Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Obwaldner alt Kantonsrat zur ersten Sitzung ohne ihn: «Ein wenig Wehmut ist dabei»

Zum ersten Mal seit 14 Jahren sass Walter Wyrsch am Freitag nicht im Rathaus. Im Rückblick kritisiert der alt Kantonsrat zunehmendes Lobbying.
Franziska Herger
Walter Wyrsch. (Bild: PD)

Walter Wyrsch. (Bild: PD)

Acht neue Kantonsrätinnen und Kantonsräte wurden am Freitag im Rathaus vereidigt. Sie füllen substanzielle Fussstapfen: Ihre acht Vorgänger hatten zusammen ganze 82 Jahre Parlamentserfahrung. Am längsten im Amt war Walter Wyrsch, Spitex-Geschäftsleiter aus Alpnach, der seit 2005 für die CSP im Kantonsrat sass. Im Interview erzählt er von der Lust an der Debatte und dem gefährdeten Vertrauen in die Institutionen.

Zum ersten Mal seit 14 Jahren hat die Eröffnungssitzung im Kantonsrat ohne Sie stattgefunden. Sind Sie erleichtert, oder jucken die politischen Instinkte?

Walter Wyrsch: Ein wenig Wehmut ist sicher dabei. Der Eröffnungstag war immer etwas Besonderes mit dem Gottesdienst am Morgen. Etwas Besinnung und Wertorientierung tat dem Rat immer gut, und manchmal täte noch etwas mehr davon gut. Zudem habe ich immer mit Freude und Lust debattiert. Einen solchen Diskurs gibt es in der Arbeitswelt und im Privatleben natürlich nicht.

Gibt es Themen, zu denen Sie gerne noch etwas gesagt hätten?

Natürlich habe ich Herzensthemen, etwa die Gesundheitspolitik. Da fehlt uns einfach ein Masterplan, die Zuständigkeiten sind zu stark zersplittert. Aber ich bleibe dem Thema treu, nun einfach aus anderer Optik als engagierter Bürger und CSP-Mitglied.

Zur Gesundheitspolitik war neben Ihrer Stimme auch die Ihres Parteikollegen Leo Spichtig als Arzt und von Urs Keiser von der CVP als Physiotherapeut oft im Rat zu hören. Beide sind ebenfalls zurückgetreten. Was bedeutet das für die Debatte zu dieser komplexen Materie?

Das wird man sicher merken. Unabhängig von Parteipolitik ist das ein echter Verlust. Aber mit neuen Mitgliedern entwickeln sich wieder neue Dynamiken in der Debatte. Schon letztes Jahr habe ich mit Freude wahrgenommen, dass einige der neuen Kantonsräte sehr engagiert und aktiv waren. Schön wäre, wenn es mehr Frauen im Rat hätte. Und die, die es hat, dürften sich ruhig auch etwas deutlicher äussern und die Diskussion stärker prägen.

Was bleibt Ihnen aus 14 Jahren als Kantonsrat in Erinnerung?

Als ich 2012 Ratspräsident wurde, war das berüchtigte Rote Buch von Sarnen das grosse Thema und damit die grundsätzliche Frage des Vertrauens der Bürger in die Institutionen und die Politik. Das ging mir sehr nahe. In der ersten Sitzung, die ich präsidierte, fällte ich einen Stichentscheid zu Gunsten der Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchungskommission, welche die Vorwürfe aufarbeiten sollte. Auch heute sehe ich das Vertrauen in die Institutionen oft in Gefahr. Das Grundvertrauen der Bürger in seine Arbeit muss dem Staat ein Anliegen sein. Das gilt selbstverständlich auch mit Blick auf das Öffentlichkeitsprinzip.

Was hat sich über die Jahre verändert im Kantonsrat?

Ich habe den Eindruck, dass es in den ersten Jahren noch weniger Vertretung von Partikularinteressen gab. Das Lobbying, etwa der Bauern oder der Baubranche, hat zugenommen. Am Ende kann man aber nur «geschäften», wenn es gelingt, eine Vielfalt von Ansichten unter einen Hut zu bringen.

Und was raten Sie als alter Hase den neuen Kantonsratsmitgliedern?

Gut vorbereitet an die Sitzungen zu gehen, sich in den Kommissionen einzubringen und vom ersten Tag an mitzureden. Auch an Gepflogenheiten wie die Anrede «Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren» bei jeder Wortmeldung muss man sich zuerst gewöhnen. Und sie sollten ihr Bestes geben, die vielen Namen nicht durcheinanderzubringen (lacht).

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.