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OBWALDEN/ZÜRICH: Sie entwickelt Baukasten für Erfinder

Als Maturandin hinterliess Christa Tresch gestalterische Spuren an der Kanti. Heute begeistert eine Erfindung der Industrie­designerin die Fachwelt.
Marion Wannemacher
Der Baukasten mit den vielen Komponenten. Der blaue biegbare Draht gibt der jeweiligen Erfindung ihre Form. (Bild: PD)

Der Baukasten mit den vielen Komponenten. Der blaue biegbare Draht gibt der jeweiligen Erfindung ihre Form. (Bild: PD)

Marion Wannemacher

Eine Eier legende Wollmilchsau ist laut Duden «umgangssprachlich scherzhaft eine Sache, die allen Ansprüchen genügt». Ein solches Projekt hat Christa Tresch als Bachelorarbeit im Studien-gang Industriedesign der Zürcher Hochschule der Künste entwickelt. Es geht um einen Bausatz für die Entwicklungsfirma Helbling in Wil, St. Gallen, mit deren Hilfe diese dem Kunden innerhalb eines Tages anschaulich demonstrieren kann, wie der technische Aufbau des von ihm gewünschten Produkts aussehen könnte. Die Firma entwickelt hauptsächlich Werkzeuge im Bereich der Medizinaltechnik.

Bausatz zur Demonstration

Ihr Projekt sei eigentlich ein unendlich erweiterbares Modell eines Produktes, sagt Christa Tresch. Wenn beispielsweise Ingenieure zu einem Kunden gehen, der die Entwicklung eines speziellen Knochenbohrers oder auch einer Insulinpumpe wünscht, nehmen sie den Baukasten mit und demonstrieren ihm in einer Frühphase des Projekts, wie ein solches Gerät in etwa aufgebaut sein könnte. «Im Bausatz hat es ein Display, einen kleinen Motor, Knöpfe, Sensoren ...», zählt Christa Tresch auf. Fehlt etwas, druckt man es gleich auf dem 3-D-Drucker aus. «So können neue Komponenten jederzeit zum Kit hinzugefügt werden», erklärt die frischgebackene diplomierte Industriedesignerin den Clou ihrer Entwicklung.

Ein biegbarer Draht aus dem Kit gibt die äussere Form der jeweiligen «Erfindung» vor – er ist quasi das provisorische Gehäuse des Gerätes. «Dann kann ich die benötigten Komponenten darin anordnen und mit Clips an diesem Rahmen befestigen.»

Neue Erfindung

Recherchen der gebürtigen Urnerin, die in Lungern aufgewachsen ist, ergaben, dass es einen Bausatz mit Varianten in dieser Form noch nicht gibt. Hat Christa Tresch ihre Erfindung als Patent geschützt? «Nein, so weit ist man in der Firma noch nicht. Intern werden Verhandlungen geführt, inwieweit man das Projekt umsetzen kann. Derzeit befindet es sich in der Testphase.»

Für ihre Arbeit erhielt die 24-Jährige die Bestnote A. Nein, direkt gerechnet mit so einem herausragenden Ergebnis habe sie nicht, sie sei aber schon jemand, der sich tief in die Materie knie. Bescheiden erklärt sie, man sei in der Firma sehr zufrieden mit ihrem Endergebnis gewesen.

Nachtschichten ade

Gerade erst vor zwei Wochen erhielt die junge Frau ihr Bachelor-Diplom. Vorbei die Nachtschichten an der Schule, die Anspannung der vergangenen drei Monate. «Man nutzt wirklich jede freie Minute», erklärt sie. Eine intensive Zeit, die sie mit den elf Kommilitonen zusammenschweisste. «Denn alle arbeiten in der Schule, alle sitzen im gleichen Boot und haben den gleichen Stress.» Und ja, sie sei auch traurig, es sei fast wie nach der Matura, bekennt sie.

An der Kanti in Sarnen, wo Christa Tresch vor vier Jahren ihre Matura machte, zeugt heute noch das Werk «Seefeld-Panorama» im ersten Stock von ihr. Als Maturaarbeit konnte sie eine 15 Meter lange Wand gestalten.

In verschiedene Bereiche schauen

Nach der Matura absolvierte sie einen einjährigen Vorkurs an der Hochschule für Gestaltung in Zürich und nahm 2013 ihr Studium als Industriedesignerin auf. Ab Herbst wird sie ein halbjähriges Praktikum bei Helbling machen. «Ich freue mich darauf, in verschiedene Bereiche schauen zu können», sagt sie über ihre Zukunft. «Mich interessieren die Richtungen technische Produkte und Innenarchitektur.» Auch ein Masterstudium hat sie sich vorgenommen. «Das Studentenleben war schön, aber streng.» Jetzt freut sich Christa Tresch erst einmal auf viele Dinge: «Mein Sozialleben wieder mehr pflegen, in Ausstellungen gehen und wieder häufiger in Obwalden sein.»

Die Industriedesignerin Christa Tresch ist in Lungern aufgewachsen. (Bild Corinne Glanzmann)

Die Industriedesignerin Christa Tresch ist in Lungern aufgewachsen. (Bild Corinne Glanzmann)

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