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Obwaldner Juso-Kandidatin in der Kritik

Mirjam Hostetmann verteidigt ihr teilweises Fehlen im Nationalrats-Wahlkampf. Bei der SP ist man nicht erfreut.
Franziska Herger
Mirjam Hostetmann, Nationalratskandidatin aus Sarnen (Bild: Franziska Herger, Sarnen, 23. August 2018)

Mirjam Hostetmann, Nationalratskandidatin aus Sarnen (Bild: Franziska Herger, Sarnen, 23. August 2018)

«Die mutigste Kandidatin der Schweiz»: So bezeichnete die Juso Schweiz Mirjam Hostetmann unlängst auf Facebook. Die erst 19-Jährige stellt sich in Obwalden als einzige Linke für den Nationalrat zur Wahl. Doch je näher der Wahlsonntag vom 20. Oktober heranrückt, desto weniger hört man von der Gymnasiastin.

Weil sie im Schullager war, konnte sie vergangene Woche nicht am Podium unserer Zeitung teilnehmen, dessen Termin schon vor ihrer Kandidatur festgestanden hatte. Tags darauf fehlte sie auch am CSP-Parteitag, wo sich die Kandidaten vorstellten. Laut dem Parteipräsidenten war bis zuletzt nicht klar, ob sie teilnehmen würde. Und auch auf die fünf Fragen unserer Zeitung an die Kandidaten (siehe Ausgabe vom Dienstag) antwortete die Sarnerin nicht. Hat sie etwa schon aufgegeben?

Keineswegs, sagt Hostetmann auf Anfrage. Und erklärt sich: «Das E-Mail mit den fünf Fragen ist in den vielen Wahlkampf-Mails leider untergegangen. Das nehme ich auf mich. Ich erwarte nicht, dass man mir nachrennt.»

Hostetmann: «Diese Haltung irritiert mich sehr»

Für das Podium und den CSP-Parteitag letzte Woche habe sie leider keine Vereinbarung mit der Schule finden können, sagt Hostetmann. «Sie waren bereits sehr tolerant mit meinen vielen Terminen, als ich die Klimademonstrationen in der Zentralschweiz mitorganisiert habe. Jetzt kommt noch der Wahlkampf dazu.»

Entgegen den Angaben von Seiten der CSP habe sie ihre Abwesenheit im Vorfeld mitgeteilt. Und auf die Bemerkung von Parteipräsident Josef Stalder, ob sie nicht vielleicht am Parteitag mehr hätte lernen können als in ihrem Klassenlager, meint sie: «Viele Leute stören sich daran, wenn ich für den Klimastreik die Schule schwänze. Wenn ich aber aufgrund meiner Ausbildung nicht erscheinen kann, hätte ich ausserhalb der Schule plötzlich mehr gelernt. Diese Haltung irritiert mich sehr.»

Natürlich wolle sie beim Wahlkampf keine Abstriche machen, betont Hostetmann. «Aber ich bin im Maturajahr. Meine Ausbildung ist mir auch wichtig. Daher war ich an zwei Terminen leider verhindert.» Am Podium der Jungparteien und an dem der Lungerer Ortsparteien habe sie jedoch teilgenommen. Dass ihr teilweises Fehlen bei manchen negativ ankommt, sei ihr aber bewusst. «Ich hatte einige entsprechende Rückmeldungen.»

Auch bei der Mutterpartei ist man dem Vernehmen nach nicht gerade glücklich über das Verhalten der Nachwuchs-Kandidatin. Deutlich wird SP-Kantonsrat Ambros Albert. «Ich war ‹sternshässig›, als ich die leeren Zeilen im Fünf-Fragen-Artikel sah. Damit zeigt sie, dass sie nicht zuverlässig ist.» Der Giswiler hatte an der SP-Mitgliederversammlung erfolglos Stimmfreigabe beantragt und sich schliesslich der Stimme enthalten, als die Partei ansonsten geschlossen die offizielle Unterstützung der Juso-Frau beschloss.

Gehen mehr SP-Stimmen an Krummenacher?

Die SP selber hatte niemanden aufgestellt. «Es gab eine Wunschkandidatin, aber am Ende wollte sie doch nicht antreten», sagt Albert. «Wenn aber jemand mit dem Profil von Mirjam Hostetmann sich parteiintern bereiterklärt hätte, hätte man abgewunken.» Die Kommunikation mit ihr sei von Anfang an schwierig gewesen, meint Albert. «Sie informierte uns sehr kurzfristig vor der Bekanntgabe über ihre Kandidatur.»

Nun vermutet Ambros Albert, der persönlich Peter Krummenacher unterstützt, dass auch andere SP-Mitglieder ihre Stimme dem überparteilich kandidierenden CVP-Mann geben könnten. Dies, obwohl dessen berufliche Tätigkeit als Partner in einer Firma, die Vermögende bei der Ansiedlung in diversen Ländern unterstützt, auch schon zu Kritik von der Parteispitze der Obwaldner SP geführt hat.

Mirjam Hostetmann sieht ihre Wahlchancen realistisch. «Ich weiss, welchen Stimmenanteil die SP im Vergleich zur SVP oder der CVP hat. Aber ich lasse mich gerne überraschen.» Wie sie im Falle einer Wahl die Kantonsschule und das Nationalratsamt unter einen Hut bringen würde, darüber mache sie sich noch keine Sorgen. «Das müsste ich dann halt mit der Schule regeln, wie dies berufstätige Kandidaten auch mit ihrem Arbeitgeber machen.»

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