Obwaldner Dekan zur Absetzung von Generalvikar Kopp: «Das macht mich traurig und wütend»

Martin Kopps Entlassung betrübt den Obwaldner Dekan Bernhard Willi. In einem Brief, der am Montag an Bischof Peter Bürcher geht, bringt man das grosse Befremden zum Ausdruck.

Romano Cuonz
Hören
Drucken
Teilen

«Die Nachricht, dass der Apostolische Administrator und Bischof Peter Bürcher unseren Urschweizer Generalvikar Martin Kopp abgesetzt hat, kam für uns wie aus heiterem Himmel», sagt Obwaldens Dekan Bernhard Willi. Weder Martin Kopp selber noch die Dekanate seien vom Bistum Chur vorgewarnt worden. Willi macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. «Die Art und Weise wie Martin Kopp nun abgesetzt, abserviert, abgestraft worden ist, wirkt höchst befremdend und macht mich traurig, aber auch wütend», sagt er.

Der Obwaldner Dekan Bernhard Willi.

Der Obwaldner Dekan Bernhard Willi.

Bild: Obwaldner Zeitung (7. Februar 2017)

Seine Trauer über das Vorgefallene teilt Bernhard Willi mit Urschweizer Dekanen aus Inner- und Ausserschwyz, Uri und Nidwalden, aber auch mit zahlreichen andern Seelsorgerinnen und Seelsorgern, die dem Bistum Chur angehören. In einem Brief, der am Montag an Bischof Peter Bürcher geht, bringt man das grosse Befremden zum Ausdruck. Bernhard Willi dazu: «Wir haben uns entschlossen, nicht auf destruktive Konfrontation zu gehen, aber deutlich sagen wollen wir es dennoch.» Der Entwurf des Schreibens sei Mitgliedern des Dekanats elektronisch zugestellt worden, und die meisten hätten mit ihrer Unterschrift bekräftigt, dass sie dem Inhalt zustimmen.

Abstrafung Martin Kopps sei «absolut unverständlich»

Peter Bürcher, Apostolischer Administrator.

Peter Bürcher, Apostolischer Administrator.

Bild: Nadia Schärli (Chur, 6. Juni 2019)

Das Schreiben an den Apostolischen Administrator Peter Bürcher in Chur ist in korrektem Ton, aber doch unmissverständlich formuliert. So bringt es zum Ausdruck, dass man eine fristlose Absetzung Martin Kopps zu diesem unmöglichen Zeitpunkt  – er wäre auf Ende Juni ohnehin in Ruhestand getreten  – absolut unverständlich findet. Selbst wenn man über dessen Wortmeldung in der «NZZ am Sonntag» vom 15. März geteilter Meinung sein könne, sei die Absetzung eines Seelsorgers, der so lange Zeit im Bistum gewirkt habe, völlig stillos – einer Kirche unwürdig.

«Eine solche Abstrafung hat er nie und nimmer verdient!»

Rückblick: Der als Huonder-kritisch bekannte Kopp hatte sich – nach Ansicht des Bistums – wertend zur anstehenden Bischofswahl geäussert und ein Eingreifen des Staates begrüsst. Damit, so Bischof Peter Bürcher, habe sich Kopp über die Weisung an die Mitglieder des Bischofsrats, keine öffentlichen Stellungnahmen zu dieser Frage abzugeben, hinweggesetzt. So etwas betrachtete das Bistum Chur als Illoyalität und entzog Kopp jedes Vertrauen. Dekan Willi sieht das anders: «Martin Kopp war sicher eine konfrontative Persönlichkeit und hat, gerade wenn es um eine Befriedung im Bistum Chur ging, nie ein Blatt vor den Mund genommen.» Doch selbst wenn nicht alle seine Ansichten teilten, sei für ihn gewiss: «Eine solche Abstrafung hat er nie und nimmer verdient!»

Seite an Seite für Einheit im Bistum

Bernhard Willi ist sichtlich aufgewühlt und berührt, wenn er erzählt: «Ich kenne Martin Kopp seit meiner Studienzeit in Chur.» Damals habe dieser – noch als Pfarrer in Wädenswil – einen Lehrauftrag für Spiritualität in Chur wahrgenommen. «Für uns Priesteramtskandidaten war er mehr als nur ein Dozent», erinnert sich Willi. «Ein Begleiter und Freund, mit dem wir auch Ausflüge machten.» Was man in der Zentralschweiz vielleicht weniger wisse: Martin Kopp habe sich als Seelsorger immer stark für Leute am Rand der Gesellschaft engagiert, seinerzeit auch in der Drogenszene. «Vielleicht war er sogar ein klein wenig die katholische Antwort auf den bekannten Pfarrer Sieber», sagt Willi.

«Martin Kopp konnte junge Menschen motivieren und ihnen etwas mitgeben fürs Leben.»

Später, als Generalvikar, habe Kopp gut zu Seelsorgern in der Urschweiz geschaut. «Er zeigte stets Engagement und Einsatz, wenn wir in Sachen Personalwesen Sorgen hatten», so Willi. Nicht weniger eindrücklich seien seine konkreten und anschaulichen Predigten oder sein Einsatz als Firmspender gewesen. «Martin Kopp konnte junge Menschen motivieren und ihnen etwas mitgeben fürs Leben.» Kein Bürokrat sei Kopp gewesen, sondern ein Seelsorger, der stets für Menschen da war. «Kopp versucht, das Evangelium zu leben», ist Willi überzeugt. In seinem Haus in Erstfeld habe er denn immer auch Flüchtlinge betreut und werde dies wohl auch weiterhin tun.

Seite an Seite mit ihm hätten er und andere Seelsorger sich in den letzten Jahren dafür eingesetzt, dass im Bistum Chur endlich ein anderer Wind wehe. «Wir müssen einfach sehen, wie seit Jahrzehnten ein Riss durch das Bistum geht», hält Willi fest. Leider gebe es in diesem Bistum, dem auch Ob- und Nidwalden angehörten, seit langer Zeit keine Führung mehr, die integrativ und brückenbauend wirken könne. Und dennoch versichert Willi: «Weder Martin Kopp noch uns ging es je darum, Leute zu bekämpfen, viel mehr wollten wir das Bistum zu einer Einheit führen und befrieden.» Was dieses Grundanliegen angehe, habe er die Meinung Kopps stets geteilt. Selbst wenn es punkto Formulierungen durchaus Unterschiede und Nuancen gegeben habe.