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Obwaldner Serientäter wird in fast allen Punkten verurteilt

Ein Obwaldner, der unter anderem elf Einbrüche, vier Körperverletzungen und einen bewaffneten Raub auf dem Kerbholz hat, muss für über vier Jahre ins Gefängnis. Die Strafe wird jedoch zu Gunsten einer Suchtbehandlung aufgeschoben.
Franziska Herger
Eine Person betrachtet den Schaden nach einem Einbruch. (Symbolbild: Dominik Hodel)

Eine Person betrachtet den Schaden nach einem Einbruch. (Symbolbild: Dominik Hodel)

51,5 Monate Gefängnis, unbedingt, erhält ein Mann aus Obwalden für eine Deliktserie, wie sie nicht alltäglich ist: Der 28-Jährige ist unter anderem wegen bewaffneten Raubs, vierfacher einfacher Körperverletzung, zehnfachen Diebstahls, zwölffacher Sachbeschädigung, elffachen Hausfriedensbruchs, mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte und Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt worden. Dies geht aus dem kürzlich veröffentlichten Entscheid des Kantonsgerichts hervor.

Sämtliche Delikte beging der Mann zwischen März 2014 und Juli 2016 – eine Zeit, in der er oft sehr stark unter Drogen und Alkohol stand, wie er selber an der Hauptverhandlung gesagt hat. Zur Finanzierung seiner Sucht sei nicht viel vor ihm sicher gewesen, meinte der Staatsanwalt. So kam es zu Einbruchserien wie in jener Novembernacht 2015, als der Mann hintereinander in fünf Lokale und Geschäfte in Sarnen einbrach. Auch verteilte er immer wieder Faustschläge, unter anderem 2015 an einen Polizisten an der Stanser Fasnacht.

Gericht ist härter als die Staatsanwaltschaft

Die Verteidigung hatte 36 Monate Gefängnis beantragt, die Staatsanwaltschaft 48 Monate. Dabei wurde sie nun vom Gericht noch übertrumpft. Der Mann war bei vielen der ihm vorgeworfenen Delikte geständig. Es tue ihm leid, dass andere Leute unter seinem Verhalten leiden mussten, sagte er an der Hauptverhandlung. Andere Delikte bestritt er, besonders vehement den Vorwurf der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem damals 15-jährigen Mädchen – so etwas verabscheue er aus tiefem Herzen, betonte er.

Doch das Kantonsgericht liess die Beteuerungen des Beschuldigten nicht gelten, sie hätten nie Geschlechtsverkehr gehabt und das Mädchen habe ihm gesagt, sie sei 19-jährig. «Herummachen» erfülle als eindeutig sexualbezogene Handlung den Tatbestand bereits. Den Irrtum über das Alter des Mädchens hätte er zudem vermeiden können, so das Gericht. Er sei damals über 25 Jahre alt gewesen und hätte sich zumindest beim Bruder der Geschädigten erkundigen müssen, den er gut kennt. Dass das Mädchen Drogen konsumiert habe oder sexuell erfahren gewesen sei, wie der Mann vorbrachte, ändere daran nichts.

Taxifahrer mit Schlagring bedroht

Den Raub an einem Taxifahrer, den der Beschuldigte mit zwei Komplizen in den Kernwald bestellt hatte, gestand der Beschuldigte. Sein Verteidiger sah den Schlagring, mit dem sein Klient den Taxifahrer bedrohte, jedoch nicht als gefährliche Waffe. Laut Gericht ist der Schlagring jedoch geeignet, schwere Verletzungen zu verursachen, weshalb es statt Raub einen qualifizierten Raub annahm, bestraft mit nicht unter einem Jahr Gefängnis.

Eine Kopfnuss, mit der er einen Mann zu Boden geschlagen hatte, sei eine blosse Tätlichkeit gewesen und als solche verjährt, machte der Beschuldigte weiter geltend. Das Gericht sah das wegen der längeren Heilungszeit anders, wertete aber den Faustschlag gegen den Polizisten anders als die Staatsanwaltschaft als blosse Tätlichkeit.

Freigesprochen wurde der Beschuldigte unter anderem vom Vorwurf, einem Sarner einen Faustschlag ins Gesicht versetzt zu haben. Der Geschädigte hatte ihn selber vor Gericht entlastet. Auch dass der Mann im Sommer 2014 das Public-Viewing-Zelt des FC Sarnen aufgeschlitzt und versucht habe, die Abendkasse zu stehlen, endete mangels Beweisen in Freispruch.

Harte Kindheit als strafmindernd erachtet

Als erheblich straferhöhend erachtete das Gericht eine Reihe einschlägiger Vorstrafen. Auch delinquierte der Mann während des laufenden Strafverfahrens weiter, bis er Anfang 2017 den vorzeitigen Massnahmevollzug mit Suchtbehandlung antrat. Die schwierige, von Gewalt geprägte Kindheit des Beschuldigten berücksichtigte das Gericht als strafmindernd. Ein psychiatrisches Gutachten attestierte dem Mann eine Rückfallgefahr von über 75 Prozent. Könne der Alkohol als Risikofaktor jedoch ausgeschlossen werden, sei eine Besserung der Prognose zu erwarten. Die Freiheitsstrafe wird denn auch aufgeschoben zu Gunsten einer erneuten stationären Suchtbehandlung.

Zudem hat der Mann über 56'000 Franken Gerichtskosten, 2000 Franken Genugtuung an zwei von ihm Geschlagene und über 10'000 Franken an Zivilkläger zu zahlen – vorderhand. Denn zahlreiche weitere Kläger wurden auf den Zivilweg verwiesen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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