OBWALDEN/ZÜRICH: Der «13er» bringt sich wieder in Stellung

Der Kunsttreff 13 hat sich neu formiert. Eine neue Generation ist am Drücker. Im Februar gings zum Projekt von Obmann Christian Kathriner.

Marion Wannemacher
Drucken
Teilen
Eine Gruppe des Kunsttreffs 13 war zu Besuch beim Projekt von Christian Kathriner in Zürich. (Bild: PD)

Eine Gruppe des Kunsttreffs 13 war zu Besuch beim Projekt von Christian Kathriner in Zürich. (Bild: PD)

Marion Wannemacher

«Der Geist der ‹13er› leidet an Schwindsucht», hat vor Jahren Adrian Hossli am Ruchstock-Festival in der Turbine Giswil trocken konstatiert. Von einer «heroischen Vorgeschichte» spricht jetzt mit einem Augenzwinkern Christian Kathriner (42), der neue Obmann der Künstlervereinigung. Sie ging 1983 aus dem Zuchthausprojekt hervor. Künstler stellten damals ihre Werke in 60 Zellen des Gefängnisses aus, das abgerissen werden sollte. Weil sie sich von da an jeden 13. des Monats trafen, bezeichneten sie sich als «Kunsttreff 13» – kurz: der «13er».

Eigenständiger Ausdruck gefragt

«Respekt haben sie sich vor allem auch durch ihre Stimme bei der Verhinderung des Autobahnviadukts verschafft, das die Landschaft im Kanton Obwalden zerschnitten hätte», erinnert sich Christian Kathriner. «Wir können uns nicht an dieser Vorgeschichte messen lassen», ist sich der Obmann bewusst. «Es geht nicht darum, den Geist von früher zu rekonstruieren. Jede Zeit hat ihre Probleme. Wir müssen versuchen, uns adäquat zu artikulieren, aus der Warte einer neuen Generation interpretieren. Für mich ist die zentrale Frage: Sind wir eine eigenständige Talschaft mit einem eigenständigen Ausdruck oder ein ‹Schlaftal› im Agglomerationsgürtel von Luzern?», fragt er absichtlich provokant.

Beinahe hätte es die Künstlervereinigung nicht mehr gegeben: «Lösen wir den Verein auf, oder gibt es Leute, die bereit sind einzusteigen?», hiess die Frage laut Kathriner an der Generalversammlung in Giswil im Oktober. Es ging weiter mit neuem Vorstand. Christian Kathriner löste die bisherige Obfrau Andrea Röthlin ab, ausserdem wurden in den Vorstand gewählt: Christof Amrhein, Leiter eines Grafikbüros, Teddy Amstad, Kunstlehrer und Prorektor an der Kantonsschule Sarnen, sowie Stefan Zollinger, Leiter des Nidwaldner Museums. Von der «alten Garde» blieb lediglich Kassierin Bea Brander Claessen im Vorstand. 230 Mitglieder hat der Verein aktuell.

Die Kräfte bündeln

Es werde auch künftig kein Unterschied gemacht zwischen Zuschauer und aktiven Kunstschaffenden. «Wir sind eine Sympathisantenvereinigung», sagt Kathriner, der selbst bildender Künstler ist. Sehr viele Kunstschaffende aus ganz Obwalden lebten nicht mehr im Kanton. Es werde Teil der Aufgaben sein, die «Kräfte zu bündeln». Obwalden sei der einzige Kanton ohne feste Institution für Gegenwartskunst. Dafür gelte es Alternativen zu schaffen. Bestehen bleiben soll die sogenannte Jahresgabe: Jedes Jahr beauftragt der Kunsttreff 13 eine Künstlerin oder einen Künstler, ein Werk zu erstellen, das die Mitglieder dann als Geschenk erhalten. Dieses Jahr wird Thomas Birve von der Gründergeneration die Ehre zuteil. Dies als verbindende Geste zu den Mitgliedern. «Wir bemühen uns bei allen Neugewichtungen auch um Kontinuität», betont Kathriner. Für die Zukunft hat der «13er» viele Pläne im Köcher. «Im Dorf Sarnen werden wir eine Vitrine bespielen. Ein Deutschschweizer Künstlerpaar aus Düsseldorf wird diese am 13. Mai eröffnen», so Kathriner. «Im Stanser Winkelriedhaus wollen wir das Kellergewölbe nutzen für überregionale Projekte.» Wichtig ist dem Obmann, dass neben Einheimischen auch Leute von ausserhalb eingeladen werden. «Wir müssen verhindern, dass wir im eigenen Saft köcheln.» In der Turbine Giswil ist eine grosse ortsspezifische Installation von Christian Waldvogel aus Zürich geplant. Vor rund zwei Jahren hat eine Betriebsgruppe die Druckwerkstatt des verstorbenen Martin Wallimann gesichert und dort die Arbeit wieder aufgenommen. Und auch am Jubiläum Bruder Klaus 2017 will sich der Kunsttreff beteiligen. Für all diese Projekte wolle man sich jedoch Zeit nehmen.

Besuch in Zürich auf Grossbaustelle

Immer noch trifft sich der «13er» am 13. jeden Monats. «Allerdings wollen wir vermehrt ein aktives Programm lancieren und Neumitglieder gewinnen», betont Kathriner. Diesen Monat besuchte ihn eine Gruppe vor Ort bei seinem derzeitigen Projekt «Kunst am Bau» auf der Grossbaustelle der Kronenwiese oberhalb des Limmatplatzes (siehe Bild). Seit Juli 2014 ist der 42-Jährige dort am Arbeiten. «Der radikale Ansatz meiner Idee war, dass ich in den Rohbauprozess eingebunden bin. Mit Tausenden von Matrizen bestücke ich Schalungselemente des Betonbaus», beschreibt er sein Werk. Durch hochfeine Abgüsse wurden verschiedenste Blattformen und Gräser als Reliefs in die zehn Treppenhäuser geprägt. Er habe es geschätzt, der 13er-Gruppe das Gesamtkonzept von Bau und Anlage der Architekten erläutern zu können. Im Gespräch hätten bereits weitere Kunstschaffende ihr Interesse angemeldet, das eigene Atelier zu öffnen.

Hinweis

13. Mai: Eröffnung der Vitrine Sarnen im Hurnihuis (vis-à-vis Gerichtsgebäude).