Obwaldner Regierung will Lohngefälle zwischen Kindergärtnerinnen und Primarlehrern beseitigen

Beide durchlaufen praktisch dieselbe Ausbildung. Trotzdem verdienen Kindergärtnerinnen in Obwalden zwischen 300 und 400 Franken weniger als Primarlehrer. Nun wird die Verordnung angepasst.

Matthias Piazza
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Das Schulhaus Dossen in Kerns.

Das Schulhaus Dossen in Kerns.

Bild: OZ (10. November 2017)

Wer Kindergärtnerin werden will, lernt das Handwerk seit den 1990er-Jahren an einer Pädagogischen Hochschule. Dort absolviert sie praktisch dieselbe Ausbildung wie eine künftige Primarlehrerin. Das Lohnsystem in Obwalden trägt diesem Umstand nicht Rechnung. So verdient eine Kindergärtnerin, die in einer Gemeinde unterrichtet, im Schnitt etwa 300 bis 400 Franken weniger als ein Primarlehrer, der gemäss Lehrerverein Obwalden als Einstiegslohn 5670 Franken brutto verdient.

«Diese Lohndiskrepanz kommt aus einer Zeit, als die Ausbildung zum Primarlehrer aufwendiger war als jene zur Kindergärtnerin», erklärt Peter Gähwiler, Sekretär des Bildungs- und Kulturdepartements Obwalden. Das will der Regierungsrat nun mit einer Anpassung der Lehrpersonenverordnung ändern. Diese ist nun in die Vernehmlassung gegangen. Eine Verschlechterung gibt’s hingegen für langjährige Lehrer in Sachen Altersentlastung. Zwischen 50 und 60 Jahren wird ihnen nur noch eine Lektion pro Woche geschenkt. Bisher gab es ab 55 eine Reduktion um eine weitere Wochenlektion. Für die Lehrer ab 60 bleibt mit der Altersentlastung von drei Wochenlektionen hingegen alles beim Alten.
Peter Gähwiler will nicht von einer unzumutbaren Verschlechterung reden. «Damit passen wir uns den Anstellungsbedingungen für Lehrer anderer Kantone und den Verwaltungsangestellten Obwaldens an.» Kantonsangestellte haben ab 50 fünf und ab 60 sechs Wochen Ferien.

Für Gemeinden ein Nullsummenspiel

Die Lohnerhöhung bei den Kindergärtnerinnen kommt die sieben Obwaldner Gemeinden, welche die Kindergärtnerinnen, Primar- und Oberstufenlehrer anstellen, auf etwa 180000 Franken jährlich zu stehen. Diese Mehrkosten würden aber durch die Reduktion bei der Altersentlastung wettgemacht, hält Gähwiler fest. Der Kanton, der «nur» Lehrer der Kantonsschule und des Berufs- und Weiterbildungszentrums angestellt hat, spart dabei jährlich rund 90000 Franken.
Neu sieht die Lehrpersonenverordnung auch die Schaffung eines sogenannten Klassenpools vor. Gemeint sind damit zusätzliche Pensen, damit Lehrer ihren Kollegen, insbesondere den Klassenlehrern, bei der Wahrnehmung ihres umfangreichen Pflichtenheftes bei Bedarf unter die Arme greifen können. Dazu gehören das Vorbereiten und Durchführen der Beurteilungsgespräche, die Besprechungen mit Fachpersonen, Eltern und Behörden sowie die Klassenadministration.

«Die Erfahrung hat gezeigt, dass bei schwierigen Situationen in der Klasse Lehrpersonen zusätzliche Ressourcen brauchen», sagt Peter Gähwiler. Bei der grössten Gemeinde Sarnen mit 55 Klassen geht man beispielsweise von zusätzlichen eineinhalb Stellen aus. Für Lungern mit bloss 14 Klassen wären dies 36 zusätzliche Stellenprozente. Die Mehrkosten müssen allerdings die Gemeinden alleine berappen.
Der Kanton sieht für «seine» Kanti und das Berufs- und Weiterbildungszentrum einen solchen Klassenpool nicht vor. Es bestehe kein Bedarf, da diese Schulen anders organisiert seien und die Klassenlehrer eine andere Rolle hätten, so Gähwiler.
Mit den Änderungen kommt die Regierung einer Motion nach, welche vom Kantonsrat 2016 angenommen wurde. Sie verlangt, dass die Regierung das Bildungsgesetz überprüft und anpasst, um die Volks- und Kantonsschulen administrativ zu entlasten. 2018 hat der Kantonsrat den Vorstoss beraten. Bis Mitte April können sich die politischen Parteien, der Lehrerinnen- und Lehrerverband Obwalden und weitere Kreise im Rahmen der Vernehmlassung zum Entwurf äussern.

Gibt auch der Kantonsrat danach grünes Licht, soll die neue Verordnung im nächsten Jahr in Kraft treten. Auf Anfrage teilte der Lehrerverband Obwalden, dass man den Entwurf noch nicht genügend habe studieren können, um eine Stellungnahme abzugeben.

Am Mittwoch, 22. Januar, um 17.30 Uhr, findet im Mehrzwecksaal der Kantonsschule Obwalden in Sarnen eine Informationsveranstaltung statt.