Obwaldner Maturandin gestaltete einen Kalender für die Winterhilfe

Nicole Odermatt tat mit ihrer Maturaarbeit ein gutes Werk.

Marion Wannemacher
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Nicole Odermatt (rechts) mit Paula Halter-Furrer, Präsidentin der Winterhilfe Obwalden.

Nicole Odermatt (rechts) mit Paula Halter-Furrer, Präsidentin der Winterhilfe Obwalden.

Bild: Marion Wannemacher (Sarnen, 11. Dezember 2019)

Mit einem Quiz begann Nicole Odermatt die Präsentation ihrer Maturaarbeit. «Welchen See sehen Sie hier?», wollte sie von den Besuchern ihres Vortrags wissen. Die Antwort liess ein bisschen auf sich warten. «Der Tannensee», wusste schliesslich eine Frau. Viele Obwaldner Seen hat die Maturandin im vergangenen Jahr gut kennen gelernt. Sie entschied sich, einen Kalender zu Gunsten der Winterhilfe Obwalden zu fotografieren, um Spenden zu sammeln. Zu sehen sind unter anderem der Trübsee, der Gerzensee, der Herzlisee und der Blindsee, ebenfalls im Kernwald.

Auf die Winterhilfe kam Nicole Odermatt nicht von ungefähr: Mit ihrer Familie hatte sie 2005 das Hochwasser hautnah erlebt. Keller und Schopf ihres Hauses waren überschwemmt worden. Überraschenderweise gab es – ohne angefragt zu haben – von der Winterhilfe Obwalden eine kleine Unterstützung.

Um es vorweg zu nehmen, die 100 zum Verkauf bestimmten Kalender fanden reissenden Absatz. Innerhalb von einem Monat waren alle Exemplare verkauft.

Jede Aufnahme hat ihre eigene Geschichte

Und die 18-Jährige ist um viele Erfahrungen reicher. Mit ihrer Idee, zu fotografieren, begab sie sich auf Neuland. «Meine erste Herausforderung war, mir den manuellen Modus beim Fotografieren mit der Spiegelreflexkamera selbst beizubringen», sagt sie. Lernen musste sie auch, wie man Bilder am Computer bearbeitet. Ihr Coach, Kunstlehrer Teddy Amstad, zollt ihr dafür Respekt. «Man kann sich in der Maturaarbeit für das eigene Hobby entscheiden oder wie Nicole Odermatt für etwas gänzlich Neues», sagt er.

Lobende Worte findet Amstad auch für ihre Einarbeitung in das Bearbeitungsprogramm Photoshop. «Dieses ist recht komplex. Ich finde, das hast du gut gelöst», sagt er zu ihr. Ausserdem habe sie auf die korrekte technische Aufbereitung der Druckdaten für die Druckerei achten müssen.

Das Motiv, das sich als roter Faden durch den Kalender zieht, sind Obwaldner Landschaften im Spiegel von Gewässern. Mit jeder einzelnen Aufnahme verbindet die Maturandin ihre persönliche Geschichte. Einige davon gab sie an der Präsentation preis. An viele Orte habe sie zweimal reisen müssen. Denn damit ein Gewässer eine glatte Oberfläche hat, muss es absolut windstill sein.

Nicht immer klappte alles nach Wunsch

Am Tannensee beispielsweise ging sie biwakieren mit ihrem Cousin. «Als wir ankamen, herrschte dickster Nebel», erinnert sie sich. «Sobald die Sonne unterging, verzog er sich und ich konnte einige Bilder machen.» Wenig Hoffnung hatten sie für den kommenden Morgen, denn nach Sonnenuntergang war der Nebel wieder da. Zur grossen Überraschung beider konnten sie dann doch bei Sonnenaufgang fotografieren. «Sobald die Sonne aber am Himmel stand, kam der Nebel zurück und wir reisten im dicksten Nebel ab.»

Auf der Fluonalp hatte sie jedoch weniger Glück. In Begleitung grub sie den Brunnen aus einem Meter Schnee. «Im Sommer spiegelt er meistens», war sich die Maturandin sicher. Scheinbar nicht an diesem Tag. Der Brunnen spiegelte einfach nicht. Ausser einem Sonnenbrand zog sie mit leeren Händen wieder ab.

Mit den Bildern waren die Herausforderungen noch nicht ausgestanden. Denn Nicole Odermatt recherchierte auch noch die Geschichte der Winterhilfe Obwalden. Diese sei bislang noch nicht aufgearbeitet worden. Im Interview mit der aktuellen Präsidentin der Winterhilfe Obwalden Paula Halter-Furrer erhielt sie einen ersten Überblick über die Entstehung und den aktuellen Aufbau.

Kisten voller Dokumente gaben Aufschluss

Im Staatsarchiv Obwalden suchte sie Informationen. Dafür musste sie vier Kisten Dokumente durchackern. Die Geschichte der Winterhilfe ist verknüpft mit dem Ersten Weltkrieg, der Weltwirtschaftskrise und der damit verbundenen Arbeitslosigkeit. Nach der Gründung der Organisation für Arbeitslose wurde in fast allen Kantonen, auch in Obwalden, gesammelt. 83 Jahre gibt es die Winterhilfe bereits. «Obwohl sie es in Obwalden nicht immer leicht hatte, besteht sie heute noch», betont Nicole Odermatt.