Obwaldner erlebte die Husky-Tour des Lebens

Der Giswiler Armin Berchtold begab sich auf eine 200-Kilometer-Tour im minus 20 Grad kalten Lappland.

Philipp Unterschütz
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Für die SRF 1 DOK "Abenteuer Lappland-Die Husky Tour des Lebens" waren fünf Abenteuerlustige und ein finnischer Guide fünf Tage in der Wildnis Lapplands unterwegs. Als einziger Mann dabei war der Giswiler Armin Berchtold (60).
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Die fünfköpfige Tourgruppe mit dem finnischen Guide Juho Ylipiessa (rechts) am Ausgangs- und Schlusspunkt der Tour.
Der finnische Guide und Hundeführer (Musher) Juho Ylipiessa führt die Gruppe durch die Wildnis im finnischen Nationalpark Kansallispuisto.
Der finnische Guide und Hundeführer (Musher) Juho Ylipiessa.
Die Gruppe war mit 30 Huskys unterwegs, welche die 6 Schlitten zogen.
Die Reiseteilnehmer waren für die Pflege und Fütterung der 30 Huskys selber zuständig.
Blick vom Schlitten des Giswilers Armin Berchtold.
Übernachtet wurde in einem 5 Meter grossen Biwakzelt.
Der Schlafplatz in der Wildnis von Lappland.
Der finnische Guide und Hundeführer (Musher) Juho Ylipiessa beim Beladen des Schlittens.
Das fünfköpfige Team mit dem finnischen Guide Juho Ylipiessa (re). Als einziger Mann dabei der Giswiler Armin Berchtold. Das Geschlecht spielte keine Rolle, alle machten alles und unterstützten sich gegenseitig.
Das Produktionsteam von SRF 1 mit Juho Ylipiessa (Mitte unten).

Für die SRF 1 DOK "Abenteuer Lappland-Die Husky Tour des Lebens" waren fünf Abenteuerlustige und ein finnischer Guide fünf Tage in der Wildnis Lapplands unterwegs. Als einziger Mann dabei war der Giswiler Armin Berchtold (60).

PD SRF/Jaakko Posti

Sein jahrelanger Traum hat sich erfüllt. Längere Zeit im hohen Norden fernab der Zivilisation zu verbringen. In Schnee, Eis und Kälte. Im Dämmerlicht mit Schlittenhunden in der Wildnis unterwegs sein. Seit einigen Tagen ist der Giswiler Brunnenmeister Armin Berchtold (60) wieder zu Hause, angekommen ist er noch nicht ganz. «Zum Glück musste ich sofort wieder arbeiten», erzählt er. Wenn er berichtet, spürt man, dass er noch ganz gefangen ist von den Eindrücken. «Es braucht schon etwas Zeit, all die grossartigen Erlebnisse zu verarbeiten.»

Armin Berchtold war während fünf Tagen 200 Kilometer bei minus 20 Grad in einem Nationalpark in Lappland unterwegs. Gemeinsam mit vier Frauen und einem finnischen Hundeführer und Guide hat sich das Team mit sechs Hundeschlitten und 30 Huskys für eine Dokumentation des Schweizer Fernsehens SRF einer echten Herausforderung gestellt. «Abenteuer Lappland – Husky-Tour des Lebens» heisst der Film, der in drei Teile unterteilt ist und am 29. Dezember ausgestrahlt wird. «Das war kein ‹Ausflügli›, sondern ein Abenteuer und viel anstrengende Arbeit. Es war körperlich eine rechte Herausforderung», erzählt Armin Berchtold.

Minus 20 Grad ist gar nicht so schlimm

Den Film sehen die Teilnehmer nicht vorher. «Ich bin schon ein wenig nervös. Man fragt sich, wie man rüber kommt. Ich bin sehr gespannt», meint Berchtold. «Wir hatten aber keine Mühe, uns selber zu bleiben. Das Fernsehteam hat uns sehr zurückhaltend begleitet.» Es gebe keinerlei gestellte oder extra wiederholte Szenen. SRF hätte keinerlei Einfluss auf das Geschehen genommen.

