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OBWALDEN: Zukunft des Skigebiets hängt in den Seilen

Für die Zukunft von Lungern-Schönbüel sieht Volkswirtschaftsdirektor Bleiker schwarz. Dass der Kanton Eigentümer werden könnte, schliesst er aus.
Christoph Riebli
Talstation in Lungern. (Bild: Archiv Neue OZ)

Talstation in Lungern. (Bild: Archiv Neue OZ)

Nach zwei Jahren Betriebsstillstand und einem eingestellten Konkursverfahren befindet sich die Panoramawelt Lungern-Schönbüel AG in Liquidation. Der dritte Betreiber am Lungerer Hausberg seit 1960 und bereits der zweite, der pleite ging. Für eine Verwertung leistete kein Gläubiger einen Kostenvorschuss – die Frist verstrich vor kurzem ungenutzt. Die Zukunft des einstigen Skigebiets ist damit unsicherer denn je.

«Ich war zu Beginn relativ optimistisch. Im Moment sehe ich schwarz», sagt der Obwaldner Volkswirtschaftsdirektor Niklaus Bleiker. Er hatte 2014 erfolglos versucht, Investoren zu finden. Dass der Kanton einspringt und das Skigebiet rettet, ist für ihn unwahrscheinlich. «Eine Bergbahn zu übernehmen gehört nicht unbedingt zur Kernaufgabe eines Kantons.» Und: «Die Zahlen sprechen nicht für eine Übernahme.» Mit den Standschäden der Bahnen und dem Erneuerungsbedarf sei ein kostendeckender Betrieb nicht möglich. «Wir haben das von Profis durchrechnen lassen», so Bleiker. Knapp 7 Millionen Franken müssten in den nächsten 10 Jahren investiert werden für einen Betrieb in der bisherigen Form.

Es bleiben drei Varianten

Doch noch ist der Kanton weder involviert, noch hat die Gesamtregierung die Frage beraten. An der Reihe für die Liquidation der Panoramawelt ist seit Einstellung des Konkursverfahrens wieder der Verwaltungsrat und Geschäftsführer, der den «Berg» rein theoretisch wieder mit Zustimmung der Grundpfandgläubiger selbst veräussern könnte. Diese 1. Variante ist wohl unwahrscheinlich.

Wie weiter? Von Amtes wegen könnte die Panoramawelt frühestens drei Monate nach Verfahrenseinstellung, also Ende April, aus dem Handelsregister gelöscht werden, sagt Catharina Raffa, Leiterin Betreibung und Konkurs. «Dann ist eine Übertragung der Aktiven an den Kanton möglich.» Tritt diese 2. Variante ein, würden alle Betreibungen gegenstandslos. Vorausgesetzt, niemand erhebt bis dato Einspruch gegen die Löschung. Sollte der Eintrag bestehen bleiben, könnte ein Übertrag an den Staat aufgrund möglicher Betreibungsfortsetzungen frühstens im Januar 2016 erfolgen. «Noch hat aber kein Gläubiger eine solche Fortsetzung verlangt.»

Garaventa will Geld zurück

Schlägt der Kanton die Übernahme der Aktiven samt Baurechten als Eigentum aus, hat das Konkursamt den Auftrag für deren Verwertung. Dann käme es zur Versteigerung. Eine solche ist auch möglich – das ist die 3. Variante –, wenn schon zuvor ein Gläubiger eine Betreibung auf Verwertung des Pfandes einleitet. Theoretisch könnten so die Baurechte (Bauten und Bahnen) für einen läppischen Betrag den Besitzer wechseln. Tun sie das nicht, kommt es voraussichtlich zu einem Heimfall. Gläubigerin im ersten Rang ist nach eigenen Angaben die Goldauer Garaventa AG: «Der grösste Wert ist die Pendelbahn, der Zubringer von Lungern nach Turren», sagt Geschäftsführer Istvan Szalai. Darauf hat seine Firma ein Grundpfand (siehe Kasten). «Mindestens diese 700 000 Franken hätten wir gerne zurück», so Szalai. «Wie die Jungfrau zum Kind» sei der Seilbahnbauer zu diesem Grundpfand gekommen.

