Obwaldner Familie gibt ein Corona-Extrablatt heraus

Die Familie Hofer gestaltet mit ihren Kindern Jodok, Zoé und Anouk eine Zeitschrift fürs ganze Quartier. Eine Idee, die ankommt.

Romano Cuonz
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Die Familie Hofer verteilt das «Corona Extra»: (von links) Mutter Colette, Jodok, Zoé, Anouk und Vater Pius.

Die Familie Hofer verteilt das «Corona Extra»: (von links) Mutter Colette, Jodok, Zoé, Anouk und Vater Pius.

Bild: Romano Cuonz (Kerns, 17.4.2020)

«Eine gute Sache in dieser Coronakrise ist, dass ich am Morgen etwas länger ausschlafen darf und Mami und Dädi mehr daheim sind», sagt der Kernser Erstklässler Jodok in einem Tagesinterview. Ziemlich einzigartig, wo und warum dieses Interview erschienen ist – und vor allem, wie es zu Stande kam. Jodoks Mutter, Colette Hofer, eine gelernte Kauffrau, erzählt es so: «Als die Isolation wegen des Coronavirus begonnen hatte, sassen wir an einem Sonntagmittag am Familientisch und bedauerten sehr, dass wir im Quartier nicht mehr untereinander kommunizieren konnten.» Normalerweise würden die vielen Kinder am Kernser Nussbaumweg immer in grossen Gruppen miteinander spielen. «Bei uns gab es stets einen regen Austausch», sagt Colette Hofer, «und nun plötzlich läutete es kaum mehr an der Haustür.»

Statt gemeinsamem Unterricht in der Dorfschule war jetzt Homeschooling angesagt. Nachdem die drei Kinder Jodok (7), Zoé (9) und Anouk (11) mit ihren Eltern eine Weile hin und her diskutiert hatten, war die Idee plötzlich geboren: Man könnte doch gemeinsam eine kleine Zeitung gestalten und dabei erst noch ziemlich viel lernen. Gedacht, getan! Schon bald war auch ein Name für diese ganz besondere Zeitung gefunden: «Corona Extra». Über dem Wort schwebt ein Krönchen. Einmal die Woche, immer am Sonntag, soll das Blatt in einer Auflage von 20 Exemplaren erscheinen. Die werden daheim ausgedruckt und dann von den Kindern direkt in die Briefkästen der Nachbarhäuser verteilt.

Zoés Coronawelt und ­Basteln mit Anouk

Nun beginnen Hofers, darüber nachzudenken, was denn Nachbarn und deren Kinder in der Coronazeit interessieren könnte. Zuerst aber wird der Zweck der Zeitung in einem gemeinsamen Editorial festgehalten. «Wir starten in die dritte Woche der ausserordentlichen Lage mit den bekannten Einschränkungen, welche die Pandemie hoffentlich in die Schranken weist», heisst es darin in aller Sachlichkeit. Doch dann bieten Hofers dem Virus die Stirn. «Mit einer guten Portion Zuversicht und unter Einhaltung der bekannten Regeln zeigen wir dem Virus, wo der Bartli den Most holt, jawohl!» Bald darauf liegen zahlreiche Ideen auf dem Tisch.

Derweil kümmert sich Vater Pius Hofer – er ist in Kerns Gemeinderat und steht da dem Bildungsdepartement vor – ums Layout der Familienzeitung. Bloss eine Woche vergeht und schon steht sie: die Ausgabe 1 des Extrablatts fürs Quartier. Was man darin liest, ist ebenso erstaunlich wie interessant. Da gibt es zahlreiche gute Ratschläge und Ideen für den Alltag. Weil Musik auch zu Coronazeiten Trumpf bleiben soll, bieten Hofers sogar eine (nicht ganz ernstgemeinte) eigene Hitparade an: An erster Stelle steht der Hit «Don’t Stand So Close To Me – The Police!»

«Ich durfte sogar in der Jury sein»

Tochter Zoé illustriert ganz eindrücklich ihre Coronawelt und malt als Gegensatz dazu voller Hoffnung auf bessere Zeiten einen farbigen Regenbogen. Ja, Zoé zeichnet gerne. Bald schon schreibt das «Corona Extra» auch einen Malwettbewerb für alle Quartierkinder aus. Zoé voll Freude: «Ich durfte sogar in der Jury sein.» Später folgt auch noch ein Fotowettbewerb. Mutter Colette Hofer stellt erfreut fest: «Inzwischen haben etliche Nachbarn daran teilgenommen.»

Die älteste Tochter betreut die Rubrik «Basteln mit Anouk» und zeigt in Bild und Text, wie man etwa ihr Lieblingstier, das Kaninchen, aus Papier falten und zu einem stattlichen Osterhasen werden lassen kann. «Ich bastle und backe sehr gerne, darum mache ich für jede Zeitung eine Bastelanleitung», sagt Anouk. Apropos Kochen: Unter der Rubrik «Kochen für (kleine) Kinder» bringt das Blatt auch ein ganz einfaches Rezept für ein wunderbares Rührei.

Selbst der Jüngste, Jodok, macht voll Eifer mit. «Schreiben kann ich noch nicht so gut, darum schreiben Mami und Dädi auf, was ich sage.» Auf die Frage, ob er gute Ideen habe, was Kinder jetzt machen könnten, meint er: «Spiele machen mit der ganzen Familie, zusammen etwas Feines kochen.»

Die Coronanews, zu denen auch jeder Geburtstag der Quartierkinder samt Gratulation gehört, kommen gut an. Inzwischen gibt es schon vier Ausgaben. Und jede weitere wird heiss erwartet. Nicht zu kurz kommt übrigens in Hofers Quartierzeitung auch der Humor. «Wie viel wiegen ein Pferd und ein Hund zusammen?», wird da gefragt. Und in Klammern die lapidare Antwort: «(Ein Pfund).»