Obwaldner Kantonsräte von Klimaschützern zur Session empfangen

Rund zehn Obwaldner Aktivisten mit Transparenten, die auf den Klimaschutz hinweisen, haben am Donnerstag vor der Mehrzweckhalle in Kägiswil demonstriert.

Nino Gisler
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Spezieller Empfang für die Obwaldner Kantonsräte vor deren Sitzung am Donnerstag: Mit Transparenten, Augenbinden und Mundschutz begrüssten rund zehn Aktivisten der Gruppe Klimastreik Obwalden die Mitglieder des Kantonsrats, der seine Sitzung coronabebingt in der Mehrzweckhalle in Kägiswil abhielt. Forderung auf einem der Transparente: «Augen auf vor der Klimakrise».

Klima-Aktivistin Rebecca Büchi (20)

Klima-Aktivistin Rebecca Büchi (20)

Bild: Nino Gisler (Kägiswil, 10. September 2020)

«Wir sind nicht zufrieden, wie Obwalden der Klimakrise begegnet», sagte Aktivistin Rebecca Büchi (20) aus Sachseln. Sie bezweifelt, dass der Kanton die Klimaziele des Pariser Abkommens erreichen wird:

«Der Kanton und die Regierung sind bei der verfolgten Klimastrategie inkonsequent und zu wenig strikt.»

Die Mahnwache soll die Politiker wachrütteln, damit sie endlich Massnahmen ergreifen, doppelte die Psychologiestudentin nach.

Als Tourismus- und Landwirtschaftskanton sei Obwalden von einer intakten Umwelt abhängig, hält die Gruppe Klimastreik Obwalden in einer Medienmitteilung fest. «An die Bilder der Zerstörung nach dem Hochwasser 2005 können sich Obwaldnerinnen und Obwaldner noch gut erinnern.» Solche extremen Wetterphänomene würden durch die Klimaerwärmung in Anzahl und Intensität noch zunehmen, ist sich die Gruppe sicher.

Klimaerwärmung als weltumspannendes Problem

Die Mahnwache verfehlte ihr Ziel nicht. Die Politiker wirkten interessiert, vereinzelt wurden Gespräche zwischen den Jugendlichen und den Ratsmitgliedern geführt. SP-Kantonsrätin Annemarie Schnider richtete ein Kompliment an die Jugendlichen:

«Ich finde es sehr gut, dass sich Junge aktiv für das Klima einsetzen. Denn sie betrifft es am längsten».
Aktivisten der Gruppe Klimastreik Obwalden vor der Mehrzweckhalle Kägiswil.

Aktivisten der Gruppe Klimastreik Obwalden vor der Mehrzweckhalle Kägiswil.

Bild: Nino Gisler (10. September 2020)

FDP-Regierungsrätin Maya Büchi schloss sich den lobenden Worten Schniders an: «Es ist eine starke Leistung von den Jugendlichen, dass sie für ihre Anliegen hinstehen und ihre Meinung kund tun.» Da das Klima keine Kantons- oder Ländergrenzen kenne, müsse die Klimakrise weltumspannend angepackt werden, ergänzt die Exekutivpolitikerin.

Zu den Forderungen der Klimaaktivisten äusserte sich auch Landstatthalter Daniel Wyler (SVP): Es bestehe nach wie vor Handlungsbedarf bei der Klimapolitik im Kanton Obwalden. «Es ist wichtig und richtig, dass man auf die Klimaerwärmung aufmerksam macht. Aber gerade mit der anhaltenden Coronakrise haben wir genug andere Probleme, die wir nicht vernachlässigen dürfen.» Wichtig sei, die anbahnende Klimakrise nicht aus den Augen zu verlieren.

Klimastreik Obwalden sorgt immer wieder für Aufsehen

Bereits vor einem Jahr fand in Sarnen eine Klima-Demonstration statt, rund 100 Personen nahmen damals teil. «Wir haben gehofft, dass die Obwaldner Politik auf die Bevölkerung hört und im Klimadossier endlich aktiv wird», liess Urs Joller (22) verlauten. Dazu fügte er an:

«Bei so vielen Ratsmitgliedern mit einem ‹C› im Parteinamen müsste doch die Erhaltung der Schöpfung Priorität haben!»

Mit der Mahnwache konnte ein wichtiges Zeichen gesetzt werden, resümiert Rebecca Büchi. «Wir konnten spannende Gespräche mit den Kantonsräten führen, sie wissen nun, was wir erwarten.»

Auch in Zukunft wird mit Aktionen der Klimastreikbewegung in Obwalden zu rechnen sein, die Forderungen bleiben die gleichen: «Sofortige Anerkennung der Klimakrise und dementsprechendes Handeln». Nur so könne netto 0 Treibhausgasemissionen bis 2030 erreicht werden.