OBWALDEN/NIDWALDEN: Zentralbahn-Geschäftsleiter: Sein Leben hat sich komplett verändert

Seit einem halben Jahr ist Michael Schürch (41) Geschäftsleiter der Zentralbahn. Für ihn war 2016 eine intensive Zeit und eines der ereignisreichsten Jahre seines Lebens.

Adrian Venetz
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Michael Schürch, Geschäftsleiter der Zentralbahn. (Bild: Corinne Glanzmann)

Michael Schürch, Geschäftsleiter der Zentralbahn. (Bild: Corinne Glanzmann)

Adrian Venetz

adrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch

Der Rückblick aufs 2016 beginnt bei Michael Schürch nicht Anfang Jahr, sondern am 4. Juli. An diesem Montag nämlich hatte der gebürtige Berner seinen ersten Arbeitstag als neuer Geschäftsführer der Zentralbahn. Und im vergangenen halben Jahr kam bei Michael Schürch eines ganz sicher nicht auf: Langweile. «Es war eine sehr intensive Zeit und sicher eines der ereignisreichsten Jahre meines Lebens», sagt er. «Bei einem solchen Jobwechsel ändert sich das Leben praktisch komplett.»

Kommt hinzu, dass sein Stellenantritt in ein Jahr fiel, in dem bei der Zentralbahn ohnehin einige grosse Brocken aufgegleist waren – etwa der Umbau des Bahnhofs Alpnach Dorf, der Doppelspurausbau zwischen Sarnen und Kägiswil sowie der Neubau und die kürzlich erfolgte Inbetriebnahmen der neuen Haltestelle «Sarnen Nord». Auch privat blieb beim 41-Jährigen nicht alles wie gewohnt: Im Oktober wurde er zum zweiten Mal Vater.

Wie schafft er es, all dies unter einen Hut zu bringen? «Das frage ich mich manchmal auch», sagt Schürch lachend. «Wichtig sind eine gute Planung und ein haushälterischer Umgang mit den persönlichen Ressourcen – sprich: sich auch Zeit nehmen, an die frische Luft zu gehen und Sport zu treiben.» Auch brauche man ein gesundes und stabiles Umfeld ausserhalb des Jobs. «Die Arbeit nimmt einen grossen Teil meines Lebens ein. Aber trotzdem darf das Leben nicht nur aus Arbeit bestehen.»

Plötzlich im Rampenlicht zu stehen, ist kein Problem

Ein grosses Plus bei seinem Stellenantritt sei auch gewesen, dass die Zentralbahn über eine bestens funktionierende Geschäftsleitung verfügte. «Es gab und gibt bei der Zentralbahn keinen Bereich, wo ich als neuer Geschäftsleiter sagen musste: Hier muss sich unmittelbar etwas grundlegend ändern.» Natürlich gebe es hier und dort Optimierungspotenzial, aber «es besteht kein ultimativer Handlungsdruck».

Die Highlights seiner bisherigen Arbeit waren das Jubiläum «100 Jahre Brienz-Interlaken Ost», die Neueröffnung des Bahnhofs «Alpnach Dorf» und die Eröffnung der neuen Haltestelle «Sarnen Nord». Für Michael Schürch, der zuvor «im mittleren Kader» bei den SBB tätig war, war der Stellenwechsel auch verbunden mit einem markanten Schritt in die Öffentlichkeit. Wie geht man damit um: plötzlich im Rampenlicht zu stehen, zum «Gesicht der Zentralbahn» zu werden und auch vor einem grossem Publikum aufzutreten wie beispielsweise bei der Eröffnung der Haltestelle «Sarnen Nord»? Schürch scheut solche Auftritte und Anlässe nicht. «Ich mache das gern.» Bereits vor seinem Stellenantritt sei ihm bewusst gewesen, dass er vermehrt in der Öffentlichkeit stehen werde.

Seine Arbeit als Geschäftsführer ist stark geprägt von Sitzungen. Etwa die Hälfte seiner Arbeitszeit verbringt er allerdings nicht am Geschäftssitz in Stansstad. Schürch ist viel unterwegs, trifft sich mit Personen des Mutterunternehmens SBB oder etwa mit Vertretern von Kantonen und Gemeinden. «Ich versuche, mir auch ausreichend Zeit zu nehmen für Besuche an der Basis» – also beispielsweise in Werkstätten und Leitzentralen. «Oft erhält man aus Gesprächen mit Mitarbeitern sehr viele wertvolle Inputs. Man erfährt, ob Entscheidungen und Prozesse, die quasi am Schreibtisch entstanden sind, auch in der Praxis funktionieren.» In Gesprächen mit Kundinnen und Kunden unterwegs sowie im Zentralbahn-Kundenforum erfährt man auch die eine oder andere wertvolle Rückmeldung

Den Chef trifft man täglich in «seiner» Bahn

Ob beim Unternehmen Zentralbahn alles reibungslos läuft, davon kann sich Michael Schürch selbst regelmässig ein Bild machen: Fast täglich fährt er nämlich mit dem Zug von seinem Wohnort Nottwil nach Stansstad. Die Zugfahrt nach Hause helfe ihm auch, etwas Distanz zur Arbeit zu gewinnen. Schmunzelnd fügt Schürch hinzu: «Es kommt oft genug vor, dass meine Frau am Abend zu mir sagt: ‹Du bist noch gar nicht richtig da.›»

Das Jahr 2017 wird für die Zentralbahn ein etwas ruhigeres Jahr als das ereignisreiche 2016 – zumindest, was die Bautätigkeit angeht. Weiter vorantreiben möchte man im Unternehmen die Modernisierung der Werkstätten und die Weiterbildung des Personals – dies eine Folge des neuen Rollmaterials. «Ein moderner Zug stellt viele grössere Anforderungen an Mechaniker», sagt Michael Schürch und nennt ein Beispiel: «In einem Wagen des neuen Typs Fink sind sieben SIM-Karten drin – diese funken unentwegt Daten.»

In den kommenden Jahren werden weitere grosse Brocken auf die Zentralbahn zukommen. Schürch spricht etwa den Bau der Doppelspur in Hergiswil an, die 2019 in Betrieb genommen werden soll und Hergiswil Matt wieder an den Bahnverkehr anschliesst. Anschliessend folgt das 70-Millionen-Projekt Doppelspur Allmend-Luzern mit Inbetriebnahme im Dezember 2021. «Und in Stans wollen wir 2017 für unsere Kundinnen und Kunden das Bahnreisezentrum modernisieren.»