OBWALDEN/NIDWALDEN: Sell ändlich cho – dä Schnee ...!

Schnee ist in den Wintersportgebieten Mangelware. Und glaubt man den Meteorologen, wird das noch länger so sein. Nicht alle Orte trifft das in gleichem Ausmass. Genug Weiss findet man aktuell nur am Titlis.

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Liegestühle statt Skifahrer auf den Pisten: Auf Wirzweli macht man darum auf Sommer und richtet Liegestühle und eine Schneebar statt Ski- und Schlittelpisten her. In Ob- und Nidwaldens Skigebieten sind zurzeit keine oder nur wenige Pisten offen. Besser sieht es nur am Titlis aus. (Bild: Corinne Glanzmann (14. Dezember 2016))

Liegestühle statt Skifahrer auf den Pisten: Auf Wirzweli macht man darum auf Sommer und richtet Liegestühle und eine Schneebar statt Ski- und Schlittelpisten her. In Ob- und Nidwaldens Skigebieten sind zurzeit keine oder nur wenige Pisten offen. Besser sieht es nur am Titlis aus. (Bild: Corinne Glanzmann (14. Dezember 2016))

Martin Uebelhart
martin.uebelhart@nidwaldnerzeitung.ch


Wer zu den Bergen aufblickt, kann derzeit noch wenig Schnee sehen. Sehnlichst erwartet wird die weisse natürliche Pracht in den Wintersportgebieten in Ob- und Nidwalden. Noch nirgends liegt derzeit genug Schnee, um alle Anlagen laufen zu lassen.

Im Gebiet Klewenalp-Stockhütte fahren nur die Luftseilbahn und die Gondelbahn. Geschäftsführer Sepp Odermatt kann sich nicht erinnern, dass in den vergangenen Jahren vor den Feiertagen noch kaum Schnee lag. «Heute sitzen wir mit allen Leistungsträgern zusammen und tragen Ideen für alternative Angebote zusammen, sei es im sportlichen oder kulinarischen Bereich.» Insbesondere gehe es auch darum, den Besitzern von Jahres- oder Saisonabos etwas zu bieten. «Da wir keine grosse Hotellerie mit vielen Feriengästen im Hintergrund haben, müssen wir das Programm auf die Tagesgäste ausrichten», hält er fest.

Bereits jetzt laufe die Aktion Dezember-Sonne mit Konsumationsgutscheinen. «Wenn das Wetter so bleibt, hoffen wir, dass jene Leute zu uns kommen, die dem Nebel entfliehen wollen», so Odermatt. Aber das ersetze die Schneesportler nicht, was sich auf die Einnahmen auswirke. Man sei dabei, neuralgische Punkte künstlich zu beschneien. «Doch dafür brauchen wir Temperaturen unter null Grad.» Odermatt hofft weiter. «Die Weihnachtsferien dauern diesmal bis am 8. Januar. Wenn der Winter dann Einzug hält, finden sicher Sportbegeisterte den Weg zu uns», ist er überzeugt.

Novemberföhn brachte Schnee zum Schmelzen

Auf Melchsee-Frutt hat die Saison mit täglichem Betrieb vor einer Woche begonnen. Bereits zuvor war an einem Wochenende Betrieb auf den Pisten. «Wir hatten schon mal alle Pisten präpariert und in Betrieb», sagt Daniel Dommann, Geschäftsführer der Sportbahnen. «Doch der Föhn Ende November hat den grössten Teil des Naturschnees schmelzen lassen.» Dort, wo technische Bescheinigung möglich sei, habe man eine befahrbare Schneedecke. «Derzeit gibt es gute Pistenverhältnisse von Bonistock bis Cheselen.» Auch die Piste Bonistock–Frutt-Dorf ist offen. Von dort kommt man aber nicht mehr auf den Ski hoch: Der Schlepplift zur Boni-Talstation ist ausser Betrieb. Ein Teil des Fruttparks wurde auf Bonistock verschoben, um auch den Freestyle-Fahrern etwas bieten zu können. Während sich das grösste Gästeaufkommen auf die Wochenenden konzentriere, beginne nächste Woche langsam die Phase, wo die Gäste in die Ferien kämen. Wenn man mit den Hoteliers und Gastronomen rede, höre man von einer guten Wochenendauslastung. Auf Weihnachten hin hofft Dommann das Angebot mit zusätzlichen Pisten, dem Schlittelweg und dem Kinderland sowie einem Eislaufangebot zu erweitern. «Das hängt allerdings auch davon ab, ob die kommenden Nächte kalt genug sind, um beschneien zu können.»

