Obwaldner Familiennamen

Was «Ettlins» mit Otto dem Grossen am Hut haben

Obwaldner Familiennamen gehen auf Ruf- und Beinamen, Wohnstätten oder Berufe zurück. Angelo Garovi deckt in seinem neu erschienenen Buch auch Überraschendes auf.

Romano Cuonz
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«Meinen Obwaldner Mitbürgern» lautet die schlicht formulierte Widmung, mit der alt Staatsarchivar Angelo Garovi sein neuestes Büchlein versieht. Es trägt den Titel «Obwaldner Familiennamen kurz erklärt». Der frühere Linguistik-Professor hält sich bei seiner neuen Arbeit an die Vorgaben des Benediktinerpaters Hugo Müller. Dieser hat 1952 im «Obwaldner Namenbuch» Korporationsbürgergeschlechter bis 1900 erforscht. Angelo Garovi sagt: «Namen und ihre Herkunft haben mich immer interessiert, später als Student beschäftigten mich neben der Herkunft auch die Bedeutung und der Sinn der Namen.» Mit ein Grund fürs Forschen war zweifellos auch sein eigner Familienname. Garovi ist, obwohl es alles andere als obwaldnerisch tönt, seit 1896 ein Alpnacher Korporationsbürger-Geschlecht!

Hinter jedem Namen steht eine Geschichte und ein Wappen.

Hinter jedem Namen steht eine Geschichte und ein Wappen.

Bild: Romano Cuonz (Engelberg, 10. August 2020)

Ein gewisser Pietro Garovi kam in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit zwei Brüdern von San Siro am Comersee nach Obwalden, um als Maurermeister an der Brünigstrasse zu arbeiten. Weil er eine Franziska Gasser kennen lernte, blieb er in Obwalden. Die Garovis sind eine alte Baumeisterfamilie. Gar am Winterpalais oder am einzigen noch bestehenden Mozarthaus in Wien haben sie mitgearbeitet. «Im Tessiner Dialekt bedeutet der Name Garovi so viel wie Stein oder Fels und stand so symbolisch für eine Baumeisterfamilie», erklärt Angelo Garovi. Auch das berühmteste Obwaldner Geschlecht «Von Flüe» habe mit Fels zu tun. Mit «Fluo», einer jäh abfallenden Felswand, an der die Hofstatt liegt, wo Bruder Klaus geboren wurde.

Von Familienwappen und -namen

Häufig weisen alteingesessene Familien stolz auf ihre Familienwappen hin. «Namen und Wappen gehören meist zusammen», stellt auch Angelo Garovi fest. Tatsächlich begegnet man in Obwalden an mehreren öffentlichen Orten Familienwappen. Bürgerwappen prangen an den Wänden des Schützenhauses auf dem Landenberg. In der Dorfkapelle begegnet man sämtlichen Wappen von Landammännern des 20. Jahrhunderts. Berühmt ist auch das Engelberger Wappenhaus (heute Talmuseum), dessen Aussenwände gleich 17 Wappen von heimischen Geschlechtern zieren. Wappen sind oft sehr beredt: ein Mühlerad bei den Müller, eine Buche bei Bucher oder ein Turm bei den Durrer, deren Name vom lateinischen «turris» (Turm) stammt.

«Im Gegensatz zu den Namen, die ins Spätmittelalter zurückgehen, sind die Wappen meist viel jünger und gehen ins 18. und 19. Jahrhundert zurück», stellt Angelo Garovi fest. Und in seinem neuen Werk tritt er den Beweis dafür an, dass Namen selber häufig noch spannendere Geschichten erzählen. Zu über 100 Obwaldner Namen hält er solche, oft nach einer sprachlichen Detektivarbeit, fest. Um eine genaue Deutung zu finden, mussten auch frühere Belege in Akten zu Hilfe gezogen werden. «Die Verbindung von Sprach- und Geschichtsforschung faszinierte mich als Historiker schon immer und so kam ich zur Namenforschung», begründet Garovi seinen Effort.

Der berühmteste Ort, wo man Obwaldner Familienwappen und Namen begegnet, ist das Engelberger Wappenhaus – das heutige Talmuseum.

Der berühmteste Ort, wo man Obwaldner Familienwappen und Namen begegnet, ist das Engelberger Wappenhaus – das heutige Talmuseum.

Bild: Romano Cuonz (Engelberg, 10. August 2020)

Jeder Name hat seine Geschichte

Viele Familiennamen sind nach ursprünglichen Rufnamen entstanden. So nannte sich einer, den man noch im Mittelalter einfach Hugo gerufen hatte, plötzlich Hug, Hugi oder Hügli. Weitere Obwaldner Beispiele: Eberli kommt von Eberhard, Britschgi vom verehrten Bischof Briccius aus dem Elsass. Oder Dillier entstand, weil Kinder beim frühen Tod des Vaters nach dem Taufnamen der Mutter, in diesem Fall Tilia oder Ottilia, benannt wurden. Häufig haben Zunamen eine geografische Herkunft. Anders gesagt: Namen nach Grund und Boden, Berg und Tal, Ecken und Halden, Tobel und Klusen. Davon gibt es in Obwalden viele: Etwa Anderhalden, Ambiel, Amschwand, Amrhein, Amstutz, von Atzigen, von Moos, Andermatt, Abächerli, Bacher, Zumstein.

Auf der Hand liegt, dass auch Berufsarten des Mittelalters oder Ämter in Dorf und Land Einfluss auf die Namengebung hatten. Meist erkennt man den ursprünglichen Beruf sofort: Bei Bannwarts etwa, bei Schmids, Seilers, Müllers, Kusters, Suters oder auch bei den Wirz, die bestimmt einmal Schenken bedienten oder Häuser verwalteten. Nachgerade lustig ist es, wenn man aus Namen frühere Neck- oder Kosenamen wie etwa Bäbi heraushört. Oder Feierabend in Engelberg, ursprünglich wohl als Übername für einen Müssigänger gedacht.

Dann und wann erzählen Familiennamen höchst spannende und kaum vermutete Geschichten. Ettlin oder Etlin etwa ist die Kurzform zu einem mit Ot- beginnenden Namen wie Otfrid, Otmar oder Otto. Und die Beliebtheit dieses Namens geht – man höre und staune – auf Kaiser Otto den Grossen (912–973) zurück!

Hinweis: Angelo Garovi, «Obwaldner Familiennamen – kurz erklärt», Broschüre, im Buchhandel oder direkt bei: Angelo Garovi, Dählhölzliweg 8, 3500 Bern, 031 352 98 52.