Obwaldner Karateka gehen «Weg der leeren Hand» beharrlich zu Hause weiter

Viele Sportvereine haben ihr Training gestrichen. Nicht so der Club Karate Do Obwalden, der Karate, zu Deutsch der Weg der leeren Hand, mit seinen Mitgliedern weitertrainiert – über Videostream.

Marion Wannemacher
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Jaël Krummenacher ist enttäuscht. Am 18. April hätte die Zwölfjährige aus Wilen eigentlich in Barcelona an den Spanish Open in ihrer Alterskategorie im Vollkontakt-Karate teilnehmen sollen. Wegen des Coronavirus fällt dies aus. Viele Sportvereine mussten nicht nur die Teilnahme an bevorstehenden Wettkämpfen und Meisterschaften, sondern gleich ihr komplettes Training ersatzlos streichen. Nicht so der Club Karate Do Obwalden. Keine Woche nach dem Lockdown hatte der Vorstand ein Live-Training per Videokonferenz aufgegleist.

Der Verein Karate Do Obwalden trainiert seine Mitglieder per Videostream; im Bild die Trainer Klaus Ming und Eveline Wallimann.

Der Verein Karate Do Obwalden trainiert seine Mitglieder per Videostream; im Bild die Trainer Klaus Ming und Eveline Wallimann.

Bild: PD

Anfänglich nahmen daran die Wettkampf-Kader teil, mittlerweile auch die anderen Mitglieder. Und wenn sich Jaël schon nicht in Barcelona messen kann, sie trainiert weiter – einfach nun daheim im Hobbyraum vor dem Bildschirm. Trainer Klaus Ming und Trainerin Eveline Wallimann befinden sich zur selben Zeit im Trainingsraum in Sarnen und leiten die Übungen an.

Ein Klubmitglied war sogar live aus Bolivien beim Online-Training dabei

Jaël und all die anderen Mitglieder sehen beide zugeschaltet auf ihrem Bildschirm. «Dafür braucht es daheim nur ein Notebook, das haben eigentlich alle», sagt Klaus Ming. Die Bilder der Klubmitglieder werden in den Dojo, den Trainingsraum, zu ihm und seiner Kollegin übertragen. Nachdem klar geworden war, dass die Schulen ihren Unterricht einstellen würden, habe man sich sofort auf die Suche nach einer technischen Möglichkeit gemacht, um ein Training zu gewährleisten, betont der Trainer. An die 30 bis 40 Personen hätten am letzten Training teilgenommen, in manchen Familien trainieren Erwachsene mit dem Nachwuchs gemeinsam. «Sogar ein junger Schwarzgurt, der sich zurzeit in Bolivien aufhält, Alejandro Escalera, hat mitgemacht», freut sich Ming.

Die zwölfjährige Jaël Krummenacher aus Wilen trainiert von zu Hause aus.

Die zwölfjährige Jaël Krummenacher aus Wilen trainiert von zu Hause aus.

Bild: PD

Natürlich könne man keine komplizierten Kombinationen trainieren. «Bei den Kampfpositionen sieht man Fussstellung und Ausführung der Technik nicht über die Kamera», ist sich der 63-Jährige bewusst. «Wir können aber unser Niveau einigermassen halten, das wird allgemein geschätzt.» Für das Training am Bildschirm mussten seine Kollegen und er ein spezielles Konzept entwickeln: nicht zu kompliziert, in eher langsamem Tempo unter Berücksichtigung der optisch und akustisch verzögerten Übermittlung. «Wir müssen uns natürlich ausserdem auf die Bedürfnisse daheim ausrichten – auf enge Verhältnisse von vielleicht vier Quadratmetern.» Zwischen einzelnen Karateübungen wird variiert mit Grundfitnessprogramm aus Liegestützen, Kniebeugen und Rumpfmuskelübungen sowie Stretching zur Beweglichkeit.

Der Lockdown sei für den Nachwuchs genau in eine intensive Vorbereitungsphase auf Wettkämpfe gefallen, gibt Ming zu bedenken. «Die Zielsetzung mussten wir nun ändern. Neu geht es um die individuellen Gürtelprüfungen jedes Einzelnen vor dem Sommer. Die Mitglieder können jetzt ihre Zeit nutzen und sich das Wissen dafür aneignen», hält Trainer Ming fest. Es gehe darum, sie fürs Training zu motivieren, «damit wir sie nicht verlieren».

Vorfreude auf die Meisterschaften im November in Sarnen

Persönliche Disziplin und Motivation brauche es natürlich schon, bestätigt auch Jaël Krummenacher. Und klar, vermisse sie ihre Kollegen vom Training. Insgesamt aber finde sie die Lösung, die ihr Karateklub gefunden hat, «cool». Die Stunde sei intensiv, und sie spüre hinterher das Training. Die Zwölfjährige freut sich auf die Schweizer Meisterschaften, die ihr Club im November in Sarnen ausrichten wird. Ihre persönlichen Ziele sind gesteckt: «Schweizer Meisterin zu werden im Vollkontakt-Karate in meiner Alterskategorie zwölf bis dreizehn», sagt sie.

Auch Ad Astra hält die Jungen auf Trab

(ve) Abgesagte Trainings in der Halle müssen kein Grund sein, ganz auf den Lieblingssport zu verzichten. Auch der Unihockeyverein Ad Astra Sarnen stellt den Juniorinnen und Junioren, aber auch den Elitespielern des NLA-Teams verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, in der Freizeit den Unihockeystock in die Hand zu nehmen und zu trainieren. Einerseits gibt es die «Stay-at-Home-Challenge» vom Verband Swiss Unihockey. Auf den sozialen Medien werden hier beispielsweise – oft auf humoristische Art – Tricks mit Stock und Ball vorgeführt, die man daheim oder draussen üben kann. «Darüber hinaus haben wir ein Wochenprogramm mit verschiedenen technischen Übungen zusammengestellt», sagt Trainer Eetu Vehanen. Am Montag stehen zum Beispiel verschiedene technische Übungen auf dem Programm, die ein Vereinsmitglied auf Youtube vorführt, am Dienstag folgt dann die Aufforderung für ein Konditionstraining mit Joggen oder Velofahren. «Für einige Wochen sollte das Programm mit den Videos mal reichen», sagt Eetu Vehanen. «Danach werden wir neue Übungen und Videos zur Verfügung stellen.»