OBWALDEN: Zank um Umweltanliegen an Sarneraa

10 Jahre nach der Hochwasserkatastrophe existiert das Schutzprojekt Sarneraatal erst auf Papier. Nun kündigen die Umweltverbände die Zusammenarbeit.

Christoph Riebli
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Die Sarneraa im Bereich der Kantonsschule in Sarnen. (Bild Corinne Glanzmann)

Die Sarneraa im Bereich der Kantonsschule in Sarnen. (Bild Corinne Glanzmann)

Christoph Riebli

Dicke Post für die Regierung: Geschlossen sind die Umweltverbände Aqua Viva, Bird Life Schweiz, Pro Natura und WFF aus der Projektsteuergruppe und deren Begleitgruppe des Hochwasserschutzprojekts Sarneraatal ausgetreten, in der sie seit dem Variantenentscheid 2014 eingebunden waren. Der Austritt erfolgte bereits im Juli und unter Protest, wie Hanspeter Rohrer von Pro Natura Ob- und Nidwalden gestern auf Anfrage bestätigte.

Grund: In Ferienabwesenheit des Vertreters der Umweltverbände hatte die Projektsteuergruppe beschlossen, auf Kernforderungen der Umweltverbände nicht mehr einzutreten, erklärt Rohrer. «Wir waren enttäuscht über dieses Vorgehen.» Auf die Forderungen sei aus politischen Gründen explizit nicht eingegangen worden: «Die IG Hochwasserschutz und die Bauern machen stark Druck.» Die einen wollten die Stollenvariante nicht gefährden, die anderen für notwendige Ausgleichsmassnahmen an der Sarneraa kein Kulturland verlieren, so Rohrer.

Baudirektor will sich nicht äussern

Zeichnen sich nun bereits Einsprachen und damit weitere Verzögerungen des sonst schon um Jahre verzögerten Hochwasserschutzes im Sarneraatal ab – Baubeginn für den Entlastungsstollen wäre ja eigentlich 2017? Baudirektor Paul Federer wollte sich dazu auf Anfrage nicht äussern. Er bestätigt zwar: «Die Umweltverbände haben die Projektsteuergruppe tatsächlich verlassen.» Vor weiteren Auskünften wolle er aber erst die Gesamtregierung in Kenntnis setzen sowie die zuständige kantonsrätliche Kommission, war gestern auf Anfrage zu erfahren. Die Bevölkerung soll am 20. Oktober informiert werden.

«Stollen könnte gebaut werden»

Hanspeter Rohrer meint dazu: «Wir wollen den Stollenbau nicht verzögern. Doch wenn man auf Kernforderungen der Umweltverbände nicht eingeht, macht eine Mitarbeit in der Projektsteuergruppe keinen Sinn mehr.» Zwar sei noch kein Entschluss für eine Einsprache gefällt worden, «doch für den Teil der Revitalisierung der Sarneraa geht es schon in diese Richtung.» Dies, falls der Kanton nicht entgegenkomme. Zu einer allfälligen Verzögerung des Hochwasserschutzprojekts meint Rohrer, «der Stollen könnte nach unseren Kenntnissen trotzdem gebaut werden, weil ja nur über das Ausmass der Revitalisierung an der Sarneraa gestritten wird». Mit dem aktuellen Projekt wird «aus Sicht der Umweltverbände dem Wasserbaugesetz klar nicht entsprochen».

So oder so: Den Umweltverbänden bleiben nun einzig die im Herbst startende Vernehmlassung sowie die spätere öffentliche Projektauflage, um sich einzubringen. Doch was forderten sie überhaupt in der Projektsteuergruppe? Laut Rohrer hatten sie auf eigene Kosten eine Machbarkeitsstudie zum Revitalisierungspotenzial der Sarneraa ausarbeiten lassen. Diese wurde der Steuergruppe vorgestellt und zeigt auf, dass Aufweitungen, Seitengerinne und die Verbesserung der Geschiebeeinträge notwendig seien, um den gesetzlichen Anforderungen des Wasserbaugesetzes zu entsprechen.

Kernanliegen der Verbände: Beim Flugplatz Kägiswil sollen Abklärungen für eine Aufweitung des Gerinnes getroffen werden. Dies hätte einen höheren Verbrauch von Kulturland sowie eine Teilverlegung eines Abwasserkanals zur Folge gehabt. Es sind Abklärungen, die mit dem Entscheid der Projektsteuergruppe begraben werden und damit auch die Antwort auf die Frage, ob eine solche Massnahme überhaupt zu rechtfertigen gewesen wäre oder nicht.

Bruchteil des Potenzials genutzt

Gemäss aktuellen Plänen soll entlang des Flugplatzes Kägiswil der Gewässerraum auch auf dem Trassee der Zentralbahn oder der angrenzenden Industriezonen zu liegen kommen. «Diese Flächen bringen aber keinen ökologischen Mehrwert», moniert Rohrer. Zudem entspräche die vorgesehene Gewässerraumbreite gerade mal 30 Prozent des geforderten Minimalwertes. Und: Das aktuelle Projekt schöpft gemäss Studie der Umweltverbände lediglich 25 Prozent des ökologischen Potenzials aus.