Obwaldner Seniorinnen stricken für Kindersicherheit

Lichtreflektierende Kappen und Stirnbänder machen Kinder im Strassenverkehr bei Dämmerung und Dunkelheit besser sichtbar. Bewohnerinnen der Residenz Am Schärme haben im Rahmen einer nationalen Kampagne für Sarner Kinder gestrickt.

Philipp Unterschütz
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Irene Brehm (Mitte) übergibt Stricksachen an Kindergärtler. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 30. Oktober 2018))

Irene Brehm (Mitte) übergibt Stricksachen an Kindergärtler. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 30. Oktober 2018))

Eigentlich heisst die Aktion ja «Altersheime bringen Kinder zum Leuchten». Doch zuerst brachten die Seniorinnen aus der Residenz Am Schärme in Sarnen mit ihren Geschenken die Kindergärtler zum Strahlen. Im Rahmen der nationalen Aktion der Terz-Stiftung Schweiz haben sieben Seniorinnen im Schärme 24 farbenfrohe Kappen und 17 Stirnbänder gestrickt, die sie am Dienstag bei der Aula Cher den Sarner Kindergärtnern übergaben. Weitere werden noch folgen, bis alle Kindergärtler in Sarnen eine solche Kappe haben.

«Das Besondere an diesen Strickwaren ist, dass als Beifaden zur Wolle ein reflektierendes Garn mitläuft», erklärt Susanne Jenne, Teamleiterin Aktivierung in der Residenz Am Schärme. Die Kappen und Stirnbänder sind deshalb im Strassenverkehr in der Dämmerung und bei Dunkelheit besser sichtbar und verbessern die Sicherheit für die Kinder.

Schweizweit über 6000 Kappen gestrickt

Die Aktion ist ein Bestandteil der Kampagne «Vorbilder leuchten» der Terz-Stiftung Schweiz, die sich dafür einsetzt, dass ältere Menschen möglichst lange selbstständig, selbstbestimmt und aktiv bleiben. Mit der Kampagne werden die Senioren auch zu Vorbildern für die nachfolgenden Generationen. «Tatsächlich wurden unsere Bewohner und Bewohnerinnen durch die Aktion auch selber sensibilisiert und erkennen, dass reflektierende Kleidung auch für sie selber wichtig ist», so Susanne Jenne. «Einige haben darum auch noch für die eigenen Grosskinder weitere Kappen gestrickt.»

Die Kampagne der Stiftung ist auf die Dachkampagne «Made visible» des Touring Club Schweiz TCS und der Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU abgestimmt, die ebenfalls dem Thema «Sichtbarkeit im Strassenverkehr» gewidmet ist. «Wir sind überwältigt vom Erfolg der Strick-Aktion», sagt David Fuchs, PR-Verantwortlicher der Terz-Stiftung. «Über 100 Alters- und Pflegeheime, 22 Frauenvereine und 108 einzelne Frauen haben in den vergangenen Monaten etwa 6000 Kappen und Stirnbänder gestrickt. Weit mehr als wir erwartet hatten.» Die Stiftung stellte Muster, Wolle und Garn zur Verfügung. Allein im Schärme wurden knapp 100 Wollknäuel gebraucht.

Stricken ist gut für die Feinmotorik

«Wenn man sieht, wie sich die Kinder freuen, macht mich das selber richtig glücklich», erklärt beispielsweise Irene Brehm, die den strahlenden Kindergärtlern grad selber die Kappen aufsetzt. Sie hat rund 30 Stück der Mützen und Stirnbänder gestrickt. «‹Lismä› ist mein Hobby, seit ich im Schärme bin», erklärt sie und meint dabei lächelnd, es habe richtig Spass gemacht – umso mehr, weil es für die Sicherheit der Kinder sei.

Handarbeit ist nur eine von etlichen Aktivitäten, die den Bewohnern im Schärme geboten wird. «Stricken ist gut für die Feinmotorik. Und weil man es nie verlernt, ist es letztlich auch für das Selbstwertgefühl wichtig», erklärt Susanne Jenne und erzählt, dass im Schärme auch etliche Männer in der Handarbeitsgruppe mitmachen.

Die Kindergärtler bedankten sich bei den anwesenden Damen aus dem Schärme mit Liedern und einem Schoggiherz und genossen die Fotosession mit ihren neuen Kappen und Stirnbändern sichtlich. «Die Kappen sind aber keine Konkurrenz zu Euren Leuchtdreiecken, die ihr sonst auf dem Schulweg tragt», ermahnte Hubert Schumacher, Leiter der Administration der Residenz Am Schärme, die Kinder. «Sie sind eine Ergänzung. Am besten tragt ihr beides und seid damit immer leuchtende Vorbilder!»

Mitgemacht hat bei der Aktion auch die Strickgruppe der Frauengemeinschaft Alpnach. Die «Lismifrauen» haben für eine Schulklasse 17 Mützen gestrickt. Auch sie übergaben die Kappen am Dienstag den Kindern der Klasse 2b Alpnach in der Hoffnung, dass die Leuchtmützen die Kinder im Strassenverkehr bei Dunkelheit beschützen mögen.

Die Sarner Kindergärtner sind gespannt auf ihr Geschenk. Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 30. Oktober 2018)
10 Bilder
Die Residenz am Schärme Sarnen übergibt den Lehrpersonen ein grosses Paket mit den Mützen. Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 30. Oktober 2018)
Die Kinder scharen sich um das Paket mit den Mützen und können es kaum erwarten. Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 30. Oktober 2018)
Irene Brehm (Mitte), Bewohnerin der Residenz Am Schärme, lässt es sich nicht nehmen, den Kindern die Mützen persönlich aufzusetzen. Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 30. Oktober 2018)
Irene Brehm aus der Residenz am Schärme (rechts) war die fleissigste Strickerin. Rund 30 Mützen hat sie angefertigt. Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 30. Oktober 2018)
Die Sarner Kindergärtner mit Irene Brehm aus der Residenz am Schärme. Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 30. Oktober 2018)
Die frisch eingekleideten Kindergärtner freuen sich über ihre neuen Kappen und singen zum Dank einige Lieder. Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 30. Oktober 2018)
Susanne Jenne, Teamleiterin Aktivierung hat das Strickprojekt in der Residenz Am Schärme geleitet. Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 30. Oktober 2018)
Dank eines reflektierenden Garnfadens leuchten die Strickmützen der Aktion «Vorbilder leuchten» der terzStiftung Schweiz in der Dämmerung und Dunkelheit. (Bild: PD)
In Alpnach freuen sich die Kinder der Klasse 2b von Denise Dietrich über die 17 Mützen, welche die Strickgruppe der Frauengemeinschaft Alpnach angefertigt hat. (Bild: PD)

Die Sarner Kindergärtner sind gespannt auf ihr Geschenk. Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 30. Oktober 2018)