Schneebar mit Sommerfeeling auf dem Wirzweli

Auf das kommende Wochenende hin geht die Saison auf dem Wirzweli los. Schnee gibt es hier noch keinen. Eine ähnliche Situation habe man letztes Jahr schon erlebt, sagt Hanny Odermatt, Geschäftsführerin der Luftseilbahn Dallenwil-Wirzweli AG. Sie setzt auf Plan B. «Wir haben den Spielplatz noch so belassen wie im Sommer, die Rodelbahn hingegen ist noch zu, denn aufgrund der kalten Temperaturen ist sie jeweils morgens gefroren», sagt sie. Derzeit werde eine Schneebar hergerichtet. «Am Wochenende werden wir Antrinket haben. Wir wollen ein spezielles Sommerfeeling herzaubern.» Die Wanderwege seien offen, aber teilweise schwierig zu begehen. Die Spezialwege wie der Hexenweg sind dagegen abgeräumt worden. «Über die Feiertage planen wir für die Feriengäste und die Leute aus dem Tal wieder spezielle und überraschende Angebote», so Hanny Odermatt. Zu viel will sie noch nicht verraten. Noch habe sie die Hoffnung auf Schnee nicht aufgegeben, doch auf dieser Höhenstufe sei es fraglich, ob an Weihnachten Schnee liege.

Auf der Mörlialp sollte am Wochenende Saisonstart sein. «Das wird nicht stattfinden», sagt André Strasser, Verwaltungsratspräsident der Skilifte Mörlialp AG. «Wir werden, wie es jetzt aussieht, am 24. Dezember jene drei Pisten eröffnen können, bei denen eine künstliche Beschneiung möglich ist.» Falls zu hohe Temperaturen nicht einen Strich durch die Rechnung machten. Auch das Kinderland und das Eisfeld sollten offen sein. «Auch wenn es noch keinen Vollbetrieb geben wird, glauben wir, dass unsere Zielgruppe – vor allem Familien mit Kindern – schon auf ihre Rechnung kommt», so Strasser.

Brunni lockt mit Klettersteig und Sommerrodelbahn

Im Brunni-Gebiet ist in Sachen Wintersport derzeit nur die Klostermatte mit dem zugehörigen Skilift offen. «Wohl schweizweit als einziges Skigebiet auf 1000 Metern», schätzt Brunni-Geschäftsführer Thomas Küng. Dank einem Kaltluftsee konnte die Beschneiungsanlage eingesetzt werde. Am Berg dagegen herrsche Sommerbetrieb. «Oben sind die Temperaturen viel zu hoch zum Beschneien», sagt Küng. Klettersteig und Spielplatz seien offen und am Mittwoch und am Wochenende auch die Sommerrodelbahn. «Auch wenn wir keinen Schnee haben, kommen die Leute bei schönem Wetter trotzdem», hält Küng fest. Im Januar oder Februar sei man dann allerdings auf Schnee angewiesen.

«Wir haben ein Riesenglück», sagt Titlis-Marketingleiter Peter Reinle. «Wir haben bereits im November konsequent beschneit und haben jetzt im Titlis- und Jochpassgebiet sehr gute Pisten.» Davon habe er sich am vergangenen Wochenende selber überzeugen können. «Die Leute waren positiv überrascht von den Verhältnissen.» Morgen Freitag werde darüber hinaus die Talabfahrt eröffnet. «Dann werden alle Hauptpisten offen sein», hält Reinle fest. Natürlich würde er sich auf die Weihnachtstage hin noch etwas Naturschnee für zusätzliche Winterstimmung wünschen. «Doch uns kann nichts passieren, wir können fahren.»

9 Uhr morgens auf der Piste vom Bonistock zur Frutt: Gleich mehrfach wird die Strecke künstlich beschneit. (Bild: Webcam melchsee-frutt.ch (13. Dezember 2016))

9 Uhr morgens auf der Piste vom Bonistock zur Frutt: Gleich mehrfach wird die Strecke künstlich beschneit. (Bild: Webcam melchsee-frutt.ch (13. Dezember 2016))

Auf Wirzweli gibts am Samstag auch ohne Schnee eine Après-Ski-Bar: Erich Niederberger (links) und Walter Zumbühl beim Vorbereiten. (Bild: Corinne Glanzmann (14. 12. 2016))

Auf Wirzweli gibts am Samstag auch ohne Schnee eine Après-Ski-Bar: Erich Niederberger (links) und Walter Zumbühl beim Vorbereiten. (Bild: Corinne Glanzmann (14. 12. 2016))