Obwaldner Gemeinden wollen nur noch einen Sozialdienst

Sozialdienst-Mitarbeiter müssen Allrounder sein. Ein Zweckverband soll nun Spezialisierungen und das Teilen von Fachwissen ermöglichen.

Franziska Herger
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Die Gemeinden wollen einen gemeinsamen Sozialdienst in Form eines Zweckverbandes. Dies, weil die Aufgaben im Sozialwesen in den letzten Jahren stark zugenommen hätten und komplexer geworden seien, schreiben sie in einer Mitteilung. Das Problem zeige sich besonders bei der Rekrutierung von qualifiziertem Personal.

«Es braucht spezifischeres Fachwissen als früher», sagt Markus Zahno, Leiter Sozialdienst Sarnen. «Wir betreuen zunehmend Personen, die gesundheitliche, psychische und finanzielle Probleme haben und Unterstützung bei der beruflichen Integration brauchen. Eltern weisen zudem erzieherische Defizite auf. Auch Auseinandersetzungen mit Anwälten haben zugenommen.» Je grösser das Team, desto eher seien eine Spezialisierung der Mitarbeiter und der Aufbau von Fachwissen möglich. «Momentan ist jeder Allrounder und jede Gemeinde macht das gleiche, aber vielleicht nur einmal im Jahr.»

Zentralisierung in Sarnen, mit Filiale in Engelberg

Zahno ist Vorsteher der Projektgruppe, die mit der Hochschule Luzern Strategien zur Zukunft der Sozialdienste geprüft hat. Der gemeinsame Sozialdienst ging als beste Lösung hervor. «Damit kann etwa künftig eine Person für das Pflegekinderwesen im Kanton zuständig sein und sich spezifisch weiterbilden», so Zahno. Auch Stellvertretungen würden erleichtert und der fachliche Austausch könne einfacher organisiert werden.

In einer nächsten Phase soll bis Ende 2020 ein Betriebskonzept erarbeitet und unter anderem der Leistungsauftrag und die Organisation definiert werden. Mit einem Einzugsgebiet von rund 38000 Einwohnern wäre der Sozialdienst im schweizweiten Vergleich mittelgross. Die Gemeinden im Sarneraatal lägen relativ nahe beieinander und seien verkehrstechnisch gut erschlossen, schreiben die Gemeinden. «Engelberg wird geografisch bedingt eine Sonderposition einnehmen.»

Konkret denke man an eine Filiallösung, sagt Markus Zahno. «Wir wollen es unseren Klienten nicht schwerer machen. Kundennähe und ein niederschwelliger Zugang zum Sozialdienst sind sehr wichtig.» So soll der Sozialdienst zwar wohl in Sarnen zentralisiert werden, sämtliche Gemeinden hätten aber weiterhin eine Ansprechperson, die Klienten an die richtige Stelle zuweist.

Ein Stellenabbau sei nicht vorgesehen, betont Zahno. «Wir gehen von 17,2 Vollstellen gegenüber den heutigen 17,05 in ganz Obwalden aus. Es ist nicht so einfach, Fachleute im Sozialbereich zu finden. Wir nehmen an, dass wir die Leute brauchen, die heute in Obwalden tätig sind.» Auch die Kosten des Zweckverbands seien noch unklar. «Abgesehen von gewissen Infrastrukturausgaben dürften sie gleich bleiben», so Zahno.

Für einen Zusammenschluss in einem Zweckverband sind Anpassungen an der kantonalen Sozialhilfegesetzgebung nötig. Die Gemeinden haben deshalb beim Regierungsrat beantragt, der politische Anpassungsprozess solle parallel zur Erarbeitung des Betriebskonzepts in Gang kommen. «Der zuständige Regierungsrat Christoph Amstad hat signalisiert, dass der Kanton seinen Beitrag leisten wird», sagt Markus Zahno.

Lungern hat gute Erfahrungen gemacht

Danach soll das Stimmvolk über die Einführung des gemeinsamen Sozialdienstes befinden können. Der künftige Zweckverband wird so ausgelegt, dass er mit einer unterschiedlichen Zahl Gemeinden funktioniert. «Das heisst, Gemeinden können sich auch noch gegen ein Mitmachen entscheiden», so Zahno.

Ein eigentlicher Testlauf für diese Pläne findet in Lungern statt. Denn nach der Kündigung der zuständigen Mitarbeiterin im Frühling übernimmt der Sarner Sozialdienst für diese Gemeinde die Aufgaben im Kinder- und Erwachsenenschutz. Das werde sich aufgrund guter Erfahrungen nicht mehr ändern, sagt ihr Sozialvorsteher Martin Gasser. Davor mussten die vielfältigen Aufgaben im Sozialdienst mit einem 70-Prozent-Pensum bewältigt werden. «Das war nicht immer einfach, und wir hatten diverse Wechsel», so Gasser. Die Distanz zu Sarnen sei gar ein Vorteil. «Manche Klienten sind froh, mit einer Stelle ausserhalb der Gemeinde sprechen zu können.» Auch dass mit dem Zweckverband künftig nicht mehr das Stimmvolk, sondern delegierte Gemeinderäte über die Ausgaben bestimmen könnten, sei kein Problem. «Der Sozialdienst erfüllt gesetzliche Aufgaben, die Kosten sind daher gebunden.»