Preis fürs Kraftwerk Obermatt bleibt unklar

Die Obwaldner Regierung möchte bis Ende Jahr entscheiden, ob der Kanton das Kraftwerk Obermatt-Arni vorzeitig von den EWL Luzern zurückkaufen soll, hält sich aber zu einem möglichen Kaufpreis weiterhin bedeckt. Die Wichtigkeit der Wasserkraft sei damit erkannt, hielten die Initianten eines Postulats am Donnerstag im Parlament fest.

Franziska Herger
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Das Kraftwerk Obermatt unterhalb von Engelberg. (Archivbild OZ)

Das Kraftwerk Obermatt unterhalb von Engelberg. (Archivbild OZ)

Um das Ende vorwegzunehmen: Der Kantonsrat nahm den Bericht der Regierung zur Strategie Wasserkraft des Kantons Obwalden an seiner gestrigen Sitzung einstimmig zur Kenntnis. Zu reden gab dieser trotzdem. Kommissionspräsident Dominik Rohrer (CVP, Sachseln) – ein Postulat von ihm und Hampi Lussi (CVP, Sarnen) hatte 2015 den Anstoss für den Bericht gegeben – fand diesen «sehr informativ». Er teile die Meinung der Regierung, die eine eigene Wasserkraft-Strategie nicht für nötig erachtet, da bei der Wasserkraft im Kanton kein grosses ungenutztes Potenzial mehr vorhanden sei. Bereits heute werden 91 Prozent des Elektrizitätskonsums im Kanton durch die Wasserkraft abgedeckt.

Rückkauf muss bis im Juni angezeigt werden

«Nun geht es noch um die Beteiligungen», fuhr Rohrer fort. Man habe frühzeitig Informationen zum 2022 möglich werdenden vorzeitigen Rückkauf der Kraftwerke Obermatt und Arni in Engelberg von der Luzerner EWL Kraftwerke AG gewünscht, «damit nicht aus dem Bauch heraus entschieden wird». Dies, nachdem der Rückkauf des Speicherkraftwerks Lungerersee durch den Kanton im Jahr 1980 «zu einer emotionalen Debatte geführt» habe. Die Konzession der EWL läuft bis Ende 2041, ein allfälliger vorzeitiger Rückkauf müsste ihr spätestens bis am 14. Juni 2019 angezeigt werden. Aus dem Bericht der Regierung geht hervor, dass derzeit Verhandlungen mit der EWL über einen Rückkauf und weitere Optionen zu möglichen künftigen Eigentumsverhältnissen an den Kraftwerken Obermatt und Arni laufen. Auch eine weitere Zusammenarbeit mit den EWL durch den Kanton oder das Elektrizitätswerk Obwalden (EWO) wäre dabei möglich. Diese hätte den Vorteil, dass die bestehende Konzession weiterlaufen könnte.

Die Verhandlungen sind vertraulich, weshalb keine Einzelheiten zum Kaufpreis bekannt sind. Baudirektor Josef Hess sagte der Nachrichtenagentur SDA, dass die Preisvorstellungen ursprünglich zwischen einem dreistelligen Millionenbetrag auf der einen und Null auf der anderen Seite lagen. Am Ende werde es auf einen zweistelligen Millionenbetrag hinauslaufen. «Ziel muss sein, dass man sich einigt unter den Parteien», appellierte Dominik Rohrer. Gelingt dies nicht, müsste ein Gericht über den Kaufpreis entscheiden.

Lungerersee: Absenkung führt zu Diskussionen

Dem Bericht lag die neue Eigentümerstrategie für das EWO bei, die der Regierungsrat am 19. Juni genehmigt hat. Sie geht auf das kantonale Energiekonzept 2009 zurück. «Es ist wichtig, dass endlich eine Strategie vorliegt», sagte Joe Vogler (CSP). «Als Lungerer bedaure ich aber, dass der Landschaftsschutz nicht erwähnt wird». Denn: Im Winter wird der Lungerersee zur Stromgewinnung abgesenkt, was manchem Lungerer nicht gefällt. Niklaus Vogler (CVP, Lungern) fügte an, es sei eine Interessengemeinschaft gegründet worden mit dem Ziel, den Betrieb zu optimieren, um ein schöneres Landschaftsbild zu erreichen. Gespräche mit Regierung und EWO hätten jedoch ergeben, dass in erster Linie auf die Wirtschaftlichkeit geschaut werde.

Baudirektor Josef Hess hielt fest, dass «man dann Strom verkaufen muss, wenn der Preis gut ist», nämlich im Winter. «Es gibt Berechnungen, dass der Ertrag um bis zu eine Million Franken zurückgeht, wenn der Seespiegel oben bleibt.» Er erinnerte daran, dass auch der Lungerer Gemeinderat der Eigentümerstrategie zugestimmt habe, und dass das EWO freiwillig versuche, die Absenkungen weniger ausgeprägt zu gestalten, als die Konzession dies erlaube.