OBWALDEN/BERN: Kernserin ins Nervenzentrum der Armee befördert

Corina Gantenbein hat es weit gebracht in der Armee. Als Oberstleutnant im Generalstab ist sie die rechte Hand des Chefs des Armeestabs. Was sie im Militär gelernt habe, komme ihr auch im Privaten zugute, ist die Kernserin überzeugt.
Matthias Piazza
«In der Armee kann ich etwas Sinnvolles für die Gesellschaft tun.» Corina Gantenbein, Oberstleutnant im Generalstab (Bild: PD)

«In der Armee kann ich etwas Sinnvolles für die Gesellschaft tun.» Corina Gantenbein, Oberstleutnant im Generalstab (Bild: PD)

«Ich bin eigentlich die militärische Assistentin meines Generals», antwortet Corina Gantenbein, gefragt nach ihrem Aufgabenbereich ihrer neuen Funktion. Seit Mitte Januar ist die 36-jährige Kernserin Oberstleutnant im Generalstab, im Nervenzentrum der Armee am Hauptsitz in Ittigen bei Bern. Ihr Chef, der Chef des Armeestabs, hat sämtliche Querschnittsfunktionen und ist damit unter anderem für die Finanzen, die Immobilien, die Planungen oder das zivile Personal der Armee zuständig. Selbst internationale Beziehungen in militärischer Hinsicht laufen unter Divisionär Claude Meier, der direkt unter dem Chef der ­Armee angesiedelt ist.

Eine wichtige Rolle – im Hintergrund – in diesem Räderwerk nimmt Corina Gantenbein ein. «Mein Job ist es, ihn so gut wie möglich zu unterstützen in der Ausübung seiner vielfältigen Aufgaben. Beispielsweise bereite ich für ihn eine Präsentation vor oder ich erhalte einen Befehl von einer höheren Stufe, analysiere den Handlungsbedarf und bereite die relevanten Infos auf.»

Die neue Aufgabe empfindet sie als eine Ehre

«Es ist der Dienst an der Gemeinschaft, der mich reizt», sagt sie zu ihrem Engagement in der Armee. Dafür nimmt sie einiges in Kauf. Wegen des langen Arbeitsweges kann sie unter der Woche nicht nach Hause. Ihren Mann sieht sie nur am Wochenende. Bereits den Umzug von ihrer Heimat, dem Toggenburg, nach Alpnach und später nach Kerns war ihrem Beruf geschuldet. Damals war sie in Thun stationiert. «Obwalden liegt in idealer Distanz zu Thun und zur Swissint in Oberdorf, wo mein Mann als Berufsmilitär arbeitet.» Sie fühlten sich sehr wohl und akzeptiert in Kerns, beteuert sie in Ostschweizerdialekt.

Als militärisches Schlüsselerlebnis bezeichnet sie einen Beitrag in der «Tagesschau» über einen Militärwissenschafter. «Ich begann mich für die Organisation Armee zu interessieren, wollte mir ein eigenes Bild darüber machen.» Sie fand bald heraus: «In der Armee kann ich etwas Sinnvolles für die Gesellschaft tun.»

Von der Matura in die Armee

Corina Gantenbein wusste, dass sie diesen Weg einschlagen wollte, und liess sich auch nicht von kritischen Stimmen aus dem Umfeld davon abhalten. «Nicht alle verstanden, warum ich als Frau freiwillig ins Militär gehe.» Nach der Matura absolvierte sie 2001 die Rekrutenschule als Nachrichtensoldat für eine Panzereinheit – mit drei weiteren Frauen und etwa 500 Männern. Kein Wunder, beträgt der Frauenanteil in der Armee doch weniger als 1 Prozent. Sie blieb der Armee nahtlos treu, diente als Zeitmilitär, stieg auf der Karriereleiter hoch, lernte zu führen. Vor ihrem jetzigen Job war sie Klassenlehrerin in einer Offiziersschule. Die Grade wollten hart verdient sein – etwa am Ende der Offiziersschule, bei der sogenannten Durchhalteübung mit vielen Strapazen und wenig Schlaf. «Man merkt in solchen Extremsituationen, dass man viel mehr kann, als man sich ursprünglich zugetraut hat.» Vor allem die Solidarität streicht sie hervor. «Man versteht sich als Team, hilft einander.»

Die Führungsausbildung in der Armee sei für sie Gold wert. «Ich lernte, strukturiert zu denken und zielgerichtet an eine ­Situation heranzugehen.» Diese Eigenschaften nützen ihr auch im Privatleben, bei Problemen kühlen Kopf zu bewahren und diese so rasch und gut wie möglich zu lösen.

Geplant ist, dass sie die aktuelle Funktion vier Jahre innehat. Und dann? «Längerfristige Ziele habe ich mir nicht gesetzt», sagt Gantenbein. «Berufsmilitärs werden dorthin kommandiert, wo es sie braucht. Darauf stelle ich mich auch in Zukunft ein.»

Matthias Piazza

matthias.piazza@obwaldnerzeitung.ch

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