OBWALDEN: Wird die verkümmerte Villa nun abgebrochen?

Ausser dem Zerfall der Villa schreitet auf dem Landenberg bei Sarnen nichts voran – trotz erteilter Abbruchbewilligung. Die Situation bleibt verworren.

Christoph Riebli
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Der Zahn der Zeit nagt am einstigen Wahrzeichen auf dem Landenberg ob Sarnen. Die Einrisse am Gebäude sind deutlich sichtbar. (Archivbild Corinne Glanzmann)

Der Zahn der Zeit nagt am einstigen Wahrzeichen auf dem Landenberg ob Sarnen. Die Einrisse am Gebäude sind deutlich sichtbar. (Archivbild Corinne Glanzmann)

Die Fassade zerfällt, die Innenräume sind Wind, Regen und Schnee schutzlos ausgesetzt: An prächtigster und für das Ortsbild des Obwaldner Hauptorts prägender Lage verlottert die Villa Landenberg am Rand des gleichnamigen Hügels. Nur ein Steinwurf davon entfernt liegen das Schützenhaus und das ehemalige Zeughaus, wo im Mittelalter die Burg Landenberg thronte, eine der grössten Burganlagen der Innerschweiz. Unbewohnt ist die denkmalgeschützte Villa seit rund zwanzig Jahren. Solange dauert bereits der Kampf der Besitzerin gegen Behörden und Auflagen für einen Neubau an (siehe Kasten).

Für die nun einsturzgefährdete Villa hat die ältere Frau ein Abbruchgesuch gestellt, das die Gemeinde unter Auflagen der Denkmalpflege im Herbst 2014 bewilligte. Seither ging nichts mehr, zumindest nichts Augenfälliges. Grund: Die Eigentümerin hat ihr eigenes Gesuch lahmgelegt: «Das Verfahren ist noch pendent. Auf Wunsch der Eigentümerin ist es sistiert worden», bestätigt Martin Furrer, Jurist beim kantonalen Bau- und Raumentwicklungsdepartement. Unsere Zeitung selbst hat die Besitzerin in den vergangenen Tagen für eine Stellungnahme nicht erreichen können.

Ball liegt bei der Eigentümerin

Bereits im Oktober 2014 hatte sie ein Erläuterungsgesuch nachgereicht, um mehr über die Spielregeln bei einem Abbruch zu erfahren. Eine Forderung, der die Denkmalpflege und die Gemeinde schon «vor einiger Zeit» nachgekommen seien, so Furrer, der sich inhaltlich dazu nicht äussern kann. Recherchen unserer Zeitung haben ergeben, dass es um archäologische Auflagen geht – im Zusammenhang mit der mittelalterlichen Vergangenheit des Landenbergs. Einfach so mit der Abbruchbirne ans Werk zu gehen, wird demnach nicht möglich sein – was die Kosten für den Rückbau in die Höhe treiben dürfte.

Die Krux am Ganzen: Zwar liegt die Zuständigkeit beim Kanton, der Ball jedoch wieder bei der Eigentümerin. «Die Sistierung geschah ja nicht von Amtes wegen. Wir warten auf eine Antwort der Gesuchstellerin», erläutert Martin Furrer. Diese sollte mitteilen, ob sie mit den Auflagen für den Abbruch einverstanden ist oder dagegen opponiert.

Es gibt keine Frist für Antwort

Könnte dieser rechtliche Schwebezustand noch Jahre andauern? «Es gibt keine Fristen, die gewahrt werden müssen», antwortet der Jurist Furrer. Die Sistierung des Verfahrens habe auch die weitere Behandlung durch den Regierungsrat unterbrochen. Dieser müsste nämlich noch eine Ausnahmebewilligung sprechen, damit das Gebäude aus dem Schutz entlassen wird – die Abbruchbewilligung durch die Gemeinde regelt die technischen Aspekte. Trotz der seit Jahren verworrenen Situation ist Martin Furrer zuversichtlich, «dass das Verfahren bald weiter geführt wird und der Regierungsrat in absehbarer Zeit entscheiden kann».

Diese Zuversicht verspürt auch der Rechtsanwalt der Besitzerin, Bruno Krummenacher: «Ende letzten Jahres hat ein Gespräch mit Behördenvertretern stattgefunden, welches zu gewissen Hoffnungen Anlass gibt. Allenfalls kann für die Villa Landenberg doch noch eine konstruktive Lösung gefunden werden.» Im Moment sei es jedoch für diesbezügliche Aussagen noch zu früh. «Interne Abklärungen laufen.»

Doch selbst wenn die Villa aus dem Denkmalschutz entlassen und schon abgebrochen wäre, dürften erneute Baupläne wohl mit Restriktionen und Auflagen verbunden sein. Der gesamte Hügel liegt in der Grün- und nicht in der Wohnzone. Eine Baueingabe dürfte die Juristen auf beiden Seiten beschäftigen.