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Obwaldner Pilot mit Selfiestick über den Wolken

Der Sarner Guido Müller ist mehr als ein leidenschaftlicher Segelflieger. Sein längster Flug ohne Zwischenlandung ging über 630 Kilometer.
Robert Hess
Guido Müller in seinem Element über den Alpen.Bild: Guido Müller

Guido Müller in seinem Element über den Alpen.Bild: Guido Müller

Auf den Fliegernamen «Zoom» ist der heute 61-jährige Sarner Guido Müller von seinen Kameraden der Segelfluggruppe Obwalden 2009 getauft worden. Den Anstoss zu diesem Namen lieferte ein Poster von Müller in der «Aero-Revue», das ihn im Cockpit eines Segelflugzeuges über dem Aletschgletscher zeigt.

Der in Trimbach bei Olten aufgewachsene Guido Müller ist seit 1985 Englisch- und Sportlehrer am Kollegium St.Fidelis in Stans. Segelfliegen lernte er 1983/84 in England, als er nach dem Studium an der Uni Basel ein Auslandsjahr als «Assistant Teacher» absolvierte. Seit 1988 wohnt er in Sarnen, ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern.

Selfiestick selber konstruiert

Seit über 30 Jahren ist Müller nicht nur ein leidenschaftlicher Segelflieger mit rund 1500 Flugstunden und 850 Landungen. Er weiss auch die Fotokamera in der Luft speziell einzusetzen. «Zoom» produzierte bereits Selfies im Segelflugzeug, als dieser Begriff noch gar nicht existierte. «Ich wollte Bilder von mir im Flugzeug machen und gleichzeitig die schöne Landschaft mit einbeziehen», sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

So konstruierte er 2008 aus einer 50-cm-Zeltstange einen Stab, an dessen vorderem Ende er eine Panasonic-Lumix-Kompaktkamera mit 10-Sekunden-Selbstauslöser montierte. Durch das kleine Seitenfenster in der Kabinenhaube brachte er die Kamera in eine Position, die es erlaubte, Pilot und einen allfälligen Passagier von ausserhalb des Flugzeuges und gleichzeitig die Landschaft zu fotografieren.

Sieger beim Leser-Wettbewerb

Der Sarner Segelflieger Guido Müller auf dem Flugplatz Kägiswil, rund zwei Stunden vor dem Start zum ersten Flug. (Bild Robert Hess, 4. August 2019)

Der Sarner Segelflieger Guido Müller auf dem Flugplatz Kägiswil, rund zwei Stunden vor dem Start zum ersten Flug. (Bild Robert Hess, 4. August 2019)

Vor rund sieben Jahren kaufte «Zoom» einen modernen Selfiestick. Er legte sich auch eine Go-Pro-Kamera zu. Seither hat Guido Müller eine ganze Reihe von spektakulären Bildern «über den Wolken» gemacht, die auch regelmässig veröffentlicht wurden. Sein Meisterstück ist ein Selfie aus dem Jahre 2014, das ihn auf einer Höhe von rund 4500 m.ü.M. vor dem Dom im Wallis zeigt. «Eine Dreiviertelmillion Mal klickten 20-Minuten-Leser im Duell um das aussergewöhnlichste Selfie und verhalfen Guido Müller zum Sieg», hiess es im Januar 2015 in der Gratis-Zeitung.

Bei seinen Flügen sind der Selfiestick und die Kamera meistens dabei. «So kann ich meinen Passagieren jeweils eine spezielle Erinnerung an den Flug mitgeben», erklärt er.

Stunden zwischen Pilatus und Brienzer Rothorn

Der bisher längste Flug von Guido Müller betrug 630 Kilometer (siehe Kasten). Das ist auch innerhalb der Segelfluggruppe Obwalden kein Rekord. Aber Bestweiten seien für ihn zweit- ranging, auch wenn er sich «als leidenschaftlichen Segelflieger» bezeichnet. «Aber ich freue mich selbstverständlich, wenn mir eine besonders lange Flugstrecke oder mit Hilfe von Föhnwellen eine Überhöhung von einigen tausend Metern gelingt», sagt Guido Müller. «Ich kann mich aber ebenso sehr darüber freuen, einige Stunden zwischen Pilatus und Brienzer Rothorn hin und her zu fliegen und dabei die Landschaft von oben zu geniessen.»

