Obwaldner Regierung enttäuscht Bauern

Die Regierung habe sich beim Hochwasserschutz den Umweltverbänden gebeugt, finden die Obwaldner Bauern.

Richard Greuter
Hören
Drucken
Teilen
Präsident Simon Niederberger mit dem Neugewählten Sepp Amstutz und Dani Blättler, Geschäftsführer der Bauernverbände Obwalden, Nidwalden und Uri (von links).

Präsident Simon Niederberger mit dem Neugewählten Sepp Amstutz und Dani Blättler, Geschäftsführer der Bauernverbände Obwalden, Nidwalden und Uri (von links).

Bild: Richard Greuter (Sarnen, 6. März 2020)

«Das Jahr 2020 ist ein Schicksalsjahr für die Bauern», sagte Simon Niederberger, Präsident des Obwaldner Bauernverbandes an Generalversammlung. Eigentlich konnte Niederberger mit dem Ablauf der Versammlung zufrieden sein. Alles lief wie am Schnürchen, sämtliche Anliegen des Vorstandes fanden Zustimmung.

Doch im Moment weht den Bauern ein rauer Wind um die Ohren. Es ist nicht nur die geplante Agrarpolitik des Bundes ab 2022 (AP 22+), die Trinkwasser- und die Pestizidinitiative, sondern auch der Hochwasserschutz im Sarneraatal, der für rote Köpfe sorgt.

Bauernverband sei nicht konsultiert worden

«Auch die Landwirtschaft profitiert von einem funktionierendem Hochwasserschutz», sagte Simon Niederberger in seinem Jahresbericht. Die Bauern seien aber gegen überdimensionierte Renaturierung der Gewässer. Was ihnen sauer aufstösst, ist, dass die Obwaldner Regierung von den ursprünglichen Plänen abgewichen sei, ohne den Bauernverband zu konsultieren.

«Wir vertrauten darauf, dass das aufgelegte Projekt umgesetzt würde», meinte Niederberger enttäuscht. Um einen langwierigen Rechtsprozess mit den Umweltverbänden abzuwenden, benötige der Hochwasserschutz inzwischen 3,7 Hektar wertvolle Fruchtfolgeflächen. Das seien 1,4 Hektar mehr als ursprünglich geplant. Bauernpräsident Niederberger verlangt nun, dass die zusätzliche Nutzfläche im Bereich des Flugplatzes Kägiswil rekultiviert wird.

Vor kurzem hat der Bundesrat die Botschaft der AP22+, ein mehrere hundert Seiten umfassendes Werk, verabschiedet. Der Verband rechnet schon jetzt damit, dass sich Direktzahlungen vermehrt nach Umweltauflagen richten werden. Sepp Murer, Präsident des Zentralschweizerischen Bauernbunds, der sich als Gast zu Wort meldete, sprach von Widersprüchen und von einer kaum umsetzbaren Botschaft.

Als weitere Aufgaben im Tätigkeitsprogramm des Verbandes bezeichnete Dani Blättler, Geschäftsführer der Bauernverbände Obwalden, Nidwalden und Uri, die Annahme des neuen Jagdgesetzes, und vor allem die Bekämpfung der Trinkwasser- und der Pestizidinitiative. Erstere steht kurz vor der Abstimmung. Bei einer Annahme würde die Lebensmittelproduktion um 30 Prozent sinken, sagte Sepp Murer. Ständerat Erich Ettlin sprach in einem kurzen Votum von einer «Katastrophe» und Nationalrätin Monika Rüegger empfahl den Bauern, zusammenzustehen.

Verbandskasse gerät in Schieflage

Für alle diese Aufgaben benötigt der Verband finanzielle Mittel. Seit einigen Jahren ist die Verbandskasse im Minus. Dieses Jahr weist sie ein Rekorddefizit von fast 12000 Franken auf. In den vergangenen sechs Jahren schrumpfte das Eigenkapital um rund 26000 Franken auf noch knapp 74000 Franken. Es deckt damit nicht einmal mehr die budgetierten Gesamtausgaben von 104000 Franken.

Um die Kasse wieder ins Lot zu bringen, erhöht der Verband die zusätzlichen Beiträge pro Hektar Nutzfläche von 6.50 auf 8 Franken. Um den Bildungsfond weiterhin zu sichern, kommen noch 70 Rappen je Hektar dazu. Die Grundbeiträge von je 30 Franken für die Verbandskasse und 20 Franken für den Bildungsfonds bleiben unverändert. Gery Hurschler aus Engelberg verlässt den Vorstand und wurde durch den 45-jährigen Landwirt Sepp Amstutz, ebenfalls aus Engelberg, abgelöst.

Ausbildung abgeschlossen

RG 18 Lehrlinge aus Obwalden haben im letzten Jahr ihre Lehre als Landwirt abgeschlossen. Fünf Landwirte haben erfolgreich die Betriebsleiterschule hinter sich gebracht. Christian Rohrer, Markus Zurgilgen und Stefan Risi sind neu Meisterlandwirte und Michael Abächerli hat den Abschluss zum Agrotechniker gemacht.