Fehleinschätzung bei der Rekrutierung? So schnell wird bei der Obwaldner Kantonalbank aus der Zukunft Geschichte

Nur gerade drei Monate hielt es ein neues Geschäftsleitungsmitglied bei der OKB aus. Für das Zürcher Finanzmagazin Inside Paradeplatz ist klar, warum es offenbar zu einer Fehleinschätzung bei der Rekrutierung kam.

Philipp Unterschütz
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Neue Mitglieder in der Geschäftsleitung, neue Segmente: So rüstet sich die Obwaldner Kantonalbank OKB für die Zukunft. Das schrieb im vergangenen Oktober unsere Zeitung aufgrund einer Mitteilung der OKB. Diese Zukunft hatte aber nur kurzen Bestand. Auf den 1. Januar schuf die Geschäftsleitung der OKB ein neues Vertriebssegment Firmen und Private und stellte dafür den 48-jährigen Christophe Racine von der Zürcher Kantonalbank ein, den sie zugleich auch noch in die Geschäftsleitung wählte. Doch dieser sah offensichtlich doch keine Zukunft bei der OKB. Vor wenigen Tagen meldete die OKB in einer unscheinbaren Meldung den Austritt von Racine.

Christophe Racine

Christophe Racine

Bild: PD

Der schnelle Abgang brachte das Finanzmagazin Inside Paradeplatz zu einem Artikel, der in der Finanzwelt grosse Beachtung findet und im Netz rege kommentiert wird. «Kurzspiel des ZKB-Chefs in der Obwaldner Pampa», titelt das Magazin. Es würde sich der Blick auf zwei Welten auftun: hier Zürich mit grossen Geldhäusern und Private-Banking-Kunden, die gerne zwischen Shopping und Geldzählen pendeln würden. Und dort die Pampa in der Innerschweiz, wo sich jeder kenne und der Kunde keinen Banker im Nadelstreifenanzug, sondern einen konkreten Vermittler für Kredit und Vorsorge wünsche.

Racine sei das nicht gewesen. Er steht laut Inside Paradeplatz für die Welt der Events mit pompöser Verköstigung und der Umgarnung reicher Kunden. Er sei zum Schluss gekommen, dass er und die Bank nicht zusammenpassen würden, wird Racine zitiert.

«Lieber schnell gehen, als sich etwas vormachen.»

Bei der Besetzung des neuen, wichtigen Kaderpostens ist also ganz offensichtlich eine Fehleinschätzung passiert. Die OKB gibt keine genauere Auskunft, was hinter dem schnellen Abgang wirklich steckt und warum Racine so kurz nach Stellenantritt nicht mehr zur OKB passen will. Im Gegenteil. Auf Nachfrage schreibt Fabienne Iten, Leiterin der Unternehmenskommunikation der OKB: «Wir erachten es als positiv, wenn man so schnell merkt, dass etwas nicht passt und dann die Konsequenzen zieht. Unseres Erachtens gibt es hierzu nichts zu ergänzen.» Und weiter: «An der Organisationsstruktur halten wir fest und somit bleibt auch die Stelle als Segmentsleiter Privat- und Firmenkunden erhalten.»

Wurde der Bankratspräsident am Schwingfest umgarnt?

Zusätzliche Brisanz erhält die Personalie durch einen weiteren Artikel, den Inside Paradeplatz bereits im Januar veröffentlichte. Darin bringt das Magazin die Anstellung von Racine in Verbindung mit seiner Einladung des OKB-Bankratspräsidenten Daniel Dillier ans Eidgenössische Schwingfest in Zug. Racine arbeitete damals noch für die Zürcher Kantonalbank ZKB, die den Anlass organisierte. Daniel Dillier liess sich dort mit seiner Gattin zwei Tage bewirten. Wert der Einladung 490 Franken, wie die OKB auf Nachfrage bestätigt.

Daniel Dillier

Daniel Dillier

Bild: PD

«Gastgeber Racine kümmerte sich um die Dilliers. Die beiden aus der Provinz mussten sich wie Könige vorkommen», schreibt Inside Paradeplatz spöttisch. Und weiter: «Ein paar Wochen später erfolgte dann die Wahl. Die zeitliche Nähe von Schwingfest-Verköstigung und Geschäftsleitungs-Kür gibt zu reden.» Für die OKB allerdings kein Problem, so gab man gegenüber Inside Paradeplatz bekannt: «Der Bezug von Daniel Dillier zu Christophe Racine war dem Bankrat und der Geschäftsleitung während des gesamten Wahlverfahrens bekannt. Daher erachten wir diese Situation nicht als heikel.» Die Leiterin der Kommunikation bestätigt die Aussage auf Anfrage.

Auf unsere Frage, ob denn die Annahme solcher «Geschenke» bei der OKB erlaubt seien, schreibt Fabienne Iten, es habe sich um eine Einladung zu einem Anlass gehandelt, zu dem die ZKB zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter von Schweizer Finanzinstituten eingeladen habe. Die OKB sei langjährige Kundin der ZKB und Herr Racine sei in seiner damaligen Funktion Verantwortlicher auch für die Kundenbeziehung mit der OKB gewesen. «Bankratspräsident Daniel Dillier hat die Einladung von Ende Januar 2019 mit der Geschäftsleitung abgesprochen und es wurde entschieden, dass nichts dagegen spricht, dass er mit seiner Partnerin am Schwingfest im August 2019 teilnimmt. Dies entspricht auch dem Reglement der Obwaldner Kantonalbank.»