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Obwaldner Tierschützerin: «Katzen sind oft ein Wegwerfartikel»

Susann Schmid setzt sich für das Wohl von vernachlässigten Katzen ein – und wurde dabei auch schon bedroht und beschimpft. Es brauche Kastrationen, um das Elend zu verringern, ist die Alpnacherin überzeugt.
Franziska Herger
Susann Schmid aus Alpnach zeigt eine Falle, mit der sie verwilderte Katzen einfängt. (Bild: Corinne Glanzmann (13. November 2018))

Susann Schmid aus Alpnach zeigt eine Falle, mit der sie verwilderte Katzen einfängt. (Bild: Corinne Glanzmann (13. November 2018))

«Komm Snowy», lockt Susann Schmid. «Es gibt Futter.» Aus verkrusteten Augen schaut der Kater misstrauisch unter seinem Versteck hervor – ein Schemel in der Scheune eines Obwaldner Bauern. Bald ist der Geruch zu verlockend und Snowy nähert sich dem Futternapf, den Susann Schmid ihm hingestellt hat. «Ich komme regelmässig hierher», sagt die Alpnacherin. «Mit Zustimmung des Bauern füttern wir die Hofkatzen, die sonst nur Mäuse bekämen.»

Schmid, hauptberuflich Inhaberin der Parkettfabrik Schmid Parkett AG in Alpnach, ist ehrenamtlich für die Tierschutzorganisation Netap tätig. «Wir wollen das Katzenelend verringern, das es auch bei uns in der Schweiz gibt», sagt sie. Das bedeutet vor allem eines: Kastration. «Eine Katze kann bis zu dreimal jährlich bis zu sechs Junge haben. So entsteht sehr schnell eine Kolonie.»

Gratis-Rundumversorgung für verwilderte Katzen

In der Schweiz leben zwischen 100 000 und 300 000 herrenlose Katzen, wie der Tierschutzverein Nidwalden schreibt. Viele Tiere würden qualvoll sterben, weil sie keine medizinische Versorgung erhielten oder nicht ausreichend Nahrung fänden, heisst es weiter. Oft würden überzählige Kätzchen aus Überforderung oder Gleichgültigkeit vernachlässigt oder gleich dem Fuchs oder der Kälte überlassen, ergänzt Susann Schmid. «Katzen sind oft ein Wegwerfartikel in diesem Land.»

Um das zu verhindern, durchstreift Schmid die ganze Zentralschweiz, füttert Katzen, bringt sie zum Tierarzt und verteilt Fallen, damit streunende oder halbwilde Katzen eingefangen und kastriert werden können. Sie ist auch Einsatzleiterin von Kastrationsaktionen, wie sie am Samstag im Stanser Tellenmatt-Schulhaus mit dem Tierschutzverein Nidwalden und am 2. Dezember in ihrer Fabrik in Alpnach stattfinden. Dort erhalten zugelaufene Bauernhofkatzen und verwilderte Katzen eine Gratis-Rundumversorgung durch Tierärzte, inklusive Parasitencheck, Impfungen und eben auch Kastration. Für Stans sind bereits 90 Katzen angemeldet, einige Plätze seien aber noch frei, sagt Susann Schmid.

Oft reagiert Schmid auf Hinweise aus der Bevölkerung über Katzen, die unter unhaltbaren Bedingungen leben. «Häufig melden sich aber auch gerade Bauern selber, wenn ihnen eine Katze zugelaufen ist, die kastriert werden muss.» Doch nicht immer sind ihre Erfahrungen positiv. Schmid wurde schon beschimpft, mit dem Gartenschlauch bespritzt und ihr wurde gedroht, beim nächsten Besuch schiesse man auf sie. Beeindruckt hat sie das wenig. «Mir ist egal, was die Leute von mir denken. Die Tiere brauchen eine Stimme, denn selber können sie sich nicht wehren.» Deren Schicksal nimmt die 45-jährige stark mit. «Einmal hat mir ein Bauer gesagt, meine Falle hätte gerade die richtige Grösse, um in den Brunnen zu passen», erzählt sie, noch immer entsetzt.

Bis zu 40 Stunden pro Woche für die Katzen im Einsatz

Als Schmid vor drei Jahren auf Facebook auf die Organisation Netap stiess, sei ihr sofort klar gewesen, dass sie mithelfen wolle. Sie hat selber sechs Katzen, «alles Trostpreise, die sonst niemand wollte.» Bis zu 40 Stunden pro Woche setze sie für die Tiere ein, sagt Schmid, neben der Arbeit in der Parkettfabrik. Auch bei der Unterschriftensammlung für eine im Juni in Bern eingereichte Petition von Netap und der Stiftung Tier im Recht, die eine Kastrationspflicht für Katzen mit unkontrolliertem Freigang fordert, war sie dabei. Zu den Unterzeichnenden gehören aus Obwalden auch Ständerat Erich Ettlin und Nationalrat Karl Vogler.

Bauern, die ihre Katzen nicht kastrieren wollen, seien oft falsch informiert oder hätten Angst, durch die Kastrationen gäbe es plötzlich nicht mehr genug Katzen zum Mausen, so Schmid: «Katzen mausen genau gleich gut, wenn sie kastriert sind. Und wir suchen immer wieder Plätze, wo wir Katzen auswildern können.» Und was, wenn Katzenhalter junge Kätzchen einfach herzig finden? «Man sollte bedenken, dass viele Tierheimkatzen ein Zuhause bräuchten. Und: Katzen können 20 Jahre alt werden. So lange sollte man Zeit und Geld für sie haben.»

Hinweis: Wer seine Katze(n) für die Kastrationsaktionen in Stans (Anmeldung bis Donnerstagabend) oder Alpnach anmelden möchte, erreicht Susann Schmid unter Tel. 041 670 32 82.

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