Rückbau könnte Jahre dauern

Falls auch eine Versteigerung der bis 2053 geltenden Baurechte keinen Investor zutage fördert, könnte im schlimmsten Fall der Rückbau der Bahnen drohen. «Wird der Betrieb einer Seilbahn definitiv eingestellt, so hat der Eigentümer sie zu entfernen», heisst es dazu in der Seilbahnverordnung des Bundes. Bis wann ein Rückbau zu erfolgen hat, wird von Fall zu Fall entschieden. Ein Blick hin zum Winterhorn im Kanton Uri zeigt, dass das noch lange dauern könnte: Der Lift steht seit 2008 still, 2014 wurde das Konkursverfahren um die Winterhorn AG abgeschlossen, bis 2021 muss der Rückbau der Sesselbahn abgeschlossen sein. Die Konkursmasse übernahm in diesem Fall die Korporation Urseren, die den Rückbau mit der Firma Sisag (Besitzerin der Steuerung sowie der Talstation) und dem Kanton Uri zu bezahlen hat.

Gegen eine Million für Rückbau

Zurück nach Lungern: «Ein allfälliger Rückbau ist noch zu weit weg, als man etwas Konkretes dazu sagen könnte», erklärt Hans-Urs Bürgi, Präsident der Teilsame Obsee (Korporation), der Landbesitzerin. Auch die damit zusammenhängenden Kosten seien noch völlig unklar und auch, was im Falle eines Heimfalls der Baurechte geschehen werde. Istvan Szalai beziffert die Kosten für die Demontage der Sesselbahn Turren–Schönbüel, die der Garaventa gehört, auf rund 400 000 Franken. Einen Weiterverkauf der veralteten Anlage (1999) hält er für unrealistisch. Mindestens eben so teuer oder noch etwas teurer dürfte wohl der Rückbau der Pendelbahn Lungern–Turren werden. Fest steht: Werden die Bahnen nicht mehr in einem betriebsfähigen Zustand gehalten, so hat der Eigentümer zumindest die Seile zu entfernen – ein Thema, das in den nächsten Monaten aktuell werden könnte.

Baurechte als gordischer Knoten

Bis anhin habe für Investoren die Devise «Vogel friss, oder stirb» gegolten, was viele abgeschreckt haben dürfte, sagt Garaventa-Geschäftsführer Istvan Szalai. Rosinenpickerei lässt der bestehende Baurechtsvertrag nicht zu – zu kaufen gibt es die Baurechte nur als Ganzes. Im Falle einer Versteigerung würden die Baurechte in aller Regel auch als Gesamtpaket angeboten, bestätigt auch Catharina Raffa, Leiterin Betreibung und Konkurs.

Diesen gordischen Knoten gelte es zu lösen, meint Szalai, was nur ein neuer Eigentümer könne: «Wenn jemand frei entscheiden kann, könnte es vielleicht eine gute Lösung für den oberen Teil und den unteren Teil geben.» Mit dem oberen Teil ist das Berghaus mit dem Sporting-Gebäude (Restaurant und Massenlager) mitsamt Sessellift gemeint. Mit dem unteren die Pendelbahn mitsamt Gebäuden.

Das Grundpfand

Kurz erklärt red. Die Firma Garaventa besitzt ein so genanntes Grundpfand auf der Pendelbahn Lungern–Turren. Sie sicherte sich damit Forderungen über 700 000 Franken aus einem offenen Leasingvertrag mit der konkursiten Vorgängergesellschaft (BBLS). Ein Grundpfand (etwa ein Schuldbrief) kann verwertet werden, wenn der Schuldner nicht zahlt. Das Pfand ist also eine Sicherheit für eine offene Forderung, die im Grundbuch eingetragen ist. Wird bei einer Verwertung (Versteigerung) das entsprechende Guthaben nicht gelöst, erleidet der Gläubiger jedoch einen Ausfall.

Christoph Riebli

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