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OBWALDEN/BRASILIEN: Internet dient als Tanzlehrer

Die von Auswanderern gegründete Kolonie Helvetia feierte übers Wochenende ihr 125-jähriges Bestehen. 80 Gäste aus der alten Heimat waren mit dabei.
Alexandra Frei*
Obwaldner und Nachfahren ausgewanderter Obwaldner feierten in Brasilien 125 Jahre Colonia Helvetia. Auch Fahnenschwinger und ein August-Feuer gehörten dazu. (Bilder Alexandra Frei)

Obwaldner und Nachfahren ausgewanderter Obwaldner feierten in Brasilien 125 Jahre Colonia Helvetia. Auch Fahnenschwinger und ein August-Feuer gehörten dazu. (Bilder Alexandra Frei)

«In der Schweiz, eine Türe schliesst sich: Der Türriegel verstummt das Vergangene ... In Brasilien, eine Türe öffnet sich für die geträumte Zukunft.» Das sind die Worte von Ignaz Ambiel, die er vor seiner Abreise 1880 mit Bleistift an seiner Haustüre in Giswil verewigt hatte. Ignaz Ambiel war einer der Mitbegründer der Colônia Helvetia im Bundesstaat São Paulo. Die heutigen Bewohner des Ambiel-Hauses in Giswil, die Familie Riebli, haben die Türe im Keller aufbewahrt und sie zum 125-Jahr-Jubiläum der Kolonie nach Brasilien verschenkt. Fortan nimmt sie an der Aussenwand des Gemeindehauses in Helvetia einen Ehrenplatz ein.

Ein Fest der helvetischen Traditionen

Die Jubiläumsfeierlichkeiten vom Wochenende standen im Zeichen schweizerischer Traditionen: Voller Stolz marschierten die Schützen am Samstag mit ihrem Kleinkalibergewehr und der Armbrust durch die Hauptstrasse, wo alle Besucher und Einheimische für sie Spalier standen. Sie wurden von Alphornklängen und Fahnenschwingern der Schweizer Delegation festlich empfangen.

Die Präsidentin Maria Alwina Am-stalden-Krähenbühl eröffnete das «Festa da tradição» mit einem Schützentrunk. Die Nachfahren der Auswanderer leben die Traditionen noch heute mit voller Leidenschaft. So hat die kleine Schweiz in Brasilien ihre eigenen Trachtengruppen Rosatiti (Kinder), Heideblumen oder Enzian. Der Jodelklub Helvetia unter der Leitung von Noldi Heuberger singt traditionelle Jodellieder in Schweizerdeutsch. Obwohl die heutige Generation fast kein Deutsch mehr spricht, ist es beeindruckend, wie sie die Lieder in perfektem Dialekt vortragen – ohne zu wissen, was sie singen. Durch die Schweizer Musik, das eidgenössische Essen und das liebevoll dekorierte Festareal fühlten sich die rund 80 angereisten Schweizer wie zu Hause – und das bei winterlichen 28 Grad Lufttemperatur.

Von Bildern und Videos kopiert

Auch Tänze wurden vorgetragen – und das mit Freude und Eleganz. Interessant ist, wie die Tanzgruppen zu neuen Choreografien gelangen: Neben den klassischen Tanzbeschreibungen lernten sie auch Tänze mit Hilfe von Internetvideos. Schliesslich stammen fast alle Tänze aus der alten Heimat. Viele Brasilianer konnten zudem mit einer Tracht aufwarten. Auch hier wissen sich die Auswanderer zu helfen: «Wir studieren die Abbilder der Trachten und nähen sie selbst», berichtet die Tanzleiterin der Gruppe. Von Bern über Obwalden bis hin zur Appenzeller Tracht ist alles vertreten. Ihre Gewänder sind den Schweizer Trachten sehr ähnlich, mit kleinen «brasilianischen» Eigenheiten.

«Grande espetáculo»

Der Höhepunkt des Jubiläumsfestes war der Sonntag. Rund 10 000 Gäste reisten von ganz Brasilien nach Helvetia. Der Festakt begann mit einem Gottesdienst mit dem Bischof, der der ersten Einwanderer aus Obwalden gedachte. Diese hatten in den Jahren 1854, 1881 und 1886 die überaus mühselige Reise nach Südamerika auf sich genommen.

Der Schützenverein lud zum traditionellen Schiessturnier ein. Als Abschluss des Turniers zogen die Schützen mit dem erkorenen Schützenkönig, der auf einer Sänfte getragen wurde, zum Festzelt. Dort fand das Absenden statt. Auch drei Frauen und drei Männer aus der Reisegruppe durften Medaillen entgegennehmen.

Reiseorganisator Josef Wolf genoss es förmlich, die Schweizer Tänzer auf der Bühne mit den Worten «Grande espetáculo» anzukünden: Trotz Sprachbarrieren tanzten die Schweizer und die Brasilianer ohne Probleme miteinander. Gemeinsam wurde so der 1. August nochmals zelebriert. Zum Schluss durfte auch ein grosses Feuer nicht fehlen.

* Alexandra Frei aus Alpnach berichtet als Teilnehmerin der Gruppenreise nach Brasilien.

Brasilien: Mehr Bilder von den Feierlichkeiten gibts unter www.obwaldnerzeitung.ch/bilder

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