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In Obwalden geht es den Hirschen an den Kragen

Die Wildschäden auf den Weiden sind dieses Jahr besonders gross. Grund ist der in den letzten Jahren explodierte Rothirschbestand mit «Wintergästen» aus anderen Kantonen. Nun will der Kanton das Rotwild länger und stärker jagen.
Franziska Herger
Zu viele Hirsche sind des Bauern Leid. (Bild: Romano Cuonz)

Zu viele Hirsche sind des Bauern Leid. (Bild: Romano Cuonz)

866 Hirsche lebten diesen Frühling im Kanton Obwalden, rund 400 davon alleine in der Gemeinde Giswil. Dort finden sie an den südöstlich exponierten Hängen in sonniger Lage ein geeignetes Winterquartier (wir berichteten). Vor zehn Jahren waren es kantonsweit noch 374 Hirsche. Diese Bestandes-«Explosion» beschäftigt nun den Kantonsrat. Die Hirsche, die im Winter und Frühling auf Weideflächen in tieferen Lagen ausweichen, bedeuteten für etliche Bauernfamilien einen erheblichen Ausfall an Gras und Heu und zudem viel Arbeit für die Instandstellung zertrampelter Wiesen, moniert Kantonsrat Ambros Albert (SP, Giswil) in einer Motion zum Thema.

Im Wald gefährdeten die Hirsche durch das Schälen von Jungstämmen und den Verbiss von jungen Trieben die wichtigste Baumart in höher gelegenen Schutzwäldern, die Weisstanne, heisst es in der Motion weiter. Albert und 26 Mitunterzeichnende verlangen daher von der Regierung, die Schäden zu reduzieren und den Bauern nach der Jagdverordnung für ihre Schäden Abgeltung zu leisten.

Hirsche sollen auch im Frühling gejagt werden

Die Regierung stimmt der Motion in ihrer nun vorliegenden Antwort zu und beantragt dem Kantonsrat, den Vorstoss an seiner Sitzung vom 29. Juni anzunehmen. Durch die «Einwanderung» zusätzlicher Rothirsche im Winter aus Luzern und Bern weilten im Winterhalbjahr wesentlich mehr Rothirsche in Obwalden als im Sommer und im Herbst, schreibt der Regierungsrat. Im vergangenen Winter seien besonders viele «Wintergäste» aus den Nachbarkantonen gekommen, nämlich geschätzte 300 Stück.

Die Rothirsche hätten sich durch den vielen Schnee im März und April länger im Kanton und in tieferen Lagen aufgehalten, weshalb es im Frühling 2018 zu einer besonders starken Beeinträchtigung des Kulturlandes gekommen sei, so die Regierung. Besonders stark von Wildschäden betroffen seien 15 Hektaren Kulturland von 12 Landwirten. Auf weiteren knapp 100 Hektaren seien geringfügigere Schäden gemeldet worden.

Die Regierung will die Situation nun mit mehreren Massnahmen entschärfen. Einerseits sollen die Abschusszahlen für den Rothirsch im Hinblick auf die Jagdperiode 2018/2019 markant erhöht werden, um den Bestand zu senken. Mit gleichem Ziel wird das Bau- und Raumentwicklungsdepartement beim Bund ein Gesuch einreichen, um die Schonzeit beim Rothirsch, die nach Gesetz von Februar bis Juli dauert, vorübergehend zu verkürzen. «Dadurch könnte 2019 bei Bedarf auch von Anfang Februar bis Ende April im Gebiet Giswil in die Rothirschbestände eingegriffen werden», heisst es in der Regierungsantwort. Mit den Kantonen Luzern, Bern und Nidwalden soll zudem auf eine grenzübergreifende Jagdplanung hingearbeitet werden.

Die Entschädigung für die Bauern fällt höher aus

Bis 2017 hatte der Kanton jeweils 6000 Franken für die Wildschadenverhütung und -vergütung budgetiert. Seit 2018 sind es, auch wegen des Wolfes, 8000 Franken. Pro Fall wurden den betroffenen Landwirten zwischen 100 und 400 Franken ausgerichtet. 2018 werde die Entschädigung jedoch durch die «grossräumigen und ausserordentlichen» Wildschäden höher ausfallen.

In den kommenden Jahren soll bei der Budgetierung den «Wintergästen» Rechnung getragen werden, damit die Mittel für die Entschädigung im Budget enthalten seien. Denn auch nächstes Jahr ist wohl noch mit Schäden zu rechnen: Die Regierung weist darauf hin, dass die Reduktion des Rothirschbestandes «mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird.»

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