Obwaldner Bauernleben von einst blüht auf

Christian Sigrist hat die Veränderungen in der Gesellschaft beobachtet. Sein Erbe lebt in einem neuen Buch weiter.

Matthias Piazza
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Das neu aufgelegte Buch gewährt Einblick in Christian Sigrists Miniaturenwelt. (Bild: Pius Amrein)

Das neu aufgelegte Buch gewährt Einblick in Christian Sigrists Miniaturenwelt. (Bild: Pius Amrein)

«Seine Bauernstube hat nichts gemein mit einem Puppenhaus, und an seiner Sägerei surrt kein getarnter Elektromotor, es leuchten keine Lämpchen auf. Sigrist sucht keine Knalleffekte: Er informiert über Sachverhalte, die in überwiegender Zahl im Begriff sind, unserem Blickfeld zu entschwinden. Er tut es unsentimental und ohne den Anflug von Nostalgie.» So beschreibt Walter Trachsler, ehemaliger Konservator im Schweizerischen Nationalmuseum, das Schaffen von Christian Sigrist (1906–1987) im neu erschienenen Buch «Die Miniaturmodelle von Christian Sigrist – Erinnerungen an den ländlichen Alltag», einer überarbeiteten Neuauflage vom 1993 erschienenen Werk «Der ländliche Alltag».

Der Sachsler Christian Sigrist befasste sich zeitlebens intensiv mit den Veränderungen in der Gesellschaft, die sich in einer Geschwindigkeit wie kaum je zuvor veränderte. Er erlebte den massiven Strukturwandel in der Landwirtschaft. Menschen wurden durch Maschinen ersetzt, das Angebot an Arbeitsplätzen verringerte sich dramatisch. Der Motormäher ersetzte die Sense, der Ladewagen die Heugabel, der Einachser oder der Traktor verdrängte das Pferdegespann. Christian Sigrist wollte die verschwindende Epoche für die Nachwelt festhalten. Im Lauf der Zeit entstand eine umfangreiche Dokumentation des ländlich-bäuerlichen Alltags, wie er heute nicht mehr existiert.

Alphütten-Modell war die Sensation

Zu Wort im 104-seitigen Werk kommen auch Sigrists Nachkommen. Sein Sohn Kurt Sigrist erinnert sich an die Einweihung des Mattli-Schulhauses 1973, als er seinen Vater ermuntert habe, etwas zur Ausstellung zum Thema Hobby und Freizeit beizusteuern. Das Modell einer Alphütte sei dann die Sensation der Ausstellung geworden. Es war dies der Startschuss zahlreicher Modelle, die den bäuerlichen Alltag einer vergangenen Zeit aufleben lassen. Sie sind im Ökonomiegebäude des Museums Bruder Klaus zu bewundern – und ganzseitig in wirkungsvoller Schwarz-Weiss-Aufmachung der neuen Publikation.

Das Buch «Die Miniaturmodelle von Christian Sigrist» ist im Museum Bruder Klaus, Sachseln, im Buchhandel oder unter info@sammlung-sigrist.ch erhältlich. Preis: 30 Franken, plus Porto und Verpackung.