Zur Reise kam Armin Berchtold über eine Ausschreibung von SRF in Facebook. 280 Interessierte haben sich darauf gemeldet. Dass der Giswiler ausgewählt wurde, dürfte nicht nur an seiner offenen Persönlichkeit liegen, sondern auch an seinen Erfahrungen. Er war schon mehrmals in Lappland, machte dort letztes Jahr eine Huskytour bei minus 37 Grad. Er ist begeisterter Jäger, viel in der Natur und den Bergen unterwegs, fährt Ski und reitet. Sein Leben lang gehörten Hunde als «gute Kameraden» zur Familie. Und Armin Berchtold ist vor allem ein «Wintermensch». Er liebe es, draussen in der Kälte zu sein, egal bei welchem Wetter. «Ich habe die minus 20 Grad nicht als schlimm empfunden, es war eine trockene Kälte. Man sieht im Film, dass ich selten Handschuhe brauche.» Trotzdem habe er grossen Respekt gehabt vor der Reise. Die Bedingungen seien aber ideal gewesen, meist leicht bewölkt mit feinem Schneefall. «Ich hätte ganz gerne noch einen Schneesturm erlebt.» Was unsereins erschauern lässt, meint Armin Berchtold im vollen Ernst.

Ein Mann – vier Frauen – ein fantastisches Team

Neidisch wird man aber, wenn er vom Gefühl erzählt, dass er als Hundeschlittenführer erlebt hat. «Man gleitet im Dämmerlicht durch diese Winterlandschaft, und die stille Weite gibt einem eine unbeschreibliche Ruhe. Es ist meditativ, man hört auf, bewusst zu denken.» Für ihn sei es ein Zustand von purem Glück, er habe sich ertappt, wie er auf dem Schlitten plötzlich gesungen oder gepfiffen habe.

Neben dem ausgebliebenen Schneesturm gab es ansonsten nur noch eines, das Armin Berchtold vermisst hat. Das zuerst aber doch einigermassen erstaunt: kaltes Wasser und ein kaltes Bier. «Bei diesen Minustemperaturen muss man immer Schneewasser abkochen. Man trinkt nur warme Getränke wie Tee. Es gibt nichts Kaltes, es gefriert ja alles gleich.» Weniger vermisst hat er seine Tabakpfeife, die er auf der fünftägigen Tour nur gerade zwei Mal anzünden konnte. «Wir hatten kaum Zeit für uns, es gab immer etwas zu tun.» Am Morgen und am Abend mussten sie sich je zwei Stunden um die Hunde kümmern. Gefrorenes Fleisch hacken, im kochenden Wasser auftauen und den Hunden verfüttern. Der Tag dauerte von 6 Uhr bis um 23 Uhr. Geschlafen wurde in einem fünf Meter grossen Biwakzelt.

Die vier Frauen, die mit ihm auf der Reise waren, lernte er erst auf dem Flughafen Kloten kennen. «Zuerst dachte ich, ich bin im falschen Film. Ich hatte ein gemischtes Team erwartet.» Er sei zuerst schon etwas verunsichert gewesen, deshalb habe er gerne die Frauen die Spielregeln bestimmen lassen. «Auf so einer Reise kommt man sich sehr nahe. Es war eine fantastische Kameradschaft. Und schon nach wenigen Kilometern spielte das Geschlecht überhaupt keinerlei Rolle mehr.»

Die Freundschaft wird Bestand haben, da ist sich Armin Berchtold sicher. Es sei ein gewaltiges Happy End gewesen, als sie am letzten Abend gemeinsam noch für eine ganze Stunde die Polarlichter hätten beobachten können. «Die Reise zeigte mir, wie wenig der Mensch eigentlich braucht, um glücklich zu sein», sinniert Armin Berchtold. «Mir ging unterwegs auch einige Male durch den Kopf, wie klein wir Menschen angesichts der Natur doch sind. Und wie dumm wir sind, dieses Paradies zu zerstören.»

SRF1, Sonntag, 29. Dezember 2019 ab 20.05 Uhr: DOK «Abenteuer Lappland» mit dem Giswiler Armin Berchtold.