Obwaldner Tourismus und Gewerbe fordern vom Bundesrat eine rasche Öffnung

Im Kanton Obwalden fordern Tourismus, Gewerbe sowie bürgerliche Politiker eine rasche Öffnung der Gastrobetriebe und der touristischen Infrastrukturen sowie des gesamten Detailhandels. Der Regierungsrat solle diesbezüglich beim Bundesrat intervenieren.

Simon Zollinger
Merken
Drucken
Teilen
Obwaldner Tourismusverbände fordern in einem Brief eine rasche Öffnung.

Obwaldner Tourismusverbände fordern in einem Brief eine rasche Öffnung.

Bild: Urs Flüeler/Keystone

Der am 20. April bei der Obwaldner Regierung eingegangene offene Brief beginnt mit einer klaren Aufforderung an den Regierungsrat: Er fordert eine umgehende Intervention beim Bundesrat zwecks Wiedereröffnung aller Läden ab dem 27. April.

«Die Coronapandemie hat während der letzten fünf Wochen gezeigt, dass unsere Landesteile und Kantone ganz unterschiedlich betroffen sind. Die Deutschschweiz weist 4-mal weniger Todesfälle auf als die Westschweiz, gar 9-mal weniger als das Tessin. Obwalden hat zum Glück bis heute keine Todesfälle zu verzeichnen und nur verschwindend wenige Fälle mit Spitalaufenthalt.»

Die Unterzeichnenden John de Haan, Gewerbeverbandspräsident Obwalden, Florian Spichtig, OT Obwalden Tourismus, Andres Lietha, CEO Engelberg Titlis Tourismus, Thomas Dittrich, Hotelier- und Gastroverein Engelberg, Ivo Herzog, Fraktionspräsident der SVP Obwalden, Christian Limacher, Fraktionspräsident FDP Obwalden, Ständerat Erich Ettlin sowie
Nationalrätin Monika Rüegger sind der Meinung, dass mit den wichtigen Lockerungen auf den 27. April hin erstaunlicherweise grosse Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen geschaffen würden, anstatt sie zu beseitigen: «Gemäss Entscheid des Bundesrates dürfen grosse Detailhändler und Baumärkte das ganze Sortiment verkaufen, während die kleinen Einzelhändler weiterhin bis zum 11. Mai geschlossen bleiben. Das würde dazu führen, dass Kleider, Papeterieartikel, Sportartikel, Velos etc. nach einem langen Verkaufsverbot mit entsprechend grosser Nachfrage wohl bei den privilegierten Grosshändlern gekauft würden und der Einzelhandel leer ausginge.»

Die Hygiene ist in kleinen Läden nicht schlechter


Die Unterzeichnenden schreiben weiter: «Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Bundesrat davon ausgeht, dass ausgerechnet in den grossen Läden die Hygiene- und Abstandsvorschriften besser eingehalten werden können als in den kleineren Fachgeschäften. Die rasche Wiedereröffnung aller Läden ab dem 27. April 2020 ist notwendig, um eine weitere, ungeheure Wettbewerbsverzerrung, welche das endgültige Aus für viele kleinere Geschäfte zur Folge haben würde, hoffentlich zu verhindern. Gleichzeitig wird der Regierungsrat gebeten, sich auch dafür einzusetzen, dass für die Gastronomie sowie für Bergbahnen eine rasche Lockerung des Lockdowns erfolgt.»

Den systemrelevanten Tourismus wiederbeleben

Wie der Bundesrat am 16. April entschieden hat, werden Restaurationsbetriebe mindestens bis zum 8. Juni geschlossen bleiben. Hotels dürften zwar seit Beginn der Einschränkungen zu Übernachtungszwecken offenbleiben, litten aber wegen der unterbrochenen touristischen Wertschöpfungsketten weiterhin unter De-facto-Schliessungen: «Die Branche wäre dank eines gesundheitstechnischen Restart-Konzeptes für eine Wiedereröffnung gerüstet. Der andauernde Stillstand bedeutet grosse Planungsunsicherheit, im Besonderen bezüglich konkreter Öffnungstermine. Der Tourismus ist in vielen Regionen im Kanton Obwalden systemrelevant, und nur eine rasche Öffnung der Gastronomie und der Bergbahnen ermöglicht es, die touristische Wertschöpfung Schritt für Schritt wieder anzukurbeln.»
Der Brief schliesst mit: «Eine Abwägung der Verhältnismässigkeit ist heute angebracht. Eine zumindest regionale Unterscheidung scheint berechtigt in der Beurteilung zur Lockerung des Corona-Lockdowns.»