OBWALDEN: Zusammenschluss scheidet die Geister

Die Regierung erklärt das sogenannte «Schneeparadies» zur Staatsaufgabe. Das irritiert einige Parteien. Auch glauben nicht mehr alle an eine Realisierung.

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Im Kanton Obwalden soll ein Schneeparadies entstehen. (Symbolbild Neue NZ)

Im Kanton Obwalden soll ein Schneeparadies entstehen. (Symbolbild Neue NZ)

Eine Verbindung der Skigebiete Engelberg-Titlis, Melchsee-Frutt, Meiringen-Hasliberg und Hasliberg-Käserstatt im Kanton Bern: Das ist die Idee des «Schneeparadieses». Jetzt kommt die über zehn Jahre alte Vision wieder aufs politische Tapet. Im kantonalen Umsetzungsprogramm zur Neuen Regionalpolitik (NRP) 2016 bis 2019 taucht die Idee zum Zusammenschluss auf (siehe gestrige Ausgabe).

Damit hat die Regierung das Projekt sozusagen zur Staatsaufgabe erklärt. SVP-Parteipräsident Albert Sigrist zeigt sich etwas irritiert über dieses Vorgehen. «Ich stelle mir ernsthaft die Frage, ob das ‹Schneeparadies› eine Staatsaufgabe ist. Diese schwierige Frage kann ich zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht abschliessend beantworten. Diese muss sicher noch kritisch diskutiert werden.»

Dass die Regierung die Parteien nicht zur Vernehmlassung einlud, erachtet Albert Sigrist weniger als Problem. «Allerdings muss sich der Kanton nicht wundern, wenn es im Nachhinein von Parteienseite Widerstand gibt, weil das Geschäft in der Vernehmlassung zu wenig breit abgestützt ist», gibt Albert Sigrist zu bedenken.

Trotz einer über zehnjährigen Geschichte glaubt er jedoch noch immer an die Idee. «Wir sind damit auf dem richtigen Weg.» Positiv stimmen ihn auch die gestiegenen Übernachtungszahlen in der Zentralschweiz, trotz Aufhebung des Mindesteurokurses. «Voraussetzung fürs ‹Schneeparadies› ist allerdings für Sigrist, dass die Bahnen die nötigen finanziellen Mittel aufbringen können und die Umweltverbände das Projekt mittragen.»

Kanton als Antreiber

Boris Camenzind, Präsident der FDP Obwalden, sieht in einem Engagement des Kantons «als Antreiber und Koordinator» Sinn, «da in diesem Projekt mehrere Akteure in mehreren Gemeinden und Kantonen betroffen sind», schreibt er auf Anfrage. Eine Mitwirkung in der Vernehmlassung hätte er begrüsst, auch wenn die Parteien im Kantonsrat im Zusammenhang mit der Langfriststrategie des Kantons in die strategische Planung eingebunden seien.

«Persönlich glaube ich an die Notwendigkeit und Realisierbarkeit des ‹Schneeparadieses›. Das ist aber noch ein langer Prozess, und es müssen noch sehr viele Fragen geklärt werden im Umfeld, zum Beispiel Verkehrsströme.»

Adieu zum Mammutprojekt

Ruth Koch, Co-Präsidentin der SP Obwalden, findet es irritierend, wenn der Staat jetzt mit über 200 000 Franken Steuergeldern dieses Projekt vorantreibe. «Die Bahnbetreiber sind mit den bestehenden Anlagen sowie mit den laufenden Investitionen und Betriebskosten mehr als beschäftigt. Die Regierung und die Bahnbetreiber sollten endlich den Mut haben, diesem Mammutprojekt Adieu zu sagen», so Ruth Koch. Sie habe nie geglaubt, dass diese Skigebietsverbindung zu einem Paradies werden würde.

Auch in einer abgespeckten Form sehe sie den Sinn darin nicht. «Die Nachteile und Risiken überwiegen. Das Geld würde besser in den sanften Tourismus investiert.» Die SP werde als Partei dazu Stellung nehmen, auch wenn sie weder zur Erarbeitung des Programms noch zur Vernehmlassung eingeladen worden sei.

Die CVP habe sich in letzter Zeit nicht offiziell mit dem Thema befasst und könne daher auch keine aktuelle Parteimeinung abgeben, liess sich Co-Präsidentin Margrit Freivogel verlauten. Da das «Schneeparadies» ein Teil des Richtplanes sei, sei es somit korrekt, wenn dieses Thema ein entsprechendes Gewicht habe und im Rahmen der Regionalpolitik wieder aufs Tapet komme.

Angesichts der Bedeutung des Tourismus für Engelberg wie auch für Melchsee-Frutt und der allgemeinen Entwicklungen im Tourismus (Bündelung und Synergieeffekte) habe es damals die CVP-Fraktion als richtig und wichtig erachtet, eine gemeinsame und koordinierte Entwicklung beider Destinationen (zusammen mit Hasliberg) im Auge zu behalten und Türen offenzuhalten. Diese Haltung habe sich offiziell nicht verändert. «Zudem hängen auch viele Arbeitsplätze an einer zeitgemässen und nachfrageorientierten Weiterentwicklung des Tourismus», hält sie fest.

Im Interesse eines breit abgestützten politischen Diskurses wäre es sicher förderlich und begrüssenswert, wenn auch die Parteien zur Vernehmlassung über die Neue Regionalpolitik eingeladen worden wären, meint Margrit Freivogel zur Vernehmlassung ohne Parteibeteiligung.

Abstützung in der Bevölkerung

«Bei einem derart grossen Vorhaben müsste die Abstützung in der Bevölkerung gross sein», meintCSP-Co-Präsident und Kantonsrat Sepp Stalder. Er persönlich glaube nicht mehr an das «Schneeparadies», «sonst hätten dies die Bahnbetreiber schon längst realisiert».

Matthias Piazza