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OBWALDEN: Zu schnell wird schnell teuer

66 km/h war ein Mann zu schnell mit dem Töff unterwegs. Die Folgen sind eine Busse, ein Fahrverbot in der Schweiz, eine bedingte Gefängnisstrafe und über 1300 Franken Gerichtskosten.
Markus von Rotz
Ein mobilder Radarkasten der Polizei (Symbolbild). (Bild: Nadia Schärli)

Ein mobilder Radarkasten der Polizei (Symbolbild). (Bild: Nadia Schärli)

Markus von Rotz

markus.vonrotz@obwaldnerzeitung.ch

Im zweiten Anlauf hat es geklappt: Der 38-jährige Töfffahrer aus Stuttgart, der kürzlich vor Kantonsgericht hätte erscheinen sollen, hat diesen Termin nun nachgeholt. Es war damals ein abgekürztes Verfahren geplant gewesen, weil sich Staatsanwaltschaft, Verteidiger und Angeklagter auf das Strafmass hatten einigen können. Weil er den Termin wegen eines Notfalls im Geschäft «verschwitzt» hatte, wurde die Verhandlung neu angesetzt.

Der Fall geht auf den 16. Oktober 2016 zurück. Damals war der Mann mit seinem BMW-Töff nach der Schwingerkurve am Brünig in Richtung Lungern aus­serorts mit 150 statt der erlaubten 80 Stundenkilometer gefahren. Nach Abzug der Toleranz war er netto 66 km/h zu schnell und erfüllte den Tatbestand des Rasers. Dafür beantragte die Staatsanwaltschaft eine Busse von 600 Franken und eine auf zwei Jahre bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten. Ihm wurde zudem das Fahren in der Schweiz auf Zusehen hin, mindestens aber für zwei Jahre, untersagt. Um diese Erlaubnis wieder zu erlangen, muss er zudem eine verkehrspsychologische Untersuchung über sich ergehen lassen.

Für ihn sprach der gute Leumund

Vor Gericht hatten am Dienstag sowohl der angeklagte Töfffahrer als auch sein Anwalt keine Einwendungen. Sein Mandant stehe zu seiner Tat und bedaure sie, er akzeptiere die Anklage und habe nichts beizufügen, sagte der Verteidiger. Er betonte, dass sein Mandant bisher einen absolut tadellosen Leumund gehabt und in Flensburg keine Punkte habe. Das deutsche Kraftfahrtbundesamt betreibt in dieser Stadt ein Verkehrszentralregister. Für seine 60 km/h zu viel gäbe es in Deutschland 2 Punkte und einen Monat Fahrverbot sowie 240 Eu­ro Busse. Mit 8 Punkten würde der Fahrer als ungeeignet zum Lenken eines Fahrzeugs erachtet und ihm der Ausweis entzogen. Er könnte diesen frühstens nach sechs Monaten neu beantragen – dabei muss er nachweisen, dass er zum Fahren geeignet ist, was eine medizinisch-psychologische Untersuchung nötig macht.

Die Staatsanwaltschaft hatte den Töff erst einziehen lassen, später zum Zweck des Verkaufs wieder freigegeben. Derzeit warte er in seiner Garage auf einen Käufer, sagte der Angeklagte. Der Staatsanwalt sieht darin kein Problem, weil keine Gefahr bestehe, dass er in der Schweiz wieder Verkehrsregeln verletze und hier keine Vorstrafen habe. Der Mann hatte als Controller gearbeitet und war oft auch in der Schweiz unterwegs. Aufgrund des aktuellen Fahrverbots könne er den Job so nicht mehr ausüben, weshalb er nach Deutschland umgezogen sei. Auf ein eigentliches Schlusswort verzichtete er. Sein Anwalt habe alles «umfangreich dargestellt, ich möchte es nicht unnötig in die Länge ziehen».

Nach 45 Minuten heimchauffiert worden

Nach halbstündiger Beratung gab Gerichtspräsident Roland Infanger als Einzelrichter bekannt, er mache die Anträge zum Urteil. Der Angeklagte sei zu bestrafen für «qualifiziert grobe Verletzung von Verkehrsregeln» und habe die Verfahrenskosten von 1354 Franken zu übernehmen. Es ­liege «offensichtlich eine krasse Missachtung der Höchstgeschwindigkeit vor», verbunden mit hohem Unfallrisiko. Er habe jedoch in den Videoaufnahmen keine konkrete Gefährdung erkennen können, sodass die Freiheitsstrafe angemessen sei. Er erwarte, dass der Verurteilte den Töff verkaufe, auch wenn er ihm das nicht vorschreiben könne.

Auf jeden Fall aber gab er sich «überzeugt, dass Sie diesen Denkzettel verstanden haben». Nach einer knappen Stunde liess sich der Verurteilte wieder nach Hause chauffieren.

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