Obwaldner Regierung überlässt Plastiksammlung den Gemeinden

Monika Rüeggers Motion blitzt bei der Regierung ab. Die Engelberger SVP-Kantonsrätin ist trotzdem von der Antwort erfreut.

Matthias Piazza
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Renergia Zentralschweiz und die Zentralschweizer Umweltdirektorenkonferenz orientieren über eine Studie zur Separatsammlung von Kunststoffabfällen. Fotografiert am 22. Mai 2015 im Ökihof in Emmenbrücke.Im Bild: Rainer Kistler, Amtsleiter Amt für Umweltschutz Kanton Zug (links) und Martin Zumstein, Verwaltungsrat Renergia, Vorsitzender Geschäftsleitung REALNLZ Boris Bürgisser

Renergia Zentralschweiz und die Zentralschweizer Umweltdirektorenkonferenz orientieren über eine Studie zur Separatsammlung von Kunststoffabfällen. Fotografiert am 22. Mai 2015 im Ökihof in Emmenbrücke.
Im Bild: Rainer Kistler, Amtsleiter Amt für Umweltschutz Kanton Zug (links) und Martin Zumstein, Verwaltungsrat Renergia, Vorsitzender Geschäftsleitung REAL

NLZ Boris Bürgisser


Boris Bürgisser (neue Lz) / Neue Luzerner Zeitung

Plastik landet in Obwalden im normalen Kehricht, wo er in der Kehrichtverbrennungsan­lage Renergia in Perlen verbrannt wird. Der Entsorgungszweckverband Obwalden (EZV OW) schaffte 2015 die separate Kunststoffsammlung ab, die es während rund zehn Jahren in Engelberg, Sarnen, Sachseln, Alpnach und Kerns gab.

Monika Rüegger ist mit diesem Zustand nicht einverstanden. In ihrer Wohngemeinde Engelberg erreichte die SVP-­Kantonsrätin und Nationalrätin mit ihrer angenommenen Initiative, dass die Engelberger im Werkhof Wyden wieder separat Plastik sammeln können, der allerdings in Perlen noch mit dem übrigen Abfall verbrannt wird.

Zusammen mit weiteren Kantonsräten aus der SVP-Fraktion ging sie nun einen Schritt weiter.

Plastiksammlung muss wieder möglich sein

Sie forderte vom Regierungsrat in einer Motion, dass er zusammen mit den Gemeinden die entsprechenden Reglemente so anpasst, dass die Obwaldner in ihren Gemeinden wieder Plastik sammeln können, welches dann auch Dritten zur Verarbeitung angeboten werden kann. Damit blitzte sie bei der Regierung ab. Sie fühle sich dafür nicht zuständig. Für die Entsorgung seien die Gemeinden und der EZV OW verantwortlich, deren Reglemente Sammlung und Wiederverwertung von Kunststoff bereits zuliessen, begründet sie ihre abschlägige Haltung zur Motion, über die der Kantonsrat am 19. März befindet. Zudem bestünden für die gut verwertbaren Kunststoffe aus Haushalten wie PET- und Plastikfla­schen bereits etablierte Sammelstellen, zum Beispiel bei den Detailhändlern.

Der EZV solle eine separate Sammlung von Kunststoffab­fällen aus Haushaltungen einführen, wenn dies ökologisch sinnvoll sei. Die Regierung rechnet, dass dies ab nächstem Jahr der Fall sein wird. Dann soll nämlich ein schweizweites Zertifizierungssystem mit Kontrollsystem vorliegen. Dieses soll eine ökologische und qualitativ hochstehende Sammlung und Verwertung garantieren. Rüegger wertet die abwertende Haltung der Regierung nicht als Misserfolg. «Ich entnehme der Antwort erfreut, dass die Regierung der separaten Plastiksammlung gegenüber positiv eingestellt ist. Offenbar braucht’s den Druck des Kantons.»

Durchbruch dank Druck vom Kanton

Denn einzig die Zentralschweiz und einzelne Bergregionen seien noch «weisse Flecken», wenn es um Recycling von Kunststoff- und Plastikmischgut gehe. Dabei entstünden aus Plastikrecycling Plastikgranu­late, die wiederum zur Herstellung von einheimischen, neuen Produkten dienten. Minderwertige Plastik- oder Fremdstoffe dienten als Energieträger für die Industrie, wie zum Beispiel für die Zementindustrie, begründet sie ihr Anliegen. «Nur so schliesst sich der ökologische Kreislauf durch technologischen Fortschritt und Innovation statt einer Verhinderungspolitik.»

Der EZV wartet noch ab

Ob der EZV in diesem oder im nächsten Jahr eine Kunststoffsammlung wieder einführt, steht gemäss Geschäftsführer Sepp Amgarten noch nicht fest. «Es muss ein System geben, hinter dem wir hundertpro­zentig stehen können. Insbesondere müssen wir die Gewissheit haben, dass der Kunststoff auch rezykliert wird. Diese Gewissheit fehlt uns bisher.»

Zudem müssten noch weitere offene Fragen geklärt werden, so etwa auch jene nach der Finanzierung. Klar sei, dass das Plastik nicht mehr gratis entsorgt werden könne. «Die Sammelstellen wurden damals zur Gratisentsorgung von allem möglichen Abfall missbraucht. Das machte die Wiederverwertung schwierig, und die Entsorgung war mit zusätzlichen Kosten verbunden.» Dies sei auch einer der Gründe, warum der EZV die Gratis-Kunststoffentsorgung vor vier Jahren abgeschafft habe.