respekt, Gemeinsinn, Bescheidenheit oder Eigenverantwortung vermehrt wieder in die Politik einfliessen würden, hätte ich da nichts dagegen. Ich finde es gut, wenn er uns noch lange zum Nachdenken anregen wird.

Spannend ist, dass Bruder Klaus nun auch als Vater und Familienmensch «entdeckt» wird. Das kann man als Versuch der Vereinnahmung lesen. Wie verstehen Sie es?

Die Familie, die in der politischen Debatte oft auch mit dem Mittelstand in Verbindung gebracht wird, muss jeweils in ganz unterschiedlichen Belangen als Argumentationsgrundlage hinhalten. Bruder Klaus war Vater und Familienmensch. Auch das gehörte zu seinem Leben und darf ruhig thematisiert werden.

Sagen Sie uns: Was für ein Bild von Bruder Klaus haben Sie?

Meine Eltern haben sich aufgrund einer Pilgerreise in den Ranft kennen gelernt. Bruder Klaus war irgendwie immer gegenwärtig. Er versinnbildlicht für mich eine Figur, die zeigt, dass langfristig gesehen weniger halt doch mehr ist.

Was kann er uns Heutigen sagen – individuell, aber auch gesellschaftlich?

Um die wahren Werte im Leben, die uns wichtig sind, überhaupt zu erkennen, müssen wir bereit sein, auch loszulassen. Bruder Klaus empfahl immer wieder: Hört aufeinander! Gemeinsinn und Eigenverantwortung waren ihm wichtig. Das sollten wir uns zu Herzen nehmen, sodass diese Werte nicht dem steten Leistungsdruck zum Opfer fallen.

Was wird aus Ihrer Sicht vom Bruder-Klaus-Jahr bleiben?

Das Jubiläumsjahr hat bestimmt die Erkenntnis für die bedeutenden Dinge im Leben wieder geschärft. Bruder Klaus als Landesheiliger und sein Heimatkanton Obwalden sind in Wahrnehmung und Bekanntheitsgrad gestiegen.

Woran werden Sie sich besonders gern erinnern?

Nebst all den tollen Anlässen während des Gedenkjahres werde ich mich gerne an die Faszination und das grosse Engagement vieler Menschen erinnern, die sich allein oder gemeinsam in einem Projekt oder für eine Veranstaltung engagiert haben.

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