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Obwaldner Kulturpreis: «Wo OW 777 auftaucht, ist etwas los»

Sie haben über 100 Jahre Obwaldens Bilderwelt geprägt. Nun gab es für die drei Fotografen Reinhard offizielle Anerkennung.
Markus von Rotz
So freuen sich Preisträger (von links): Daniel mit Vater Josef Reinhard und dessen Frau Rösy, beklatscht von Landammann Josef Hess, Nationalrat Karl Vogler und Kantonsratspräsident Reto Wallimann. (Bild: Markus von Rotz, Sarnen, 19. Oktober 2019)

So freuen sich Preisträger (von links): Daniel mit Vater Josef Reinhard und dessen Frau Rösy, beklatscht von Landammann Josef Hess, Nationalrat Karl Vogler und Kantonsratspräsident Reto Wallimann. (Bild: Markus von Rotz, Sarnen, 19. Oktober 2019)

Das Buch «Katastrophen-Sepp» über Fotograf Josef Reinhard aus Sachseln erschien 2001 zu dessen 70. Geburtstag. Mit vielen Bildern, die sein Sohn Daniel nach dem vernichtenden Unwetter von 1997 gerettet, durchforstet und als «kulturell sehr wertvoll» erachtet hatte. Es verkaufte sich über 400 Mal. Ein wichtiges Kapitel fehlt, es wurde am Samstag geschrieben: Daniel (59), Josef (87) und Grossvater Joseph (1901 bis 1975) erhielten als Familien-Foto-Dynastie Obwaldens Kulturpreis. «Gut Ding will Weile haben», sagte Bildungsdirektor Christian Schäli bei der Begrüssung. Er zitierte einen Leserbrief von Christoph Niederberger, heute Direktor des Schweizerischen Gemeindeverbandes, der 2001 in dieser Zeitung den Preis forderte. «Die Regierung hat sich sicher genug Zeit genommen, um diese Leserbriefforderung zu prüfen», schmunzelte er.

«Unaufgefordert und ohne staatlichen Kulturfranken»

Niederberger habe Recht gehabt, als er schrieb: «Der Kulturpreis ist das Mindeste, was das offizielle Obwalden machen kann für einen Mann, der seit Jahren unaufgefordert und ohne jeden staatlichen Kulturfranken Land und Leute im Kanton Obwalden fotografisch dokumentiert.» Und vor allem ein Satz fiel Schäli auf. «Kunst muss nicht unverständlich und elitär sein.» Das treffe sicher auf die Arbeit der drei Reinhards zu, welche über 100 Jahre Bild-Geschichte abdeckten. Eine vierte Foto-Generation wird es nicht geben, wie Daniel Reinhard in der Dankesrede sagte. Seine Kinder gehen einen anderen Weg.

Der Weg des Grossvaters war nicht vorgezeichnet. Er führte erst über ein Coiffeur-Geschäft im Flüeli, weil die Eltern ihm das unsichere Fotografenhandwerk nicht erlauben wollten, wie Laudator Romano Cuonz sagte. In Josefs Geburtsjahr 1931 eröffnete er dann das heutige Fotohaus an der Bahnhofstrasse. Er arbeitete noch mit schweren Plattenkameras, trug sie auf alle Berge, um «stundenlang aufs günstige Licht zu warten» oder bis die Wolken richtig standen. A propos Wolken: An einem 1. April schaltete er in einer Zeitschrift eine Anzeige für eine Wolkenspraydose, die für Schäfchen- und Gewitterwolken tauge. Das Interesse sei sehr gross gewesen, die Enttäuschung der Genarrten auch.

Die Polizei verpflichtete Joseph Reinhard als ersten offiziellen Fotografen. Kein Wunder, trat Sohn Josef in dessen Fussstapfen. «Wo immer der VW Käfer mit OW 777 auftaucht, ist etwas los», hätten sie als Kollegischüler sehr gut gewusst, erinnerte sich der Laudator. Und es bleibe wohl «auf immer Sepps Geheimnis», warum er oft vor Polizei oder Feuerwehr vor Ort war. Und so sah er mal in der Entwicklerflüssigkeit beim Vergrössern von Polizei-Radarfotos seine 777 auftauchen. Tja, das gehöre wohl zum Ruf als rasender Reporter, habe er gedacht.

Soziale Medien verändern Rolle eines Fotografen

Schnelle (Formel-1-)Autos faszinierten ihn, später auch Daniel, der ihn mit zwölf Jahren erstmals nach Monaco begleiten konnte. «Ich wurde mit viel Benzin im Blut geboren», sagte er in der Dankesrede. Sie hätten beide über 700 der bisher 1000 Grand-Prix-Rennen besucht. Es entstanden Freundschaften mit Rennfahrern. Daniel perfektionierte Vaters Arbeit mit speziellen Aufnahmen auch am Rand der Piste. Auf dessen Mitzieh-Fotos von Michael Schumachers 300-km/h-Ferrari hätten sich Insider den Sport gemacht, auf dem Helm «die zerquetschten Insekten zu zählen», berichtet ein Auto-Journalist. Daniel hätte nie in die gleiche Rolle wie die Vorfahren einnehmen können, so Schäli. Im Zeitalter sozialer Medien zähle es nicht mehr, als Erster am Ort zu sein. Er habe sich darum dank seiner Ausbildung in Wien richtigerweise spezialisieren können.

Und bei aller Preis-Freude vergassen Cuonz und Daniel Reinhard Mutter Rösy nicht. Sie habe «mit dem Essen oft stunden- oder tagelang auf die drei Männer» warten müssen und so als ruhender Pol in Haushalt, Laden und am Telefon das Leben zusammengehalten und wohl «das grosse fotografische Werk, das wir heute beklatschen», überhaupt erst möglich gemacht, sagte Romano Cuonz.

Die Galerie Hofmatt in Sarnen zeigt bis 17. November eine Ausstellung mit Bildern der drei Generationen Fotografen Reinhard.

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