OBWALDEN/NEW YORK: Für Kunst wagten sie Sprung über Atlantik

Vor einem Jahr hat Jorrit Britschgi mit seiner Familie die Zelte in der Schweiz abgebrochen und in New York ein neues Leben angefangen. In der Weltmetropole fühlen sich die vier wie in einem Dorf.

Matthias Piazza
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Der Alpnacher Jorrit Britschgi mit seiner Familie in New York, im Hintergrund die Manhattan Bridge. (Bild: PD)

Der Alpnacher Jorrit Britschgi mit seiner Familie in New York, im Hintergrund die Manhattan Bridge. (Bild: PD)

Matthias Piazza

matthias.piazza@obwaldnerzeitung.ch

«New York ist eine schnell pulsierende und teilweise hektische Stadt, wo man sich seine Nische oder Oase suchen muss. Hier trifft man aber auch viele interessante Leute aus den verschiedensten Nationen, die hier etwas aufbauen.» So beschreibt Jorrit Britschgi seine Eindrücke nach einem Jahr Leben und Arbeiten in der Acht-Millionen-Metropole New York, der bevölkerungsreichsten Stadt der USA. Besonders angetan habe es ihm das reichhaltige kulturelle Angebot mit den vielen Museen. Die Stadt ist damit wie geschaffen für ihn.

Denn der 38-jährige Alp­nacher ist seit März 2016 künstlerischer Direktor des Rubin Museum im Künstlerviertel Chelsea im Süden Manhattans. Als Direktor für Ausstellungen, Sammlungen und Forschung ist er mit seinen 20 Mitarbeitern für die künstlerische Handschrift dieses führenden, auf die Kunst der Himalajaregion spezialisierten Museums verantwortlich. «Mich fasziniert die Kunst dieser Region. Wir möchten sie künftig einem breiteren Publikum zugänglich machen», erklärt Britschgi.

Die Nationalität spielt keine Rolle

Grosse Berührungsängste hatte der Schweizer mit seinen neuen Arbeitskollegen nicht. «Die Museums- und Künstlerszene ist wie eine grosse Familie, da spielt die Nationalität keine grosse Rolle.» Dass er sich so schnell in der neuen Heimat zurechtfand, dürfte wohl auch an seiner Vergangenheit liegen. Er lebte längere Zeit in China, Kalifornien und Zürich, wo er im Rietberg-Museum die Abteilung für indische Malerei betreute. Für den Traumjob in New York, für den er übrigens angefragt worden war, hat nicht nur er sein altes Leben in der Schweiz aufgegeben. Auch seine Frau, die dafür ihre Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Kunsthaus Aarau gekündigt hatte, und seine beiden zwei- und vierjährigen Töchter zogen mit ihm nach New York. In Park Slope, einem Viertel im Stadtteil Brooklyn, fand die junge Familie eine Mietwohnung und lebte sich wunderbar ein. «Dank der nahen U-Bahn-Station habe ich einen kurzen Arbeitsweg. Auch Schulen, Restaurants und ein Park sind in der Nähe, das schätzen wir sehr.» Anschluss habe die Familie schnell gefunden. «Park Slope ist eine sehr familienfreundliche Region mit vielen Ausgewanderten.» Als Fremde fühle man sich nicht. «Meine Frau ist auf Facebook mit vielen Schweizern befreundet, die sich ebenfalls in New York niedergelassen haben.» Und auch in der direkten Nachbarschaft habe man Schweizer kennen gelernt. Problemlos sei auch den Kindern der Start in ihr neues Leben geglückt. Die vierjährige Tochter besucht zurzeit den Vorkindergarten und wächst so dreisprachig auf. Zu Hause wird Schweizerdeutsch gesprochen, im Vorkindergarten Englisch und Spanisch.

Aufgewachsen ist Jorrit Britschgi im «Gärtli» oberhalb von Alpnach. Der Kontrast zwischen seinem Heimatort und seiner Wahlheimat auf der anderen Seite des Atlantiks könnte also nicht grösser sein. «Natürlich vermisse ich etwas die Landschaft mit Bergen, Seen und den kurzen Distanzen. In Zürich konnte ich vor der Arbeit noch eine Runde im See schwimmen. Das geht natürlich jetzt nicht mehr. Will man hinaus ins Grüne, muss man schon mal eine zweistündige Autofahrt in Kauf nehmen.»

Das Abenteuer New York geht für unbestimmte Zeit weiter, ist sich Britschgi sicher, der einen unbefristeten Arbeitsvertrag eingegangen ist. Auch wenn das Klima unter der neuen amerikanischen Regierung für die Museumsbranche rauer geworden sei. So werden wohl auch Mittel für die Kulturförderung gekürzt. Davon will er sich aber die Laune nicht verderben lassen. «Der Job macht mir Spass, er ist eine Herausforderung.»