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OBWALDEN: Zwei Abenteuerlustige fanden sich auf der Reise in Kanada

Walter von Rotz und Leonie Kaufmann reisten nach Kanada, um Abenteuer zu erleben. In Alberta haben sie sich und ihr Glück gefunden.
Romano Cuonz
Die Von-Rotz-Family vor den Transportern ihrer Firma Valbella Gourmets Foods in Canmore (Alberta). Von links: Tochter Chantal, Walter und Leonie von Rotz und Sohn Jeff. (Bild: PD)

Die Von-Rotz-Family vor den Transportern ihrer Firma Valbella Gourmets Foods in Canmore (Alberta). Von links: Tochter Chantal, Walter und Leonie von Rotz und Sohn Jeff. (Bild: PD)

Romano Cuonz

«Well, zur Schule gegangen bin ich in Kerns und habe dann eine Metzgerlehre in Emmenbrücke gemacht», erzählt der 65-jährige Walter von Rotz. Er lebt heute mit seiner ganzen Familie im kanadischen Städtchen Canmore, Alberta. In seinem Obwaldner Dialekt schwingt gut hörbar ein englischer Akzent mit. Seine kräftige Statur verrät bis heute, dass er in jungen Jahren wohl ein Schwinger gewesen ist. In der Tat: Das Eidgenössische in Estavayer ist denn mit ein Grund für den erfolgreichen Geschäftsmann für Heimatferien mit seiner Frau Leonie in der Schweiz. «Obwohl wir seit vierzig Jahren in den kanadischen Rocky Mountains leben, möchten wir Schweizer Tradition niemals missen», gesteht der Auslandschweizer. Mittlerweile aber ziehe er selber das Singen im Jodlerklub «Heimattreu» in Calgary dem Kampf im Sägemehl vor. Seine Frau Leonie, gebürtig aus Grindelwald, fügt bei: «Selbst wenn wir die Schweiz nach wie vor sehr lieben und jedes Jahr wiederkommen ... Zu Hause sind wir nun in Kanada, wo Sohn Jeff und Tochter Chantal unser Geschäft weiterführen und neuerdings auch das Grosskind Maja nach uns ruft.»

Harte Zeiten bis zum grossen Glück

In Kerns war es Walter von Rotz stets zu eng. Nach Abschluss der Metzgerlehre trat er – noch ohne ein Wörtchen Englisch zu verstehen – in Südafrika seine erste Stelle an. Kaum zurück in Obwalden, suchte er ein neues Abenteuer. Diesmal fand er Arbeit bei einem Schweizer Metzger im Städtchen Prince Georges in British Columbia. «Ein abgelegener Ort im wildesten Kanada mit Grizzlys und Wintertemperaturen bis zu 45 Grad unter null», berichtet von Rotz. Da habe er schon hart durchmüssen! Später fand er dank Schweizer Kollegen im Touristenort Banff eine neue Stelle. Dort arbeitete er im Steakhouse eines Österreichers. «Weil ich aus der Schweiz eine gute Ausbildung mitbrachte, war meine Arbeit in der Fleischveredlung, der Wursterei und der Schinkenfabrikation sehr gefragt», erinnert sich von Rotz. Von seinem Beruf habe er leben können. Und, man ahnt es schon: Zu seinem Glück trat nun auch noch eine Berner Oberländerin namens Leonie Kaufmann in sein Leben.

Liebe gegen kalte Winternächte

«Ich arbeitete im Touristendorf Grindelwald als Verkäuferin», erzählt Leonie von Rotz. Doch schon als Jugendliche habe sie den Wunsch gehegt, Kanada zu besuchen. Um Abenteuer zu erleben! «Vielleicht war es ja, weil dort schon mein längst verstorbener Grossvater ab 1901 als Bergführer gearbeitet hatte!» Leonie war eben zwanzig, als sie mit einer Freundin nach Übersee reiste. Leicht war es auch für sie nicht. Mit dem versprochenen Arbeitsplatz klappte es nicht. «Kein Mensch holte uns in British Vancouver ab», erinnert sie sich. Deshalb zogen die beiden Bernerinnen in die Berge. Nach Banff. Dort erhielten sie mit zehn andern Schweizern Arbeit. In der Küche. Und, man ahnt es schon: Es war das gleiche Steakhouse, in dem auch Walter von Rotz arbeitete. «Es war Liebe auf den ersten Blick und ein Mittel gegen kalte Winternächte», schmunzelt von Rotz. Zum Heiraten kamen die beiden nochmals in die Schweiz. Ihr grosses Glück aber war es, dass sie bald darauf wieder – nun gemeinsam und für immer – nach Ka­nada auswanderten.

Eigener Betrieb mit 40 Mitarbeitern

Der Aufstieg von Walter und Leonie von Rotz hört sich wie ein Märchen an. «Nach und nach merkten wir, dass unser Baum verpflanzt war, wir wollten zu ihm schauen und ihn neu verwurzeln», stellt Walter von Rotz fest. Poetisch fast! Und seine Frau Leonie ergänzt: «Ja, es war immer unser Plan, selber etwas anzufangen.»

Im Städtchen Canmore, östlich von Banff, begannen sie mit einem Lokal von 100 Quadratmetern ganz klein. «Wir besassen einen Ladentisch, eine Schneidmaschine, eine Kühltruhe und einen Stationswagen», sagt Walter von Rotz. Mit Fleisch, das aus Calgary angeliefert wurde – Rindern, Schweinen, Federvieh und viel Wild aus Zuchten – stellte der Metzger 150 verschiedene Delikatessen her.

«1988 setzte mit den Olympischen Win­terspielen in Calgary der grosse Aufschwung ein», erzählt Leonie von Rotz. «Unser Handel explodierte förmlich.» Bald kaufte man Land im Industriepark. Der Betrieb Valbella Gourmets Foods wurde grösser und grösser. «In der Startphase betrug die schlechteste Tageseinnahme 49 kanadische Dollar, heute produziere ich mit 40 Leuten 12 bis 15 Tonnen Fleisch pro Woche», stellt von Rotz fest. Nicht ohne Stolz.

Auch Abenteuer fehlten nicht

Fragt man, ob das Leben in Kanada mit einem solchen Business doch auch einmal abenteuerlich sei, nicken beide gleichzeitig. Und miteinander erzählen sie: Wie sie mit den Kindern im tief verschneiten Wald waren. Der Vater schlug eben den Weihnachtsbaum. Die Kinder aber spielten im Schnee. Plötzlich bemerkte die Mutter in nächster Nähe einen Cougar (Puma), der unter einem Baum schlief. «Hals über Kopf rettete ich mich samt Kindern auf die Strasse», schildert die Frau. Und man spürt, wie ihr der Schrecken noch heute irgendwie in den Knochen sitzt!


In unserer Sommerserie «Auswanderer» stellen wir Nid- und Obwaldner vor, die in einem Land fernab ihrer Heimat ein neues Zuhause gefunden haben. Bisher erschienene Beiträge finden Sie unter www.nidwaldnerzeitung.ch/serien oder www.obwaldnerzeitung.ch/serien

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