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Obwaldner Kantonsingenieur: «Hier ist es direkter und weniger formell»

Von der Stadt aufs Land – für Kantonsingenieur Martin Bürgi hat sich zwar die Umgebung verändert, nicht aber die Themen. Der Rückblick nach den ersten 100 Amtstagen zeigt, wie der «Neue» funktioniert.
Philipp Unterschütz
Der neue Kantonsingenieur Martin Bürgi in seinem Büro. (Bild: Philipp Unterschütz, Sarnen, 8. März 2019)

Der neue Kantonsingenieur Martin Bürgi in seinem Büro. (Bild: Philipp Unterschütz, Sarnen, 8. März 2019)

«Dinge anreissen, bewegen und weiter bringen. Ich bin kein Forscher, sondern eher extrovertiert. Ich lebe vom Gespräch und vom Austausch mit anderen.» So beschreibt sich Martin Bürgi (57), der seit 1. Dezember als Kantonsingenieur in Obwalden amtet. In sein spartanisch und kühl eingerichtetes Büro («da schlägt vielleicht schon der Ingenieur etwas durch») mit Schreibtisch, Computer, zwei Regalen voller Ordner und einem Sitzungstisch, bringen einzig drei Bilder und ein Kalender eine persönliche Note und Farbe.

Und auf diese geometrischen Bilder, die er selber mitgebracht hat, zeigt Martin Bürgi, während er sich erklärt. «Ich versuche immer, die Position der anderen zu verstehen, die haben sich ja auch etwas überlegt.» Insofern stünden die Bilder für seine Fähigkeit, Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Man könne beispielsweise eine Brücke als Ganzes sehen, oder aber einzelne Details wie Geländer oder Stützen eingehend betrachten. «Mein Ziel ist es, Lösungen zu finden, von denen alle einen Nutzen haben. Dazu gehört es aber auch, den Spielraum, den Gesetze und Vorgaben bieten, auszunutzen.»

«Ich bin keinem politischen Dogma verpflichtet»

Nach den ersten hundert Tagen im Amt ist Martin Bürgi rundum zufrieden. Ein gutes, motiviertes und erfahrenes Team dürfe er im Obwaldner Hoch- und Tiefbauamt führen. Mit seinem Vorgänger Jörg Stauber, der Ende November 2018 pensioniert wurde, habe er eine perfekte Übergabe erlebt. «Es gibt keine Pendenzenberge.» Und auch mit seinem Chef, Regierungsrat und Baudirektor Josef Hess, funktioniere die Zusammenarbeit bestens. «Ich bin wie er als Parteiloser keinem politischen Dogma verpflichtet.»

Betrachtet man die berufliche Laufbahn von Martin Bürgi, die ihn nach dem Studium als Kulturingenieur an der ETH Zürich und Nachdiplomstudien in Unternehmensführung und Projektleitung unter anderem in verschiedene Ingenieurbüros und die Städte Zürich (Strasseninspektorat) und Luzern (städtischer Infrastrukturverantwortlicher) führte, fällt auf, dass er öfter mal die Stelle gewechselt hat. «Mein Karriereziel war es immer, Führungsverantwortung zu übernehmen. Und dafür muss man halt immer wieder weiterziehen und neue Erfahrungen sammeln.» Dass er schliesslich aus dem urbanen Raum ins ländliche Obwalden gewechselt hat, bringe schon gewisse Änderungen mit sich. «Hier ist es kleiner, persönlicher, direkter und weniger formell.» Er könne seine Erfahrung einsetzen. Und die Themen seien letztlich die gleichen geblieben wie beispielsweise Mobilität oder Infrastrukturbewirtschaftung. Der Individualverkehr sei hier anders zu betrachten als in einer Stadt. «In einer ländlichen Region ist es schwierig, einen flächendeckenden öffentlichen Verkehr wirtschaftlich zu betreiben. Für die wirtschaftliche Prosperität muss die Mobilität aber funktionieren.»

Ein halber Obwaldner

Dass Martin Bürgi vorerst in Zug wohnen bleibt, hat familiäre Gründe. Seine drei Kinder gehen an die Kanti und seine Frau führt in Zug ihre eigene Zahnarztpraxis. «Da ist zügeln vorläufig einfach nicht möglich.» Dass er nicht von hier sei, habe aber auch eine Qualität. «Es hat auch Vorteile, wenn man nicht zu fest im System drin ist.» Man sei viel weniger beeinflussbar. «Aber auch wenn ich heute nicht hier lebe, will ich meinen Beitrag dazu leisten, dass sich Obwalden mit den politischen Vorgaben, die ich erhalte, gut in die Zukunft entwickelt.»

Trotzdem betrachtet Martin Bürgi sich selber als halb Aargauer, halb Obwaldner. «Meine Mutter war eine Omlin von Sachseln, die in den Aargau geheiratet hat.» Sie habe eigentlich zeitlebens immer Heimweh nach Obwalden gehabt, deshalb habe er in seiner Jugend praktisch jedes Wochenende und auch die Ferien im «Heimetli» in Wilen verbracht. Sein Grossvater war der bis heute bekannte Kranzschwinger «Schluechtveri» aus Sachseln. Noch heute hat Martin Bürgi in Obwalden seine Verwandtschaft. «Beruflich bin ich nun dran, mir ein neues Netzwerk aufzubauen.» Obwalden habe in den vergangenen Jahren etwas gewagt und mit seiner Strategie viel gewonnen. «Obwalden wird seine Chancen auch in Zukunft packen.»

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