Segelfliegen ist nicht zwingend ein teures Hobby, erklärt er: «Ich fliege oft und wende dafür jährlich zwischen 3000 und 4000 Franken auf.» Auch gefährlich sei es nicht, «wenn man sich auf die Flüge gut vorbereitet, die technischen Hilfsmittel nutzt, die Vorschriften einhält, für sich selber die Risiken abwägt und auch Nein sagt, bevor man in eine kritische Situation gerät». Denn die meisten Unfälle würden von Menschen und nicht wegen technischer Mängel verursacht.

Der längste Flug dauerte acht Stunden

(rh) 630 Kilometer ohne Zwischenlandung absolvierte «Zoom» Guido Müller im April 2018. Wie immer habe er am Vorabend das Wetter studiert. Am Flugtag folgte das «Dabs» (Daily Airspace Bulletin Switzerland), das informiert, welche Lufträume aktiv sind, also nicht benützt werden dürfen. Dazu das «Notam» (Notice to Airmen), wo man sich informieren kann, wenn neue Seile oder Kräne erstellt wurden oder Flugplätze geschlossen sind. «Ich flog an diesem Sonntag einen Doppelsitzer der SG Obwalden, denn ich nahm einen weniger erfahrenen Kollegen mit, um ihm den Einstieg ins Berner Oberland zu zeigen.»

Wichtig sei, so Müller weiter, dass man trotz der elektronischen Hilfsmittel auch Kartenmaterial dabei habe; ferner Esswaren sowie genügend Flüssigkeit. «Das WC-Problem löse ich jeweils mit einem kleinen Kompostbeutel, den ich nach Erledigung des Geschäftes in einem Seesack hinter der Sitzlehne bis zur Landung aufbewahre.»

Ausklinken über dem Glaubenberg

«Um 11 Uhr erfolgte der Start. Auf 1850 Meter über Meer und über dem Glaubenberg klinkten wir aus.» Danach stieg die Maschine auf 2900 m. ü. M. «Mit dieser Höhe ist das Überqueren des Thunersees ein Kinderspiel.» Auf 2450 m kam das Flugzeug bei den zwei Seen beim Stockhorn an. Danach ging es weiter zum Hundsrügg westlich von Zweisimmen – Flugzeit bis dahin: eine Stunde. Danach den Voralpen entlang Richtung Genfersee, wo die beiden Männer am Hongrin-Stausee wendeten und zurückflogen. Später überquerten sie das Sarneraatal. Via Brisen und Eggberge bei Altdorf flogen sie zum Klausenpass, wo sie um 14.30 Uhr wendeten.

«Die Thermik wurde immer besser, sodass wir noch einmal zum Genfersee wollten», erklärt Guido Müller. «Wir flogen auf ähnlicher Route gegen Westen, wo der Himmel inzwischen aber von Gewitterwolken überzogen worden war, sodass wir über Chateau d’Oex umkehrten.» Auch die vierte Thunersee-Überquerung des Tages sei problemlos verlaufen. «Im Raum Sörenberg sind wir bei bedecktem Himmel stark gesunken.» Später, im Gleitbereich des Flugplatzes Kägiswil, konnten sie «trotz nachlassender Thermik noch einiges wagen, mussten aber um jeden Höhenmeter kämpfen. Über der Giswiler Laui konnten wir leicht steigen. Wir retteten uns zum Jänzi, das noch voll in der Sonne stand.» Der Aufwind dort hob die Maschine auf 2300 m, sodass sie noch einmal zum Klausenpass fliegen konnten. «Östlich der Eggberge stiegen wir sogar auf den Tageshöchstwert von 3350 Metern über Meer.» Beim Klausenpass drehten sie wieder um, flogen zurück über die Mörlialp und dann über die Rigi zurück nach Kägiswil, wo sie um zirka 19 Uhr landeten. «Segelfliegen pur!», meint Guido Müller abschliessend.


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